Quatsch, Klamauk, Niveauvernichtung

Chaostheater Oropax zu Gast beim 22. Murrhardter Sommerpalast – Brüderpaar präsentiert einmalige Open-Air-Sondershow

Murrhardt war das große Thema dieses „Häppänings“ im Sommerpalast. Oropax hatte unter anderem herausgefunden, dass dieser Ort zum Ersten Deutschen Fernsehen gehört. Deshalb auch sein Name „MurrhARDt “. Das Publikum wurde mit Spontaneinlagen und sonnigen Scherzen verwöhnt. Die Stadtgeschichte wird wohl neu geschrieben werden müssen – allerdings mit unterhaltsamen Rechtschreibfehlern.

Das Chaostheater Oropax – das sind die Brüder Volker (rechts) und Thomas Martins. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Das Chaostheater Oropax – das sind die Brüder Volker (rechts) und Thomas Martins. Foto: J. Fiedler

Von Carmen Warstat

MURRHARDT. Die Freiburger Brüder Volker und Thomas Martins bilden das schräge Chaostheater Oropax. Sie haben sich auf spitzfindige Spiele mit der Sprache spezialisiert und sind in der Lage, solche quasi spiralförmig in Höhen zu treiben, die schwindelerregend komisch sein können. Ihre Lieblingstechnik besteht darin, einfach im Bilde zu bleiben und rauszuholen, was geht.

So bringen sie ein überdimensionales Nähkästchen herbei, um aus selbigem zu plaudern, denn: Thomas muss sein „Wolltrauma auf der Bühne verarbeiten“. Er „hängt an der Nadel“, bezeichnet seine „Woll-Lust“ als „nur ’ne Masche von mir“, verliert den (selbstverständlich roten) Faden und ist „stri(c)kt dagegen“. „Du spinnst“, sagt Chaosbruder Volker und findet es „häkelhaft“.

Schläge unter die Gürtellinie

bleiben nicht aus

So geht es immer weiter und zieht sich durch das gesamte Programm, das aber auch andere Themenfelder ausschlachtet. „Schäbiger Wortwitz“ nennen sie es selbst, wenn einer von ihnen die Klappe (des Nähkästchens) hält und der andere über die Frisur des Bruders herzieht: „Total ausgefallen!“ Wirklich komisch wird dieser Quatsch erst durch die spleenige Körpersprache und Mimik des Clownduetts, das ein bisschen überkandidelt ist und keine Angst vor dem Grotesken hat. Da bleiben Schläge unter die Gürtellinie nicht aus. Aber auch diese wirken intelligent, weil sie mit einer gehörigen Portion Selbstironie gewürzt sind und nie ins Miese abgleiten. Die beiden Chaoten selbst sprechen von ihrer „Niveauvernichtungstechnik“ und nehmen so jedem Moralisten den Wind aus den Segeln. Fantasievolle Verkleidungen und liebevolle Interaktion mit dem Publikum ergänzen das Ganze, bis die bunten Wollknäuel nur so durch das Sommerpalast-Zelt fliegen. Frisch kostümiert sind Volker und Thomas nach der Pause zurückgekehrt und haben erst mal auf Englisch weitergemacht, um genau zu sein, ist es eher Denglisch. So wird aus Murrhardt „Murrheart“, und das sei übrigens „die Toskana Nordwürttembergs“ – das Publikum kann nur geschmeichelt raunen. Auch andere Ortsnamen der Region werden sprachspielerisch aufbereitet. Aus Schwäbisch Hall echot es schwäbisch „Hallooo-le“ und so fort. Ein langer Monolog darüber, „was ich gesagt hab, bevor ich dich gefragt hab, was ich gesagt hab“, gerät zu einem wahren Kabinettstück ebenso wie die sich im Kreise drehende Endlosnummer um einen Mönch (im Strickmantel), der seine Klosterfrau sucht. Dann haben sie es mit der Vorsilbe „ver“, besser: ohne die Vorsilbe „ver“. Denn Bruder Thomas ist von Ängsten geplagt, vor allem von einer: „dass ich ‚ver‘-sage...“ Das führt zu allerlei Halbworten, die im Kontext der Gags und ihrer auch stimmlich originellen Präsentation geistreich und gewitzt wirken. Schließlich gibt es eine „Arztnummer“ als Zugabe, die Volker „zu gut für dieses Zelt“ findet, ohne zu verraten, warum.

Das Publikum raunt wieder, diesmal eher nicht geschmeichelt. Das Chaostheater Oropax verabschiedet sich mit „Wiedergutmachungsscherzen“ und „Ersatzpointen“, die zum Teil blöder nicht sein könnten. Und das ist keine Kritik, sondern wirklich zum Kaputtlachen.

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Erstellt:
21. Juli 2018, 06:00 Uhr

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