Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Radio verbindet

Interviews machen die acht Schüler der Radio-AG des Backnanger Max-Born-Gymnasiums besonders gern. Die AG besteht seit diesem Schuljahr.

Radio verbindet

© Alexander Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

BACKNANG. Besonders viel hatten die acht Schüler der Radio-AG während der Coronakrise zu tun. 13 einstündige Sendungen wurden für die Sendung „Back to Backnang“ fix und fertig produziert und an das Chelmsford Community Radio geschickt – selbstverständlich auf Englisch.

„Es macht Spaß, Leute anzusprechen“, findet Fanny. Das hätte sie vor einem Jahr noch nicht gedacht, denn eigentlich beschreibt sie sich als eher schüchtern und zurückhaltend. Doch die Radio-AG hat ihr geholfen, das zu überwinden. „Mittlerweile habe ich mehr Selbstvertrauen und gehe auf Leute zu.“

Das ist nicht der einzige positive Aspekt an der schulischen Arbeitsgemeinschaft. Im letzten Dezember stand ein Besuch in der englischen Partnerstadt Chelmsford an, bei dem der Sender besucht wurde, der die Beiträge der Backnanger jeden Sonntag ausstrahlt. Die Sendung „Back to Backnang“ gibt es schon seit Jahren. Mit großem Engagement hatte David Whitehead, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins, die Radiobeiträge gestaltet. Vor zwei Jahren war dann die Idee aufgekommen, für die bilingualen Schüler der 7. Klasse das Radioprojekt ins Leben zu rufen. Das kam so gut an, dass im aktuellen Schuljahr schließlich die AG angeboten wurde.

Keiner hätte seinerzeit gedacht, dass die Radio-AG so ein Erfolg wird. Zunächst waren nämlich nur einzelne Beiträge und Musikwünsche für David Whiteheads Sendung geplant, doch bald lag die Sendungsgestaltung komplett in den Händen der Schüler.

Gefördert wird die Arbeitsgemeinschaft über das Erasmus-Programm. Lehrerin Dorothee Ziesik betont: „Das ist gelebte Partnerschaft. Die Jugendlichen sind Juniormitglieder im Partnerschaftsverein.“ Eigentlich hätten Oliver, Dominik, Fanny, Franka, Sara, Friederike, Anna-Sophie und Lara der Partnerstadt Chelmsford im März einen Besuch abgestattet und ihrerseits im Herbst Besuch von einer englischen Gruppe bekommen. Aus bekannten Gründen musste das nun abgesagt werden, doch „die Kinder halten Erasmus mit ihrer AG am Leben.“

Seit dem Lockdown werden Beiträge wöchentlich ausgestrahlt.

Durch Corona hat die AG ziemlich an Fahrt aufgenommen. Produzierte die Gruppe vorher nur eine Sendung im Monat, werden ihre Beiträge seit dem Lockdown wöchentlich ausgestrahlt. Da steckt ziemlich viel Arbeit drin. Normalerweise gibt es ein Thema pro Sendung, es können aber auch mal zwei werden. Die Jugendlichen wählen selbst, welche Schwerpunkte sie für die aktuelle Sendung setzen. Während sie sich sonst einmal in der Woche an der Schule dazu treffen, wird das nun kurzerhand montags per Videokonferenz abgeklärt. Dann macht sich jeder selbst an seine Beiträge. Interviews müssen geführt werden, je nach Wunsch des Interviewpartners auf Englisch oder auf Deutsch.

Damit es nicht zu lang wird und Wiederholungen vermieden werden, werden die Gespräche geschnitten und, wenn nötig, noch übersetzt. Und das klingt zum Schluss schon richtig professionell. Franka benutzt ein richtiges Mikrofon, die anderen ihre Handys. Ein Studio haben sie nicht, alles wird zu Hause fertiggestellt. Hintergrundinformationen zum Thema gibt es selbstverständlich auch. Für gewöhnlich ist so ein Beitrag zwischen 30 Sekunden und 5 Minuten lang, die längeren werden jedoch gesplittet und dazwischen wird Musik gespielt. Diese suchen die sechs Mädels und zwei Jungs selbst aus, damit zum Schluss zwei fertige Programmhälften von jeweils mindestens 27 Minuten und 30 Sekunden herauskommen. Nachrichten und Werbung werden während der Ausstrahlung vom Chelmsforder Community Radio eingespielt.

Gut drei Stunden pro Woche investiert jeder, für die beiden Jungs, die zum Schluss alles zusammenstellen und sendefertig schneiden, kann es auch mal doppelt so lang sein. Doch bisher hat es noch immer geklappt – montags Teamsitzung und Samstag ist die Sendung fertiggestellt. In diesem Umfang wird man das nach den Sommerferien vermutlich nicht mehr leisten können, bedauern die Neunt- und Zehntklässler. Wenn die Schule wieder richtig losgeht, wird man wohl auf eine bis zwei Sendungen pro Monat zurückfahren müssen. Allerdings ist auch geplant, die Schule in der Partnerstadt mit einzubinden.

Die Themenauswahl ist sehr vielfältig und es hat sich öfter gezeigt, dass diese auch für die Chelmsforder brandaktuell sind. Dorothee Ziesik: „Wir haben beispielsweise etwas über Biergärten gemacht und eine Woche später waren die Pubs dort auf. Oder es kam ein Beitrag über Autokinos und in der Woche darauf gab es auch in Chelmsford eines.“ Corona, Weihnachtsmarkt, das Backnanger Straßenfest, der Fall der Mauer sind nur einige Beispiele für spannende Sendungen. Vor allem die Arbeit an letzterer fanden die acht interessant, besonders da sie die Gelegenheit hatten, mit dem ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Robert Antretter darüber zu reden. Sehr erfreulich auch – die meisten Rückmeldungen auf Interviews sind positiv.

„Was wir machen, ist mehr als nur Sendungen entstehen zu lassen.“

Anfangs war es schon ungewöhnlich, die eigene Stimme vom Band zu hören, aber mittlerweile haben sich die acht „Bilis“ daran gewöhnt. Die Texte werden gleich auf Englisch eingesprochen – und zwar so oft, bis die jungen Radiomacher damit zufrieden sind. Das entscheiden sie komplett selbst. Und es klingt dann auch richtig gut. Mal abgesehen davon, dass ihnen die AG viel Spaß macht, inspiriert sie die Radioarbeit auch für ihre Zukunftspläne? Oliver bejaht das sofort. Er hat sich für ein Berufspraktikum in einem Tonstudio beworben und wurde auch angenommen. Und Fanny interessiert sich schon länger für England und möchte später unbedingt mal dorthin.

Ja, AG-Leiterin Dorothee Ziesik ist stolz auf ihre Schützlinge und wie sie sich für die Städtepartnerschaft engagieren. Franka bringt es auf den Punkt: „Immer wieder realisieren wir, dass das, was wir machen, mehr ist, als nur irgendwelche Sendungen entstehen zu lassen. Es ist etwas, was diese beiden Städte verbindet. Backnang und Chelmsford.“

Zum Artikel

Erstellt:
25. Juli 2020, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!