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Ralf Nentwich setzt sich gegen Härtner durch

Der gebürtige Backnanger wurde bei der Nominierungsveranstaltung der regionalen Verbände von Bündnis 90/Die Grünen in Sulzbach an der Murr zum Landtagskandidaten gewählt. Als Zweitkandidatin wurde Juliana Eusebi von der Versammlung ins Rennen geschickt.

Ralf Nentwich und Juliana Eusebi freuen sich nach ihrem „Vorsingen“ bei der Nominierungsveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen auf den Landtagswahlkampf. Foto: Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Ralf Nentwich und Juliana Eusebi freuen sich nach ihrem „Vorsingen“ bei der Nominierungsveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen auf den Landtagswahlkampf. Foto: Sellmaier

Von Carmen Warstat

SULZBACH AN DER MURR. Im Vorfeld der Landtagswahl 2021 nominierten die Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen nun ihre Kandidaten. Die Grünen sehen gute Chancen, dieses Mal für den Wahlkreis Backnang ein Direktmandat zu holen. Aus vier Bewerbern wählten die Ortsverbände Backnanger Bucht und Oberes Murrtal sowie der Kreisverband Rems-Murr ihren Kandidaten und dessen offizielle Zweitkandidatin.

Nach zwei Wahlgängen stand die Entscheidung der 46 Stimmberechtigten fest: Ralf Nentwich erhielt 24 Stimmen, sein Gegenkandidat Willy Härtner 22. „Das spiegelt die Qualität der Bewerbungen wider“, befand Versammlungsleiter Thilo Vogler. Im ersten Wahlgang hatte keiner der Kandidaten das Quorum von 24 Stimmen erreicht. Angetreten neben Härtner und Nentwich waren Kai Langenekert, der im ersten Wahlgang vier Stimmen erhielt, und Andrea Jäger, die im ersten Wahlgang sechs Stimmen erhielt. Zum zweiten Wahlgang traten die beiden nicht an, sodass Willy Härtner (17 Stimmen im ersten Wahlgang) und Ralf Nentwich (19 Stimmen im ersten Wahlgang) sich der Stichwahl stellten.

Mit Ralf Nentwich wählten die Grünen einen Kandidaten, dessen DNA nach eigenem Bekunden „grün bis in die Haarspitzen“ ist. Er habe schon als Kind Krötenwanderungen begleitet und leidenschaftlich gern Nistkästen gebaut und später als Bundesjugendsprecher im Bundesvorstand der Naturschutzjugend im Nabu Deutschland Verantwortung übernommen. 1982 in Backnang geboren ist Nentwich heute Stadtrat der Fraktion MDAL/Die Grünen in Murrhardt und Beisitzer im Ortsverband Oberes Murrtal von Bündnis 90/Die Grünen. Der Realschullehrer für Deutsch und katholische Religion leitet außerdem seit zehn Jahren das Kreismedienzentrum in Backnang und ist damit sehr dicht „am Puls der Digitalisierung“. Zukunftsorientiert und modern präsentierte Ralf Nentwich sich in seiner Ansprache. Zu seinen Überzeugungen gehört es, die kreativen und innovativen Firmen im Wahlkreis „auf dem Weg in die Zukunft zu unterstützen“ und „Ökonomie und Ökologie zusammen zu denken.“ Weiter solle „die Digitalisierung durch Modellprojekte in unserem Wahlkreis vorangetrieben“ und in die „Zukunftsfähigkeit unseres Bildungssystems“ investiert werden. Auf „gefährliche Kipppunkte“ wies Nentwich bezüglich der Themen Klimakrise und Artensterben hin und stellt hier unter anderem seinen Einsatz für eine Fotovoltaikpflicht für alle Neubauten in Aussicht. Mit Blick auf die Landwirtschaft erläuterte der Bewerber, dass die Anreize so zu gestalten seien, dass es sich für Bauern in Baden-Württemberg lohne, eine Streuobstwiese zu pflegen, Landschaftsschutzmaßnahmen umzusetzen und gleichzeitig gesunde Nahrungsmittel zu produzieren.

Mitbewerberin Andrea Jäger thematisierte in ihrer Ansprache die Themen Landwirtschaft und Digitalisierung, Green IT, Big Data und Datenschutz und forderte, sich dem Hass in den sozialen Medien entgegenzustellen. Die Teilhabe der „dramatisch unterrepräsentierten“ Frauen müsse verbessert und Missstände in der Fleischwirtschaft müssten beseitigt werden. Als „dringlichste Themen“ bezeichnete Jäger bezahlbaren Wohnraum, den öffentlichen Personennahverkehr sowie das Breitbandnetz.

Dem Nominierungsverfahren stellte sich außerdem Willy Härtner, der Murrhardt als seinen Herzensort bezeichnete und lieber als hinterm Rednerpult „mittendrin zwischen den Menschen“ sei. Als langjähriger Backnanger Stadtrat und Abgeordneter des Kreistags bezeichnete er die Energiewende, eine gute Schulpolitik, die Weiterentwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs, sozialen Wohnungsbau und nachhaltige Umwelt- und Wirtschaftspolitik als Schlüsselthemen. Härtner ist Mitglied des BUND und beim Solarverein Rems-Murr und will die Biotopvernetzung voranbringen. Schließlich war Kai Langenekert an der Reihe. Der Wirtschaftsinformatiker aus Backnang-Waldrems findet es unerträglich, dass Referendare im Schuldienst weiterhin über die Ferien entlassen werden. Er wolle sich einsetzen für sozial gestaltete Arbeitsplätze, für eine umweltfreundliche Digitalisierung, für den Klimaschutz und für eine verbesserte Gesundheitsinfrastruktur in der Fläche. Langenekert wurde durch die Flüchtlingskrise politisiert und bezeichnete Gerechtigkeit als zentralen Punkt seiner Agenda. Es gelte, auch Geringverdiener als Grünen-Wähler zu gewinnen.

In zwei Fragerunden hatten die Wähler Gelegenheit nachzuhaken und thematisierten beispielsweise das 365-Euro-Jahresticket für den ÖPNV und die Gefahren der Digitalisierung für die motorische Entwicklung von Kindern sowie die Maßnahmen zur Gewinnung von Migranten für die Grünen und Fragen der inneren Sicherheit. Außerdem wurde nach konkreten Vorhaben für den Wahlkampf gefragt. Ralf Nentwich etwa sprach sich für eine Kombination von modernen Formaten wie Webinaren mit herkömmlichem „durch die Dörfer ziehen“ aus. Alle vier Kandidaten stellten sich in ihren Antworten bezüglich der inneren Sicherheit auf die Seite der Polizei. Die Zustände seien mit denen in den USA keineswegs zu vergleichen. Dennoch gelte es auch, Missstände aufzuarbeiten, so Nentwich.

Schließlich ging es noch darum, über die Zweitkandidatur für Ralf Nentwich zu entscheiden. Als einzige Kandidatin wurde die 22-jährige Juliana Eusebi einstimmig gewählt. Sie ist studierte Ernährungswissenschaftlerin und hat sich schon früh in der Bildungspolitik engagiert. Ihre Hauptthemen: Verkehrsinfrastruktur, Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Feminismus und Selbstentfaltung sowie die zentrale Klimafrage. Die anwesenden Mitglieder und Gäste der Grünen freuten sich an diesem wichtigen Abend in der Sulzbacher Festhalle auch über das Kommen der frisch nominierten Kandidatin für die Bundestagswahl, Ricarda Lang.

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Erstellt:
23. Juli 2020, 10:42 Uhr

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