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Rat und Hilfe rund ums Kinderkriegen

Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung des Vereins Kinder- und Jugendhilfe in Backnang besteht seit 25 Jahren

„Veränderung prägt unsere Arbeit, der Trott ist uns fern“, erklären Ines Wagner und Kathrin Kaufmann. Sie bilden das Beraterinnenduo bei der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung des Vereins Kinder- und Jugendhilfe in Backnang. Die Aufgabenschwerpunkte der Stelle haben sich in den 25 Jahren ihres Bestehens mehrmals gewandelt.

Jubiläumsfeier der Schwangerenberatung: Ines Wagner (links) und Kathrin Kaufmann stellen mit viel Humor ihre Arbeit vor. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Jubiläumsfeier der Schwangerenberatung: Ines Wagner (links) und Kathrin Kaufmann stellen mit viel Humor ihre Arbeit vor. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. In den Neunzigerjahren – der Paragraf 218 war zwar reformiert worden, die Diskussion über Aspekte des Abtreibungsrechts hielt aber immer noch an – gab es im Kreis zwei Anlaufstellen, bei denen Frauen Rat rund ums Thema Schwangerschaft fanden: beim Gesundheitsamt und bei Pro Familia.

Heinz Franke, damals frisch gebackener Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands, sah zusätzlichen Bedarf und versuchte, bei der Diakonie eine eigene Beratungsstelle anzusiedeln, wie er rückblickend berichtet. Doch die Bestrebungen seien am Oberkirchenrat in Stuttgart gescheitert. Franke ließ sich davon aber nicht entmutigen: Er stand damals bereits seit ein paar Jahren dem Verein Kinder- und Jugendhilfe in Backnang vor, der seine Tätigkeit auszuweiten begann – und damit bot sich die Chance, dort die gewünschte Beratungsstelle anzusiedeln. Das erforderte einen Kraftakt, wie er rückblickend sagt: Bis heute sind rund 500000 Euro an Eigenmitteln des Vereins dafür geflossen. Aber: „Es war richtig, dass wir es getan haben.“ Die Stelle sei tatsächlich ein Erfolgsmodell geworden. Hatte anfangs die Konfliktberatung noch eine größere Bedeutung als heute, so ist inzwischen die Hilfeberatung, die Begleitung und Unterstützung für Paare, die Familienberatung und die Sexualpädagogik mit Präventionsunterricht in den Schulen stark gewachsen.

Stadt und Landkreis zollen Anerkennung für die Beratung

Was die Beratungsstelle mit ihrer Beratung bei Schwangerschaft und nach der Geburt leistet, stößt sowohl bei den Verantwortlichen der Stadt Backnang als auch beim Kreisjugendamt auf Anerkennung. Erster Bürgermeister Siegfried Janocha und die Leiterin des Amts für Familie, Jugend und Bildung, Regine Wüllenweber, machen dies deutlich und ermuntern dazu, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Respekt zollt auch der Landkreis in Person von Hans-Peter Kirgis, der den Verein als wichtigen Kooperationspartner der Jugendhilfe und als festen Bestandteil der Beratungslandschaft im Kreis bezeichnet.

Dass der Beratungsbedarf eher zu- als abnimmt, zeigen die Zahlen: Sie haben sich in den zurückliegenden zehn Jahren verdoppelt, wobei die Hilfeberatungen überproportional stark angewachsen sind, während die Konfliktberatungen vor einem möglichen Schwangerschaftsabbruch zurückgegangen sind.

Zudem zeichnet sich die Beratungsstelle durch eine hohe personelle Konstanz aus: Die diplomierte Sozialpädagogin und systemische Therapeutin Ines Wagner ist bereits seit Ende 1998, also über 20 Jahre, an Bord, die Diplom-Sozialarbeiterin Kathrin Kaufmann seit 2008. Zum Team gehört seit 2012 ferner die Verwaltungsfachkraft Angela Stolz, die das Büro managt und den ersten Kontakt mit den Ratsuchenden hat.

Darüber hinaus war über mehrere Jahre hinweg auch eine Familienhebamme in der Beratungsstelle tätig, die jedoch aufgehört hat und für die eine Nachfolge gesucht wird.

In den 25 Jahren ihres Bestehens hat es immer wieder Veränderungen gegeben, auf die sich die Beratungsstelle einstellen musste, beispielsweise neue Gesetze zur sozialen Absicherung, zum Elterngeld und zu anderen finanziellen Leistungen. Auch die Hartz-IV-Gesetze wirkten sich aus. Eine einschneidende Änderung trat im Jahr 2000 ein, als die katholische Kirche sich entschloss, keine Beratungsscheine für einen Schwangerschaftsabbruch mehr auszustellen. Die Folge: Diakonische Beratungsstellen wurden auf- und ausgebaut. 2012 trat ein neues Kinderschutzgesetz in Kraft, 2014 wurde das Recht auf anonyme Entbindung verankert. 2015 kam das Elterngeld plus, eine sehr flexible, aber auch vielschichtige und komplizierte Angelegenheit, wie die Beraterinnen sagen.

Lebenslagen der Ratsuchenden werden immer komplexer

Immer komplexer sind auch die Lebenslagen der Ratsuchenden geworden. Dazu beigetragen hat beispielsweise der medizinische Fortschritt, der vor dem Kinderkriegen nicht haltgemacht hat. Die Erkenntnisse pränataler Diagnostik können seelische Konflikte auslösen, die dann in der Beratungsstelle ankommen. Zugleich sind die Beraterinnen auf dem Gebiet der präventiven Sexualpädagogik tätig: Es gilt, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, aus denen neue Konfliktlagen erwachsen können. Andererseits begleiten die Beraterinnen auch Paare, deren Kinderwunsch bislang unerfüllt geblieben ist und die nun auf medizinische Hilfe setzen – ein Weg, der sehr lange und zehrend sein kann. Klar, dass bei all den unterschiedlichen Aufgaben Fingerspitzengefühl gefordert ist.

„Wir sind gespannt darauf, was die nächsten 25 Jahre bringen“, sagen die Beraterinnen mit Blick auf die gesellschaftlichen, politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen, aber auch hinsichtlich der Familienkonstellationen, die immer vielfältiger werden. Und sie resümieren: „Unsere Arbeit wird nie langweilig.“

Anlässlich des Jubiläums fand kürzlich im Famfutur eine Feier statt. Neben Heinz Franke, Regine Wüllenweber und Hans-Peter Kirgis sprach auch der Verwaltungsratsvorsitzende im Verein Peter Wieland, früherer Leiter des Kreisjugendamts, ein Grußwort. Die Feier wurde von einem Bläserensemble der Backnanger Jugendmusikschule unter der Leitung von Michael Unger umrahmt.

Die Beratung rund um Schwangerschaft und nach der Geburt ist im Famfutur, Theodor- Körner-Straße 1 in Backnang, zu finden. Telefonische Anmeldung im Sekretariat unter 07191/3419-125 oder per E-Mail an beratungsstelle@kinderundjugendhilfe-bk.de.

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Erstellt:
8. November 2019, 06:00 Uhr

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