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Recherchen, Blattmachen und Sonderaktionen

So arbeitet die Redaktion (21): Was machen Journalisten, wenn sie gerade nicht schreiben?

Recherchen, Blattmachen und Sonderaktionen

Von Ingrid Knack



BACKNANG. Die Aufgaben eines Journalisten sind vielfältig. Insbesondere wenn er nicht als freier Journalist arbeitet, sondern in einer Redaktion. Wenn also über Tage hinweg nichts von ihm zu lesen ist, heißt das nicht, dass dieser gerade Urlaub macht oder im Büro eine Zeit lang nur mit halber Kraft arbeitet. Wie bei vielen Dingen, die leicht daherkommen, sieht man oft nicht, wieviel Arbeit hinter einer Geschichte steckt.

Bevor der erste Satz einer Geschichte geschrieben wird, gilt es zunächst, sorgfältig zu recherchieren. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen und ist oft zeitaufwendig. Ein Sonderfall sind Rezensionen. Schreibt man über einen neu erschienenen Roman, muss dieser freilich zuvor gelesen werden. Dafür gibt es aber keine Freiräume im Arbeitsalltag. Das Buch liest man dann zuhause.

Etwas sehr Zeitintensives kann auch die Vorbereitung auf ein Interview sein. Dazu ist es unerlässlich, sich in das entsprechende Thema einzuarbeiten, bevor die Fragen formuliert werden. Wenn das Interview im Kasten ist, wird es abgetippt und dem Gesprächspartner vorgelegt. Zuweilen gibt es kleine Änderungen, die eingearbeitet werden müssen.

Oder es wird eine Veranstaltung besucht, zum Beispiel eine Gemeinderatssitzung, deren Themen der Redakteur später aufgreift. In Themengruppen werden außerdem Ideen für Artikel gesammelt und Aufgaben verteilt.

Auch über die Illustrierung der Artikel muss sich der Redakteur Gedanken machen und sich mit den Fotografen oder bei besonderen Präsentationen und Infografiken auch mit den Layoutern abstimmen.

Zu Events wie Neujahrsempfang, Faschingsumzug oder Straßenfest werden Bildergalerien erstellt. Zusätzlich wird mitunter ein kleiner Film aufgenommen und dann geschnitten, der auf der Homepage, auf Facebook und Instagram veröffentlicht wird. Das nennt man crossmediales Arbeiten. Welche Themen behandelt werden, stimmt die gesamte Redaktion in ihren täglichen Sitzungen ab. In gewissen Abständen gibt es darüber hinaus Kreativrunden, in denen es etwa um geplante Serien oder Sonderthemen zu bestimmten Anlässen geht.

Immer wieder arbeitet ein Redakteur auch als Blattmacher. In diesen Tagen ist er für die jeweilige Zeitungsausgabe verantwortlich, redigiert die Texte von freien Mitarbeitern, überarbeitet die Pressemitteilungen der Polizei, sorgt für die Präsentation im richtigen Format, formuliert Überschriften und Bildunterschriften, platziert Bilder und ist auch Layouter. Er sichtet alle E-Mails, die im Laufe des Tage eingehen – rund 150 E-Mails sind da keine Seltenheit – und trennt die Spreu vom Weizen. Manche davon bearbeitet er sofort, andere werden in entsprechende Ordner geschoben. Dort haben alle Kollegen Zugriff.

Der Blattmacher ist auch der Erste am Tag, der sich um die Homepage und Facebook kümmert und beispielsweise einen Unfall postet, der in der Nacht passiert ist. Denn der Blattmacher ist schon früh morgens in Bereitschaft und wird von der Polizei via Handy informiert, wenn sich ein schwerer Unfall ereignet hat oder ein Haus in Flammen steht. Geschieht tagsüber etwas Größeres (ein Brand in der Innenstadt wird gemeldet und droht, auf andere Häuser überzugreifen), wird ebenfalls sofort eine Meldung auf der Homepage gemacht, die auf Facebook geteilt wird. Bilder, die sich für Instagram eignen, werden dort veröffentlicht. Am Abend übernimmt der Spätdienst, redigiert Meldungen, die noch zu bearbeiten sind, legt Webartikel an, die am nächsten Tag auf der Homepage erscheinen, und aktualisiert nach Bedarf bis kurz vor Mitternacht Printausgabe, Homepage und Facebook.

Wenn das Wochenende naht, gilt es zu besprechen, welche Veranstaltungen von wem wahrgenommen werden. Ein Redakteur bearbeitet am Wochenende ein Thema, weitere Termine werden an freie Mitarbeiter vergeben. Ein anderer Redakteur fungiert als Blattmacher und „füttert“ auch am Samstag und am Sonntag Homepage, Facebook und Instagram mit Informationen und Bildern.

Manchmal werden Redakteure gefragt, ob sie eine Veranstaltung, zum Beispiel eine Podiumsdiskussion, moderieren. Eine Zusage ist mit einer intensiven Vorbereitung verbunden. Oder Schulen laden im Zusammenhang mit unserer Aktion „Zeitung in der Schule“ Redakteure ein, die den Schülern Einblicke in ihre Arbeit geben. Auch bei manchen Berufsinformationsveranstaltungen ist ein Redakteur vor Ort. Bei Spendenaktionen wie „BKZ-Leser helfen“ investieren Redakteure viel Zeit, um herauszufinden, welche Hilfsorganisationen oder anderen potenziellen Spendenempfänger gerade am Nötigsten Geld brauchen.

Bei Redaktionsgesprächen wie bei der derzeit laufenden „externen Blattkritik“ sitzen mehrere Redakteure am Tisch und klinken sich ins Gespräch ein. Viel Zeit verbringen die Sportredakteure auf der Fahrt zu Auswärtsspielen – die bisher weiteste Fahrt ging ins niedersächsische Meppen. Immer wieder dürfen Praktikanten in die Redaktion hineinschnuppern, denen die Redakteure erklären, wie eine Zeitung gemacht wird.

Redakteure begleiten Leser überdies zu Musicals oder bei Leserreisen. Sie schreiben dann nicht nur anschließend einen Artikel darüber, sondern kümmern sich auf der Reise obendrein darum, wenn jemand seinen Geldbeutel nicht mehr findet oder einen Arzt braucht.

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Erstellt:
25. Januar 2020, 06:00 Uhr

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