Regenbogen an vielen Orten: Kritik an Stadt Stuttgart

dpa/lsw Stuttgart. Stuttgarts Oberbürgermeister Nopper unterstützt die UEFA in ihrer Entscheidung gegen eine Beleuchtung des Münchner Stadions in Regenbogen-Farben beim EM-Spiel - und erntet dafür viel Kritik. Neben einigen Städten will die Landesregierung ein Zeichen setzen.

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg spricht. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg spricht. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Im Unterschied zur Stadt Stuttgart kritisieren das Land und mehrere Kommunen die Weigerung der UEFA, das Münchner Stadion beim EM-Spiel am Abend in Regenbogen-Farben zu beleuchten. Die Haltung des Stuttgarter Oberbürgermeisters Frank Nopper (CDU) sei „beschämend“, sagte der Generalsekretär der Landes-SPD, Sascha Binder, am Mittwoch. „Das ist kein gutes Zeichen für alle, die sich täglich für Vielfalt und Respekt einsetzen. Es war noch nie eine gute Idee, vor Autokraten einzuknicken.“

Nopper hatte zuvor erklärt, es sei „besser, die ungarische Nationalmannschaft nicht mit einer Regenbogen-Botschaft zu empfangen“. Die Europäische Fußballunion (UEFA) wolle mit der EM „Brücken bilden, Ausrichter vereinen“, ließ Nopper über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreiten. Die Stadt werde am Christopher-Street-Day im Juli eine solche Botschaft an die ungarische Regierung senden, kündigte ein Sprecher des Rathauses an.

Die Landesregierung will dagegen ein Zeichen setzen und schon während des Gruppenfinales der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn (21.00 Uhr) eine Regenbogenfahne auf dem Dach des Stuttgarter Schlosses hissen. „Ich bedaure die Haltung und die Entscheidung der UEFA außerordentlich“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). „Ich finde sie unangemessen und aus der Zeit gefallen.“

Die UEFA hatte am Dienstag entschieden, dass das EM-Stadion in München nicht in Regenbogenfarben als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung erstrahlen darf. Hintergrund der Debatte ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität in Ungarn einschränkt und in der vergangenen Woche vom ungarischen Parlament gebilligt wurde. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Orban.

Dagegen wollen auch mehrere Städte im Land Farbe bekennen. Die Stadt Freiburg hisst nach eigenen Angaben am Mittwoch eine Regenbogenflagge am Rathaus. Das Rathaus von Heilbronn soll von 21.00 Uhr bis Mitternacht in Regenbogen-Farben erstrahlen. „Heilbronn ist eine vielfältige Stadt“, erklärte Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD).

Während in Reutlingen die Stadthalle in Regenbogen-Farben beleuchtet werden soll, kündigte Mannheim an, prägnante Orte der Stadt zu illuminieren. Dazu gehörten unter anderem die SAP-Arena, das Nationaltheater und der Wasserturm als Wahrzeichen der Quadrate-Stadt, hieß es in einer Mitteilung. In Stuttgart soll neben dem Schloss eine Flagge an der Staatsoper wehen.

© dpa-infocom, dpa:210623-99-112905/3

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Erstellt:
23. Juni 2021, 15:22 Uhr

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