Robin fliegt erneut zur Therapie nach Thailand

Dank Spendengelder kann der unheilbar kranke Robin Schmetzer diese Woche ein weiteres Mal nach Thailand reisen, um in Bangkok eine rund dreiwöchige Stammzellentherapie wahrzunehmen. Der 22-jährige Unterweissacher hofft, dass die Behandlung genauso gut wie 2018 anschlägt. In Deutschland ist die Methode bisher nicht zugelassen.

Schon an diesem Mittwoch fliegen Robin Schmetzer und seine Mutter Sabrina Clauss-Schmetzer nach Thailand. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Schon an diesem Mittwoch fliegen Robin Schmetzer und seine Mutter Sabrina Clauss-Schmetzer nach Thailand. Foto: A. Becher

Von Melanie Maier

Weissach im Tal. Das Zittern sei mittlerweile sehr stark geworden. Gehen, Essen und Trinken würden ihm schwer fallen, sagt Sabrina Clauss-Schmetzer über den aktuellen Gesundheitszustand ihres Sohns. Erst seit Februar 2018 weiß der heute 22-jährige Robin Schmetzer aus Unterweissach, dass er an der Spinozerebellären Ataxie Typ 2 (SCA Typ 2) leidet, einer bisher unheilbaren Krankheit (siehe Infokasten). Die ersten Beschwerden hatte er schon mit 15 Jahren.

Rund 30000 Euro kostet die Behandlung in der Spezialklinik

Nachdem seine Symptome sich stetig verschlechtert hatten, ging es Robin Schmetzer im Sommer 2018 auf einmal wieder deutlich besser. Das lag an einer 25-tägigen Stammzellentherapie, die er dank Spendengeldern in Thailands Hauptstadt Bangkok wahrnehmen konnte (wir berichteten). In Deutschland ist die Methode bislang nicht zugelassen. Zudem ist sie sehr teuer: Rund 30000 Euro kostet die Behandlung in der Spezialklinik, plus Flug- und Hotelkosten. Ohne Unterstützung hätten Robin Schmetzer und seine Familie die Kosten nicht stemmen können. Dieses Mal habe das Geld gerade so gereicht, sagt Sabrina Clauss-Schmetzer.

An diesem Mittwoch werden sie, ihr Sohn und eine gute Freundin der Familie zusammen ins Flugzeug steigen. Ihr Mann werde solange in Weissach im Tal bei der 13-jährigen Tochter bleiben, erklärt Sabrina Clauss-Schmetzer. Eigentlich hätten sie und ihr Sohn schon im Juli 2020 wieder nach Thailand fliegen sollen. Doch wegen Corona musste der Aufenthalt mehrmals verschoben werden. Vor Kurzem habe die Klinik sich gemeldet und ihnen mitgeteilt, dass die Einreise nach Thailand wieder möglich sei, berichtet die 41-Jährige: „Wir hatten Glück, dass wir so kurzfristig noch Flüge bekommen haben.“

Von Frankfurt am Main geht die Reise zunächst einmal auf die Ferieninsel Phuket. „Das ist im Moment die Quarantäne-Insel“, erklärt sie. Sieben Tage müssen die drei Reisenden dort verbringen, im Hotel auf das negative PCR-Ergebnis warten, sich nach fünf Tagen erneut testen, erst dann dürfen sie sich frei bewegen. „Das nennt sich Sandboxmodell“, so Sabrina Clauss-Schmetzer. Die Alternative seien zehn Tage Quarantäne in Bangkok gewesen. „Da hätten wir uns aber gar nicht aus dem Hotel herausbewegen dürfen.“ Die Rückreise soll nach dem Therapieabschluss am 26. Februar direkt von Bangkok nach Frankfurt erfolgen.

Sabrina Clauss-Schmetzer hofft, dass die Stammzellentherapie genauso gut anschlägt wie 2018. Die ersten zwei Wochen sei ihr Sohn damals eher erschöpft von den vielen Anwendungen gewesen. „An einem Morgen ist er dann plötzlich ganz anders aufgestanden“, berichtet sie. „Er ist aufrechter gelaufen und hat auch nicht mehr gezittert. Es ging ihm viel besser.“

Ein halbes Jahr lang sei es in Deutschland weiter bergauf gegangen, sagt Robin Schmetzer. Nach etwa eineinhalb Jahren habe die Wirkung langsam nachgelassen. Von Monat zu Monat habe sich sein Zustand seither verschlechtert. Hierzulande versucht der 22-Jährige, die Krankheit mit Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie in Schach zu halten. An der Klinik in Bangkok gehören neben diesen Therapiearten auch die Stammzellentherapie, Magnetfeldtherapie, Sauerstoff- und Wassertherapie sowie Akupunktur zum Programm.

Vor der ersten Akupunktur-Sitzung habe er 2018 etwas Angst gehabt, erzählt Robin Schmetzer. „Aber die Nadeln haben gar nicht wehgetan. Ich lag auf dem Bauch und habe nichts gespürt.“ Nur einmal, bei einer Nadel ins Bein, habe sich seine Wade verkrampft. „Die hat zwei Tage lang wehgetan, sonst hatte ich aber nie Schmerzen.“

Weil er weiß, was auf ihn zukommt, ist er dieses Mal nicht aufgeregt. „Ich freue mich, dass es bald losgeht“, betont er. Seine Mutter hofft, dass die Therapie ihrem Sohn auch mental zu einem Neustart verhelfen wird. Seine Ausbildung zum Industriemechaniker hat Robin Schmetzer Anfang 2021 abgeschlossen. Seither ist er auf Jobsuche, bisher jedoch erfolglos. „Allein im Dezember hat Robin um die 40 Bewerbungen verschickt“, weiß sie. „Dass es bis jetzt noch nicht geklappt hat mit einer Stelle, zieht ihn schon ziemlich runter.“ Sabrina Clauss-Schmetzer wünscht sich, dass die Therapie ihrem Sohn Aufschwung verleihen wird, „damit er wieder mit neuen Kräften durchstarten kann“.

SCA Typ 2

Krankheit Die Spinozerebelläre Ataxie Typ2 (SCA Typ 2) ist eine sehr seltene, bisher unheilbare Erkrankung. Ataxien verschiedener Typen treten mit einer Häufigkeit von einem Erkrankten pro 100000 Menschen auf. Bei der SCA Typ 2 sterben unentwegt Nervenzellen im Rückenmark und im Kleinhirn ab. In der Regel bricht die genetisch bedingte Erkrankung erst bei Patienten zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr aus.

Symptome Insbesondere die motorischen Fähigkeiten sind von dem Absterben der Zellen betroffen. Die Erkrankten zittern oft, haben Gleichgewichtsprobleme. Im Spätstadium sind viele auf einen Rollstuhl angewiesen oder leiden unter einer Demenz. Die Lebenserwartung ist begrenzt.

Hilfe Wer möchte, kann Robin Schmetzer unterstützen unter https://www.gofundme.com/f/spendetrobinlebenszeit.

Zum Artikel

Erstellt:
24. Januar 2022, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

Von der Heilkraft des Wassers

Heute vor 201 Jahren wurde „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp geboren. Seine Behandlungen sind heute noch aktuell. Auch bei der ersten Veranstaltung des Backnanger Naturheilvereins in diesem Jahr geht es um dieses Thema.

Ukrainische Flüchtlinge in der Wohngruppe Aspacher Straße. Tetiana Radchenko, Olha Srubkovska, Viktoria Tarhachova, Oleksandr Srubkovskyi, Iana Tokarenko und Ryta Konstantinova (von links) bilden eher die Ausnahme, die meisten sind privat untergebracht. Foto: Tobias Sellmaier
Top

Stadt & Kreis

Schon bis Mai so viele Flüchtlinge wie 2017

Die Versorgung von Asylbewerbern wird durch den Ukrainekrieg erneut zu einer großen Herausforderung. In Backnang haben im laufenden Jahr bereits 240 Menschen Zuflucht gefunden. Der Großteil der Ukraineflüchtlinge kann bislang noch privat Unterkunft finden.

Stadt & Kreis

Einsatz für die Freiheit des Eigentums

Was der Mieterbund für die Bewohner ist „Haus und Grund“ für die Eigentümer von Immobilien. In Backnang gibt es den Verein schon seit 1920. Coronabedingt mit zweijähriger Verspätung feiert er heute sein 100-jähriges Bestehen.