Rock aufm Acker

Die Traktor-Open-Air-Konzerte der „Dorfrocker“ sorgen bei den Besuchern für Begeisterung. Die drei Musiker aus dem Unterfränkischen lassen es auf dem Acker bei Dauernberg so richtig krachen und vermitteln den Besuchern ein Lebensgefühl, das diese lange schmerzlich vermisst haben.

Die drei Dorfrocker Philipp, Tobias und Markus Thomann (von links) haben mit ihren Traktorkonzerten genau den Nerv der Zeit getroffen.

© Alexander Becher

Die drei Dorfrocker Philipp, Tobias und Markus Thomann (von links) haben mit ihren Traktorkonzerten genau den Nerv der Zeit getroffen.

Von Wolfgang Gleich

Spiegelberg. Den erdigen Geschmack abgeernteter Stoppelfelder auf den Lippen, den Geruch vor sich hin kokelnder Roter Würste in der Nase, das Prickeln eines würzigen Bieres auf der Zunge und die Musik der „Dorfrocker“ in den Ohren, wer dieses Lebensgefühl in den vergangenen Monaten schmerzlich vermisste, der war am Sonntag in Spiegelberg-Dauernberg genau an der richtigen Adresse.

Punkt 14 Uhr, kaum dass die blank geputzte Sonne am wolkenlos blauen Himmel ihren Zenit überschritten hatte, legten Markus (Akkordeon und Bass), Tobias (Gesang und Conference) und Philipp Thomann (Gitarre) so richtig los. Die Dorfrocker hatten im Rahmen ihrer Traktor-Open-Air-Tour in Dauernberg Station gemacht und ließen es so richtig krachen. Rock am Acker in Perfektion. Es dürfe mitgesungen, geklatscht und getanzt und sogar gehupt werden, feuerte Tobias von der Bühne herunter das Publikum an, als die Partyrocker aus dem unterfränkischen Kirchaich mit ihren Burnern „Dorfkind“ und „Der King“ für Stimmung und aufkeimende Lebensfreude sorgten. Mit ihren Traktorkonzerten haben die Partyrocker – die Brüder stammen selbst aus dem landwirtschaftlichen Umfeld – offensichtlich genau den Geschmack ihrer Fans getroffen. Mit ihren Traktor- und Bauernhofkonzerten sind sie deutschlandweit unterwegs, allein im Juli waren es 31 Auftritte.

Sehenswert waren an diesem Spätsommertag in Dauernberg nicht nur die fantastische Aussicht über Lauter und Murr hinweg, sondern auch die schicken Dirndl und feschen Lederhosen der Konzertbesucher. Den Musikern gegenüber waren im Halbkreis an die 100 Traktoren aufgefahren, aus dem Rems-Murr-Kreis, von der Ostalb, aus dem Hällischen, den Kreisen Ludwigsburg, Heilbronn und sogar Crailsheim. Eine Eintrittskarte zählte für einen Traktor und für zwei Personen, Kinder unter zwölf Jahren hatten freien Eintritt. Unter den Traktoren befanden sich kraftstrotzende Arbeitstiere, die von ihren Besitzern extra für dieses Event ausgehfein gemacht worden waren, aber auch Liebhaberstücke wie der Allgaier von Edgar Rupp aus Beilstein, ein Oldtimer Baujahr 1954, dem man ansah, dass er bereits ein anstrengendes Arbeitsleben auf Feld und Wiese hinter sich gebracht hatte. Für den Schlepper, erklärte Rupp, sei es so etwas wie eine Heimkehr. Er habe seinen Dienst auf einem Bauernhof in Steinbach verrichtet, ehe er von ihm gekauft und so weit restauriert wurde, dass er wieder für den Straßenverkehr zugelassen werden konnte. Das Besondere an dem Gefährt, so Rupp stolz, sei der von Porsche konstruierte Motor, der inzwischen wieder funktioniere wie ein Uhrwerk.

Die Welzheimer Eicherfreunde sind mit fünf Traktoren aufgefahren

Gleich mit fünf Traktoren waren die Welzheimer Eicherfreunde aufgefahren. Darunter als Blickfang ein grundrestaurierter Schlepper Baujahr 1962. Der 27-jährige Frank Hofmann erzählte stolz, dass er zwei Jahre seiner Freizeit und wohl an die 2000 Arbeitsstunden in dieses Juwel auf vier Rädern investiert habe. Der Traktor sei einst mit einem Getriebeschaden liegen geblieben und habe dann 18 Jahre verlassen auf dem Feld gestanden. Sein damaliger Besitzer habe einfach um ihn herumgeackert, bis er ihn gekauft, zu sich transportiert und komplett in seine Einzelteile zerlegt und wieder instand gesetzt habe. Daniela, Michael und ihr Sohn Christian Schür, die ebenfalls zu den Welzheimer Eicherfreunden gehören, waren mit ihrem Oldtimer aus dem Jahr 1977 vorgefahren.

Die Liebhaberei zu Oldtimertraktoren sei einem fast in die Wiege gelegt, meinte Michael, wenn man in der Landwirtschaft aufgewachsen sei. Und nachdem im vergangenen Jahr die große Ausfahrt zum Hagerwaldsee ausgefallen war, weil es an dem Augustwochenende Hunde und Katzen regnete, habe man nun die Gelegenheit einfach nutzen müssen, um gemeinsam eine Tour zu unternehmen und sich mit Gleichgesinnten zusammenzufinden.

Man habe einfach etwas unternehmen müssen, damit die Menschen nach dieser langen Zeit des Eingesperrtseins wieder herauskönnen, begründete Thorsten Massa von der Firma Massa Forstbetrieb, warum er mit seinen vier Mitstreitern das sonntägliche Konzert veranstaltete. „Die Leute wollen heraus, sie wollen etwas erleben, sich gemeinsam freuen.“ Und das Traktor-Open-Air stelle die wohl zuverlässigste Möglichkeit dar, den Coronaauflagen zu entsprechen und sicherzustellen, dass die Konzertbesucher die Mindestabstände zueinander einhielten. Man habe die super Resonanz der bisherigen Traktor-Open-Air-Konzerte der Dorfrocker auf Facebook gesehen und sich auch in Gschwend davon überzeugen können. „Das ist der Wahnsinn, was da abgeht.“

Und natürlich sei es ein besonderer Glücksfall, dass man an diesem Sonntag gleich zwei Auftritte der Dorfrocker anbieten könne, so Massa. Zum Nachmittagskonzert waren etwa 100 Traktoren aufgefahren, die 200 Karten für den Sonntagabend waren schon seit Wochen vergriffen.

Die Menschen wollen wieder etwas gemeinsam erleben. Da kommt das coronakonforme Konzert gerade recht. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Die Menschen wollen wieder etwas gemeinsam erleben. Da kommt das coronakonforme Konzert gerade recht. Fotos: A. Becher

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Erstellt:
6. September 2021, 06:00 Uhr

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