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Rückbesinnung auf die Natur

Bürgerpreis-Kandidaten: Mit dem Projekt Baum 2020 haben die Naturparkführerinnen Michaela Genthner und Petra Klinger ein Jahr lang Bäume in den Mittelpunkt gerückt und diverse Aktionen initiiert. Sie sollen eine neue Beziehung zur Natur fördern.

Michaela Genthner (links) und Petra Klinger wollen die Bürger der Region wieder mehr mit der Natur in Verbindung bringen. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Michaela Genthner (links) und Petra Klinger wollen die Bürger der Region wieder mehr mit der Natur in Verbindung bringen. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

ALLMERSBACH IM TAL. Als Naturparkführerinnen und Streuobstpädagoginnen sind Michaela Genthner und Petra Klinger viel in der Natur unterwegs. Die Entwicklungen, die sie dabei erkannt haben, haben den beiden Frauen Sorge bereitet: Immer mehr Flächen werden von Menschen nach den eigenen Vorstellungen gestaltet – ohne Rücksicht darauf, ob das für Tiere und Pflanzen sinnvoll und nützlich ist. Ein Großteil der Bäume in Baden-Württemberg – 80 Prozent sogar, sagt Genthner – sind krank. „Viele Menschen haben den Bezug zur Natur verloren“, sagt sie. Die beiden Frauen wollten angesichts dessen nicht tatenlos zusehen und haben das für ein Jahr ausgelegte Projekt Baum 2020 ins Leben gerufen. Als Schirmherrin konnten sie die Schwäbische Waldfee Leonie Treml gewinnen. Auch wurden diverse Projektpartner, wie etwa die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Rems-Murr oder die VHS Backnang, gefunden.

„Wir wünschen mehr Rückbesinnung auf die Natur und Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen“, erklärt Michaela Genthner. Die Aktionen im Rahmen des Projekts waren und sind dementsprechend vielfältig. Exkursionen in den Wald, Yoga- und Qigongkurse in der freien Natur, Vorträge zu verschiedenen Themen rund um die Bäume, kulinarische Seminare wie etwa das Herstellen von Sirup aus Fichtenspitzen, Naturfotografie und natürlich auch Pflanzaktionen – die Bandbreite ist groß. Ebenso auch die Resonanz. „Es ist total gut angelaufen“, berichtet Genthner. Der Aktionstag „Streuobstwiesen – Landschaft, die schmeckt“, der zugleich die Eröffnungsveranstaltung von Baum 2020 darstellte, verzeichnete zahlreiche Besucher. Und auch der Vortrag des österreichischen Biologen und Autors Clemens Arvay war ausgebucht – „mit über 100 Leuten“, fügt die Naturparkführerin an. „Das war auch für uns überraschend.“ Daraufhin haben Ehrenamtliche in Winnenden einen weiteren Vortrag mit Arvay organisiert. Für die Initiatorinnen eine tolle Sache. „Wir wollen mit unseren Projekten andere anstupsen und Dinge ins Rollen bringen, sodass sie auch weitergehen, wenn Baum 2020 abgeschlossen ist“, erklärt Genthner. Denn auch wenn der Projektzeitraum begrenzt ist, die Ideen sollen weiterverfolgt werden.

Pflanzaktion wurde kurzerhand in den privaten Rahmen verlegt.

Eigentlich lief Baum 2020 richtig gut an, „bis dann eben Corona kam“. Wie bei so vielen ehrenamtlichen Projekten, machte die Coronapandemie auch viele der geplanten Veranstaltungen im Rahmen von Baum 2020 unmöglich. „Wir mussten so vieles canceln, das tut mir richtiggehend weh“, sagt die Weissacherin und fügt lachend an: „Man darf gar nicht darüber nachdenken, wie viel Zeit und Arbeit wir in die Organisation gesteckt haben.“ Schätzungsweise zwischen 20 und 80 Stunden im Monat seien die Ehrenamtlichen mit der Arbeit am Projekt beschäftigt, die Hauptlast liegt auf den Schultern der beiden Verantwortlichen, auch Michaela Genthners Mann ist maßgeblich involviert.

Dass die Baumpflanzaktion im März – das Herzstück des Projekts Baum 2020 – trotz Einschränkungen noch stattfinden konnte, war den zahlreichen Teilnehmern zu verdanken. 450 Leute hatten im Vorfeld Interesse bekundet, erzählt Michaela Genthner. Durch die ersten Maßnahmen zum Schutz vor einer Coronainfektion wurden jedoch größere Veranstaltungen untersagt, weswegen eine große Aktion am internationalen Tag des Waldes (21. März) nicht mehr möglich war. Für Michaela Genthner und Petra Klinger kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Die beiden Frauen organisierten das Verteilen der Setzlinge kurzerhand privat, sodass die Teilnehmer ihren Baum einfach selbst pflanzen konnten. Viele von ihnen sandten den Projektverantwortlichen im Nachhinein Fotos ihrer Bäume zu. „Es ist sehr erfreulich, dass es so gut funktioniert hat“, sagt Genthner. Absichtlich habe man nicht einfach eine Fläche aufforsten, sondern das Ganze persönlich erlebbar machen wollen. So kümmert sich jeder Teilnehmer um „seinen“ Baum. Gerade weil es in den vergangenen Wochen besonders trocken war, haben die Initiatorinnen bei den Teilnehmern nachgefragt, wie es denn um die Bäumchen stehe. Bis auf eines seien alle gut in Schuss, hieß es. „So hat das Projekt eine Verbindlichkeit“, hat die Weissacherin mit Freude festgestellt. Zudem hätten viele rückgemeldet, dass die Baumpflanzung für sie eine Premiere war, oder dass sie noch weitere Setzlinge in die Erde gebracht haben. Diese Nachhaltigkeit sei das, worum es ihnen gehe, so Genthner. Das fördere eine Verbindung zur Natur.

Doch wie geht es weiter? Schließlich standen auch in den kommenden Wochen noch Vorträge und Seminare sowie ein Abschlussfest am Naturschutztag (26. Juli) in Zusammenhang mit der Aktion Grünes Klassenzimmer auf dem Programm. „Das wird so nicht möglich sein“, bedauert Genthner. Womöglich werde in kleinerem Rahmen ein Abschlussfest gefeiert, oder es wird verschoben.

Immerhin, der Online-Fotowettbewerb zum Thema Baum läuft noch bis zum 28. Juni und die Projektverantwortlichen verzeichnen auch schon einige Einsendungen – aus der Region, zum Teil aber auch aus verschiedenen Ecken Deutschlands. Mit Freude schaue sie die Bilder durch, erzählt Michaela Genthner. Die ausdrucksstärksten Motive zu den drei Kategorien Bäume, Baumdetails und Wald werden prämiert. Der Naturheilverein wolle manch ausgefallenen Vortrag im kommenden Jahr nachholen. Zudem ist aus Baum 2020 die Idee entstanden, eine Waldruheoase womöglich mit einem Achtsamkeitspfad in Kombination mit Waldbaden in Allmersbach im Tal anzubieten. „Man kann noch ganz viel machen“, ist Genthner überzeugt. Sie und Petra Klinger hoffen, dem einen Anstoß geliefert zu haben.

In einer Serie stellt unsere Zeitung die Kandidaten aus unserem Verbreitungsgebiet vor, die beim Bürgerpreis Rems-Murr für den Leserpreis der Backnanger Kreiszeitung und der Murrhardter Zeitung nominiert sind.

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Erstellt:
15. Mai 2020, 06:00 Uhr

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