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Rückenwind für Radschnellweg im Remstal

Kreisräte sehen in dem Vorhaben ein Zukunftsprojekt – Hohe Nutzerzahlen zwischen Schorndorf und Fellbach erwartet

So wie diese Strecke in Mülheim kann ein Radschnellweg aussehen. Von der Radspur abgesetzt verläuft ein Fußweg. Foto: Verkehrsministerium Nordrhein-Westfalen/Bierwald

© Simon Bierwald

So wie diese Strecke in Mülheim kann ein Radschnellweg aussehen. Von der Radspur abgesetzt verläuft ein Fußweg. Foto: Verkehrsministerium Nordrhein-Westfalen/Bierwald

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Auf dem Weg zum ersten Radschnellweg im Rems-Murr-Kreis ist das Landratsamt jetzt einen Schritt weiter: Nachdem das Land das Potenzial für die Strecke zwischen Fellbach und Schorndorf anerkannt hat, das in einer Machbarkeitsstudie ermittelt wurde, konnte jetzt der Förderantrag für die Planung eingereicht werden.

Gelder gibt es vom Bund und vom Land. Berlin übernimmt bis zu 75 Prozent der Planungs- und Baukosten, vom Rest trägt Stuttgart die Hälfte. Das bedeutet, dass die mögliche Gesamtförderung bei 87,5 Prozent liegt. Angesichts dieser hohen Quote beeilt sich der Landkreis mit seinem Vorhaben, um bei den Ersten zu sein, die auf die Fördertöpfe zugreifen, solange diese noch voll sind, ehe die Mittel womöglich rationiert werden. Die Entscheidung über den Förderantrag soll noch in diesem Jahr fallen.

Land übernimmt die Baulast für einen Teil der Strecke

Die Kosten für den Radschnellweg, der sieben Städte und Gemeinden anbindet, sind auf 32 Millionen Euro geschätzt. Erfreut haben deshalb die Verantwortlichen die Botschaft aus Stuttgart zur Kenntnis genommen, dass ein Teil des 22 Kilometer langen Radwegs in die Baulast des Landes übernommen wird.

Voraussetzung dafür ist, wie Radwegekoordinatorin Karen Fischer jetzt im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags berichtete, dass auf der Strecke über 2500 Radfahrer täglich zu erwarten sind. Und das trifft für den Abschnitt zwischen Weinstadt und Fellbach zu: Prognostiziert sind Nutzerzahlen von bis zu 4000 Radfahrern täglich. Auf der Gesamtstrecke beträgt das Nutzerpotenzial im Schnitt 2800 Radfahrer. Dabei liegt das Teilstück zwischen Schorndorf und Weinstadt unter der Schwelle, bei der das Land übernimmt. Sprich: Dafür ist eine Landkreisbeteiligung gefordert.

Albrecht Ulrich (Freie Wähler) steht den Plänen positiv gegenüber: „Das ist ein Projekt, an dem wir festhalten sollten“, sagte er. Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass sicherlich Ausgleichsmaßnahmen erforderlich werden. „Ein absolutes Zukunftsthema“, bewertete auch Christoph Jäger (CDU) das Vorhaben. Schön wär’s, wenn der Flächenverbrauch begrenzt werden könnte, indem Straßen umgenutzt werden, die man dann vielleicht nicht mehr braucht – was aber wohl nicht geht, wie Jäger selbst einräumte. Er mahnte zugleich an, wegen des neuen Themas dürften die anderen Aufgaben nicht übersehen werden.

Zweifel an dem Projekt meldete Martin Huschka (AfD) an: „Woher kommen diese Zahlen über Radfahrer?“, stellte er die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie infrage und mutmaßte, dass Schönwetterverhältnisse dabei zugrunde lagen. Es gebe so viele sanierungsbedürftige Straßen und Brücken – das solle man zuerst erledigen, bevor man Neues baut.

Dagegen sagte Astrid Fleischer (Grüne): „Wer Radwege baut, wird Radverkehr ernten.“ Die E-Mobilität verändere derzeit viel, die Nutzerzahlen werden ihrer Ansicht nach noch stark steigen. Daher wandte sie sich dagegen, den Etat für Radwege womöglich zugunsten des Straßenbaus abzuschmelzen. „Wir brauchen Radwege“, konstatierte auch Klaus Riedel (SPD) – und die Trennung zum Fußweg sei wegen der neuen Mobilisierung auch dringend notwendig: „Wir müssen uns für die Zukunft entscheiden.“

Landrat Richard Sigel verteidigte das Projekt ebenfalls und wies darauf hin, dass es für Straßen- und Brückensanierungen nicht die Fördermittel gebe wie für den Radwegebau. Laut Baudezernent Stefan Hein ist vorgesehen, möglichst auf vorhandenen Trassen zu bleiben. Dennoch werde an vielen Stellen ein ökologischer Ausgleich nötig sein. Bei den im Gutachten ermittelten Nutzerzahlen, so erläuterte er weiter, seien Verkehrsmodelle zugrunde gelegt worden.

Mehrfach angesprochen wurde, ob der Radschnellweg wirklich durchgehend beleuchtet sein muss, insbesondere außerhalb von Orten. Licht, so Hein, sei durchaus in den Abendstunden und am frühen Morgen nötig. Aber in der Nacht könne man mit technischen Mitteln flexible Lösungen finden, beispielsweise mit dem Einsatz von Bewegungsmeldern.

Info
Kriterien für Expressweg

Ein Radschnellweg muss eine ganze Reihe von Kriterien und Merkmalen erfüllen, um als solcher eingestuft zu werden.

Gefordert wird eine Mindestlänge von fünf Kilometern und eine Mindestbreite von vier Metern. Mindestens 2000 Nutzer müssen täglich dort unterwegs sein.

Die Fahrbahnoberfläche muss eine hohe Qualität aufweisen. Die Strecke soll weitgehend kreuzungsfrei verlaufen und somit eine hohe Reisegeschwindigkeit ermöglichen, gegebenenfalls sind Über- oder Unterführungen zu bauen. An Knotenpunkten sollen die Nutzer der Radschnellverbindung Vorrang haben.

Zweiräder sind die allein zugelassene Verkehrsform. Die Strecke muss beleuchtet sein, und sie muss vom Betriebsdienst gewartet werden. Dazu gehört auch ein Winterdienst.

Auf mindestens 80 Prozent der Strecke müssen die Standards erfüllt werden.

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Erstellt:
8. November 2019, 06:00 Uhr

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