Rückhalt und Gegenwind für Ostfalk

In Auenwald wird im März 2021 der Bürgermeister gewählt. „Der derzeitige Stelleninhaber beabsichtigt, sich wieder zu bewerben.“ Die vier Gemeinderatsfraktionen haben zu ihrem Schultes viel Gutes zu sagen, sprechen aber auch etliche kritische Aspekte an.

Bürgermeister Karl Ostfalk, hier zusammen mit seiner Frau Martina bei einem Open-Air-Konzert im Autokino Auenwald im Juli, hat bereits vor vielen Wochen verkündet, dass er sich für eine weitere Amtsperiode „in seiner Gemeinde“ zur Wahl stellen werde. Archivfoto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Bürgermeister Karl Ostfalk, hier zusammen mit seiner Frau Martina bei einem Open-Air-Konzert im Autokino Auenwald im Juli, hat bereits vor vielen Wochen verkündet, dass er sich für eine weitere Amtsperiode „in seiner Gemeinde“ zur Wahl stellen werde. Archivfoto: T. Sellmaier

Von Florian Muhl

AUENWALD. Die Stelle eines hauptamtlichen Bürgermeisters muss spätestens zwei Monate vor der Wahl öffentlich ausgeschrieben werden. Das geschieht üblicherweise im Staatsanzeiger für Baden-Württemberg. Genehmigt der Gemeinderat den Wortlaut der Stellenanzeige inklusive des oft zu lesenden letzten Satzes: „Der derzeitige Stelleninhaber bewirbt sich wieder“, gilt das in der Regel als Vertrauensbeweis. Die Auenwalder Gemeinderäte sagten in ihrer Sitzung Ende September nicht gleich Ja und vertagten ihren Beschluss (wir berichteten).

In der jüngsten Sitzung stand das Thema wieder an. Der Antrag von Franz Karl Matyas (UWA), den Satz komplett zu streichen, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Der Antrag von Nicole Birkenbusch (NLA), „Ostfalk selbst entscheiden zu lassen, ob er den Satz braucht“, konnte nicht weiterverfolgt werden, da der Bürgermeister bei diesem Tagesordnungspunkt wegen Befangenheit im Publikum saß und deshalb nicht befragt werden konnte beziehungsweise durfte. Letztlich stimmte das Gremium mit großer Mehrheit für den Beschlussvorschlag der Verwaltung, die Anzeige am 11. Dezember erscheinen zu lassen, und zwar mit folgendem letzten Satz: „Der derzeitige Stelleninhaber beabsichtigt, sich wieder zu bewerben.“

Angesichts des Hickhacks um diesen einen Satz ist doch interessant zu erfahren, was die Gemeinderäte wirklich von ihrem Bürgermeister halten. Wir haben bei den vier Fraktionen nachgefragt.

Mit sieben von insgesamt 18 Gemeinderäten hat die Bürgerliche Wählervereinigung (BWA) die meisten Vertreter im Gremium sitzen. „In den letzten Jahren hat der Gemeinderat gemeinsam mit dem amtierenden Bürgermeister vieles bewegt“, sagt Barbara Hirzel. Die Fraktionssprecherin denkt dabei an den Neubau der Mehrzweckhalle, die Eröffnung eines Lebensmittelmarkts, die Erschließung des Baugebiets Hauäcker und die Erweiterung eines Gewerbegebiets und den Bau des Allwettersportplatzes sowie die Sanierung von Straßen, Schulen und Kindergärten in mehreren Teilorten.

„Wir sind und waren nicht immer einer Meinung mit der Gemeindeverwaltung“, sagt Hirzel. Vieles sei kontrovers diskutiert worden. „Aber wir haben die Aufgabe, Vorhaben auf den Weg zu bringen und erfolgreich abzuschließen. Irgendeine gangbare Lösung haben wir rückblickend immer hinbekommen“, so die BWA-Sprecherin weiter. Und abschließend sagt sie: „Diese Arbeitsweise haben wir uns zum Ziel gesetzt – auch für 2021 wird dies unsere Prämisse sein.“

Zweitstärkste Fraktion ist die Neue Liste Auenwald (NLA) mit fünf Sitzen. Nicole Birkenbusch kritisiert, dass viele Vorgänge in der Verwaltung zu lange dauern. „Auch als Gemeinderat muss ich immer wieder nachfragen, was denn nun mit diesem oder jenem Punkt ist“, klagt die Fraktionsvorsitzende. Auch viele Bürger hätten diese Erfahrung gemacht, würden keine Antworten auf ihre Anfragen erhalten. Das sieht die 46-Jährige als „größtes Manko“, die den Eindruck hat, dass Ostfalk zu wenige Aufgaben an Mitarbeiter abgeben kann, sondern wohl alles selbst entscheiden will. Auf der anderen Seite sei es beeindruckend, was der Bürgermeister in der Coronazeit alles auf die Beine gestellt habe. Birkenbusch denkt an das Autokino mit Bühne, die auch vielen Schulklassen eine würdige Abschlussfeier und Kirchen einen Gottesdienst im Freien ermöglicht hätte. Eine „klasse Idee“ sei auch die Veranstaltung „Ebersberger Sommergärtle“. Und die Bürgermeisterwahl? „Wir warten jetzt erst einmal ab, wer seinen Hut in den Ring wirft“, sagt die NLA-Sprecherin. „Dann können wir uns vorstellen, einen anderen Kandidaten zu suchen.“

Die Unabhängige Wählergemeinschaft Auenwald (UWA) ist mit vier Räten im Ortsparlament vertreten. „Demokratie lebt von Konkurrenz“, sagt Franz Karl Matyas. Der Bürger müsste eine echte Wahlmöglichkeit haben, meint der Fraktionssprecher. Aus diesem Grund habe sich die UWA bereits um Alternativen bemüht, aber noch ohne Erfolg. „Ich will jemand, der was reißen will; und ich habe das Gefühl, dass Ostfalk nichts reißen will“, sagt Matyas. Dem Bürgermeister fehle das Gefühl für die kleinen Dinge, für die defekte Parkbank, für das notwendige Schneiden im Friedhof und fürs Schlagloch in der Straße. „Keiner muss 24 Stunden im Amt sein“, sagt der UWA-Sprecher, aber bei Ostfalk habe er das Gefühl, dass man vor 10 und nach 16 Uhr keinen Termin bei ihm bekomme. Er habe bereits seinen Fraktionskollegen gesagt, dass er im Fall der Wahl Ostfalks aus dem Gremium ausscheiden werde.

Die Freie Wählervereinigung Auenwald (FWA) ist mit zwei Sitzen die kleinste Fraktion. „Die Zusammenarbeit mit Herrn Bürgermeister Ostfalk im Gemeinderat hat im letzten Jahr gut geklappt, viel besser als in den Jahren zuvor“, bekennt Wolfram Gruner. Eine sehr gute Aktion war für den FWA-Sprecher die Einführung des Autokinos: „Hier hat Herr Ostfalk eine Vorreiterrolle gespielt.“ Auch die FWA habe von vielen Bürgern immer wieder gehört, dass viele Fragen lange Zeit unbeantwortet bleiben. „In diesem Punkt fehlt uns die Bürgernähe.“

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Erstellt:
22. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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