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Run auf Sozialbau in der Fuchsklinge

Fünf Bewerber wollen auf dem Areal in Weissach bezahlbaren Wohnraum schaffen – Investoren stellen sich im Gemeinderat vor

Fünf Interessenten wollen im Weissacher Baugebiet „Zur Fuchsklinge“ bezahlbaren Wohnraum schaffen. Die Bewerber stellten ihre unterschiedlichen Konzepte jetzt im Gemeinderat vor und verwiesen auch auf Referenzprojekte, die sie in dernäheren und weiteren Umgebung bereits verwirklicht haben.

Die Erschließungsarbeiten im Baugebiet „Zur Fuchsklinge“ sind bereits weit gediehen. Im Bereich der Kurve soll bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Die Erschließungsarbeiten im Baugebiet „Zur Fuchsklinge“ sind bereits weit gediehen. Im Bereich der Kurve soll bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Das Baugebiet „Zur Fuchsklinge“ befindet sich auf dem Gelände hinter dem Edeka-Markt in der Welzheimer Straße in Unterweissach. Es schließt an das inzwischen weitgehend bebaute Rombold-Areal an und sorgt damit für eine städtebauliche Abrundung. Zudem bietet es für das Gesamtgebiet einen zweiten Verkehrsanschluss, der zu einer Entlastung der Jägerhalde beitragen soll.

Im Bebauungsplan sind Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie begrenzte Baumöglichkeiten für Gewerbebetriebe vorgesehen. Dabei können auf der knapp 2,2 Hektar großen Gesamtfläche in einem allgemeinen Wohngebiet von knapp 0,7 Hektar elf neue Wohneinheiten und in einer weiteren Teilfläche von knapp 0,8 Hektar in verdichteter Bauweise gut 60 neue Wohneinheiten entstehen.

Wie die für den Geschosswohnungsbau reservierten Flächen letztendlich ausgestaltet und vergeben werden, ist bislang noch offen. Eine Vorstellungsrunde im Gemeinderat mit den Bewerbern sollte jetzt nähere Einsichten in die jeweiligen Konzepte geben, wobei die einzelnen Projekte noch nicht in konkreterer Form zur Diskussion standen. Dass insgesamt fünf Bewerbungen vorliegen, bewertete Bürgermeister Ian Schölzel als ausgesprochen positiv. Das zeige, dass echtes Interesse bestehe und Weissach für Investoren attraktiv sei. Die Gemeinde sei dadurch in der komfortablen Lage, unter mehreren Bietern und Varianten wählen zu können.

Anschließend bekamen die Bewerber Gelegenheit zur Vorstellung. Die Reihenfolge wurde in der Sitzung ausgelost. Maximal zehn Minuten Redezeit standen den Bewerbern jeweils zu.

Krämer Projektbau GmbH, Winnenden: Geschäftsführer Michael Kögel stellt sich ein dreigeschossiges Objekt mit 21 Wohnungen vor. Davon sollen mindestens die Hälfte als preisgünstige Wohnungen errichtet werden, das heißt, mit Mieten bis zu 33 Prozent unter dem Mietspiegel der Gemeinde Weissach im Tal. Dazu müsste dem Grundstück, das die Firma zum festgelegten Bodenrichtwert nach der aktuellen Tabelle erwerben will, ein Teil eines weiteren Grundstücks zugeschlagen werden. Oder aber Krämer übernimmt beide Grundstücke und erhöht die Anzahl der Wohnungen im bezahlbaren Kontingent. Der Gemeinde soll ein teilweises Belegungsrecht eingeräumt werden. Anvisiert ist ein Anschluss ans Nahwärmenetz der Energiegemeinschaft Weissacher Tal.

Ettle und Stuhlmann GmbH, Weissach im Tal: Geschäftsführer Gunnar Stuhlmann, ortsansässiger Rechtsanwalt, will als Investor alle fünf zur Disposition stehenden Grundstücke erwerben und rund 60 Wohnungen errichten. Ein Viertel davon soll als Sozialwohnungen entstehen, für ein weiteres Viertel wird der Gemeinde ein Belegungsrecht eingeräumt, die anderen 30 Wohnungen sollen zu einer maximalen Kaltmiete von elf Euro je Quadratmeter vermietet oder aber verkauft werden. Stuhlmann kündigte an, mit lokalen Handwerkern arbeiten zu wollen. Zudem werde die Gewerbesteuer in die Gemeindekasse fließen – schon in diesem Jahr aus einem anderen Projekt erstmals 150000 Euro.

Gesellschaft für Betreuung privater Bauherren mbH, Backnang: Janine Vogel vom Vertrieb der GfB warb für das Konzept der Baugemeinschaften, das Vorteile gegenüber Bauträgermodellen biete, beispielsweise hinsichtlich der Grunderwerbsteuer. In der Fuchsklinge und anderen Arealen in der Gemeinde möchte das Unternehmen größere Baugemeinschaftsprojekte mit architektonischer Vielfalt zu günstigen Herstellungskosten realisieren. Denkbar wäre laut Vogel auch die Realisierung des gesamten Fuchsklinge-Quartiers, um sowohl den sozialen Wohnungsbau voranzutreiben als auch die Kosten für auf dem frei finanzierten Markt verfügbare Wohnungen zu senken. Ziel sei dabei Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen in sozialer Mischung über alle Häuser verteilt – 80 Prozent als begünstigter Wohnraum, davon 35 Prozent öffentlich gefördert.

Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH, Ludwigsburg: Auf das Modell Baugemeinschaften setzt auch die WHS. Karsten Heudorf, Projektsteuerung Baugemeinschaften, geht dabei von fünf Mehrfamilienhäusern und zwei Doppelhaushälften aus. Errichtet werden sie überwiegend als großzügige Eigentumswohnungen, wobei ein Viertel der Bauherren als Kapitalanleger auftritt, die ihre Wohnungen vermieten. Die Vergabe der Wohnungen soll nach einem Punktesystem erfolgen, in das unter anderem soziale Kriterien und andere Vorgaben der Gemeinde einfließen. In den dreigeschossigen Baukörpern sollen 45 Wohnungen entstehen. Gemeinsam mit der Energiegemeinschaft Weissacher Tal will die WHS ein Energiekonzept realisieren.

Paulus Wohnbau GmbH, Pleidelsheim: Geschäftsführer Erwin Paulus will in der Fuchsklinge drei Mehrfamilienhäuser errichten und verwies auf zahlreiche Projekte, die sein Unternehmen bereits in der Gegend realisiert hat, unter anderem auch die Seniorenwohnungen in der Forststraße in Unterweissach. Architekt Harald Collin hat für die drei Grundstücke, die Paulus bebauen will, bereits ausgearbeitete Pläne in der Hinterhand, danach sollen zwei Häuser mit je 8 und eines mit 16 Wohnungen entstehen.

Nach den Präsentationen in der öffentlichen Sitzung ging es im Anschluss in einer nichtöffentlichen Beratungsrunde um finanzielle und vertragliche Details. Welche Lösung letztendlich zum Zug kommt, ist nach wie vor offen – eine Entscheidung ist laut Bürgermeister noch nicht gefallen. Die Gemeindeverwaltung hat vielmehr jetzt zunächst den Auftrag, die von den fünf Bewerbern genannten Konditionen zusammenzufassen und komprimiert gegenüberzustellen – zum Vergleich und als Grundlage für die weitere Diskussion und Entscheidung.

„Wir sind auf einem guten Weg“, unterstreicht Schölzel und erinnert auch daran, dass dem Gemeinderat daran gelegen war, eine Vielzahl von verschiedenen Angeboten zur Auswahl vorgelegt zu bekommen. Schölzel rechnet mit einer Entscheidung im Lauf des Frühjahrs.

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Erstellt:
15. Februar 2020, 16:00 Uhr

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