Säure-Schmierer schlagen erneut zu

Keine Sachbeschädigung, sondern ein Verbrechenstatbestand? Den Tätern drohen drastische Strafen.

Bei der Reinigung von Flusssäurespuren gilt die höchste Sicherheitsstufe, wie hier im Januar in der Königstraße.

© dpa/Anna Ross

Bei der Reinigung von Flusssäurespuren gilt die höchste Sicherheitsstufe, wie hier im Januar in der Königstraße.

Von Wolf-Dieter Obst

Stuttgart - Die Handschriften der Flusssäure-Schmierer ziehen sich weiter durch die Stuttgarter Innenstadt. Wie sich nun herausstellt, haben die Täter am Mittwoch nicht nur an den Abgängen der S-Bahn-Haltestellen Marienplatz und Schwabstraße zugeschlagen – sondern auch im Bereich der unterirdischen Stadtbahn-Station Rathaus.

Mit Graffitikunst haben die sogenannten Tags wenig zu tun, die nachträglich am Abgang beim Brunnenwirt und der Rückseite des Gustav-Siegle-Hauses zur Stadtbahn-Haltestelle bemerkt worden sind. Der Stuttgarter Polizeisprecher Stephan Widmann bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass auch am Leonhardsplatz die Flusssäure-Schmierer zugeschlagen haben.

Im Gegensatz zum Marienplatz und der Schwabstraße, wo zwischen 2 und 10.30 Uhr ein Großaufgebot der Feuerwehr anrücken musste, um mit Schutzkleidung und Sonderfahrzeugen die hochgefährliche Chemikalie zu beseitigen, „gab es hier aber keinen großen Alarm“, so Widmann. Die Säure war offenbar bereits so weit getrocknet, dass keine gesundheitsschädlichen Dämpfe mehr Passanten gefährden konnten.

Die Serie der Flusssäure-Schmierereien erregt seit Mitte Dezember 2023 Aufsehen. Schon da waren die Haltestellen Marienplatz und Schwabstraße ins Visier geraten, außerdem die Bereiche Feuersee und Österreichischer Platz. Im Januar dieses Jahres hinterließen die Täter am S-Bahn-Abgang Königstraße/Kronenstraße beim Hauptbahnhof ihre Handschrift. Dabei unterscheidet sich die im Jargon „Etching“ (zu Deutsch: Ätzung) genannte Methode wesentlich von bloßer Schmiererei mit Stiften und Farben. Auch strafrechtlich.

Die Säure-Schmierereien sind eine schwer reparable Sachbeschädigung – sie können wegen der Gesundheitsgefahren auch als Verbrechenstatbestand gewertet werden. „Schwere Gefährdung durch Freisetzen von Giften“ lautet der Paragraf 330a im Strafgesetzbuch. Ob auch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft in diese Richtung geht, lässt deren Sprecher auf Nachfrage unserer Zeitung noch offen. Die Ermittlungen der Polizei laufen noch. Eine heiße Spur zu den Tatverdächtigen gibt es noch nicht.

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Erstellt:
29. März 2024, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
30. März 2024, 22:00 Uhr

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