Saunierende Säuglinge

Babysauna im Wonnemar: Bei 70 Grad dürfen die Jüngsten für ein paar Minuten in die Sauna – Stimmung wie in der Krabbelgruppe

Einmal pro Woche kommen Mütter mit ihren Säuglingen in der Saunawelt des Wonnemars zur Babysauna zusammen. Sie machen unter fachkundiger Anleitung zwei Saunagänge, gehen in den Whirlpool und entspannen miteinander im Ruheraum. Im Vordergrund steht die gemeinsam verbrachte Zeit – und nebenbei der gesundheitsfördernde Aspekt des Saunabadens.

Genießen unter der Anleitung von Stefanie Guthardt (links) und Bianca Bohn (rechts) gemeinsam mit den Babys die wohlige Wärme (von links): Yvonne Schreiner und Simon, Jasmin Jack und Malia, Marina Bohn und Henry. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Genießen unter der Anleitung von Stefanie Guthardt (links) und Bianca Bohn (rechts) gemeinsam mit den Babys die wohlige Wärme (von links): Yvonne Schreiner und Simon, Jasmin Jack und Malia, Marina Bohn und Henry. Foto: A. Becher

Von Nicola Scharpf

BACKNANG. Henry muss tun, was man eben tun muss – nach zwei Saunadurchgängen: nämlich ruhen. Das vier Monate alte Kerlchen liegt auf den flauschig-weißen Handtuchmatten im Ruheraum der Saunawelt und gibt der Ruhe Raum. Die Händchen mit spannungslos geöffneten Flächen hat er links und rechts vom Kopf gebettet. Die Augen sind selig geschlossen. „Komatös“ benennt Andrea Bohn den postsaunalen Schlummer ihres Sohns. „Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen“, prangt ein Gandhi-Zitat in großen Lettern über den Liegestühlen im Ruheraum. Ohne ihn gelesen zu haben, beherzigt das Baby den Sinnspruch.

Der Rest der Gruppe – Mütter wie Babys – ist nach dem zweistündigen Treffen noch munterer, aber auch entspannt. Zum dritten Mal haben sich die Frauen mit ihrem Nachwuchs zur wöchentlichen Babysauna getroffen, angeleitet von den beiden Kursleiterinnen Stefanie Guthardt und Bianca Bohn. Während des Kurses haben die Teilnehmer die Saunawelt des Wonnemars für sich. Dieses Mal wurde die Biosauna für die Saunagänger eingeheizt. Beim nächsten Mal ist die Erdsauna an der Reihe. Sauniert wird bei 70 Grad, also bei niedrigerer Temperatur als üblich. Nach zwei Durchgängen mit anschließender Ruhephase bildet das Planschen im Whirlpool den Abschluss jeder Kurseinheit.

Von Woche zu Woche steigert sich die Länge des Saunadurchgangs um eine Minute. Dieses Mal tauchen die Babys für jeweils vier Minuten in die wohlige Wärme ein. Wie selbstverständlich lümmeln die kleinen Nacktfrösche auf dem Schoß ihrer Mamas. Keiner quengelt oder ist unruhig. Wohlfühlatmosphäre. „Wie bei den Erwachsenen ist auch bei den Babys die Verträglichkeit abhängig von der Tagesform“, weiß Kursleiterin Stefanie Guthardt. Wichtig ist, dass Eltern und Säuglinge gesund sind, wenn sie zum Saunieren kommen, und vorher etwas gegessen haben. Eiskaltes Wasser zum Abschrecken nach dem Ende des Durchgangs ist bei den Babys nicht angesagt. Guthardt: „Sie sollen bei Raumtemperatur abkühlen und unter die lauwarme Dusche.“

Die Frauen setzen sich zu ihren Babys und tauschen sich aus.

Anschließend geht’s zurück in den Ruheraum auf die Frotteematte. Gelbe Quietscheenten und blaue Igelbälle liegen für die Kleinen zum Spielen bereit. Die Frauen setzen sich zu ihren Kindern und tauschen sich aus – über verschiedene Arten von Windeln, über ihre Erfahrungen mit dem Füttern des ersten Breis, über Tätowierungen, Karibikkreuzfahrten, Kindergeldanträge, eine wohltemperierte Wohnung. „Es ist hier wie in der Krabbelgruppe, nur mit Sauna“, schildert Kursteilnehmerin Jasmin Jack.

Viele Saunabetreiber, so sagt Stefanie Guthardt, seien verhalten gegenüber Kindern in der Sauna. „Bei uns sind Kinder in der Sauna herzlich willkommen.“ Auch viele Eltern seien skeptisch, ihre Säuglinge zum Schwitzen mitzunehmen. Andrea Bohn gehört nicht zu ihnen. In der Schwangerschaft hat die passionierte Saunagängerin im Internet recherchiert, ob und wo sie nach der Geburt ihre Zwillinge Henry und Hugo mit in die Sauna nehmen kann – und ist dabei auf den Kurs im Wonnemar gestoßen.

In skandinavischen Ländern hat es schon lange Tradition, auch den Jüngsten die wohltuende Wärme zukommen zu lassen. In Deutschland steigt nach Angaben des Deutschen Sauna-Bunds die Nachfrage zum Saunabaden mit Babys und es ist Informationsbedarf zu den gesundheitlichen Rahmenbedingungen vorhanden. Laut Sauna-Bund hat das Saunieren für Säuglinge eine gesundheitsfördernde Wirkung, da es Muskeln und Psyche entspannt, das Herz-Kreislauf-System stärkt und die Abwehrkräfte aktiviert. Saunierende Säuglinge würden seltener an Asthma, grippalen Infekten oder Bronchitis erkranken. „Der gesundheitsfördernde Effekt tritt aber erst ein, wenn man es mindestens ein Jahr lang durchzieht“, sagt Stefanie Guthardt. Die Teamleiterin Bad/Sauna weist außerdem darauf hin, dass Babys wie Erwachsene nur einmal pro Woche in die Sauna sollen. Die Kursteilnehmerinnen sitzen mit ihren Babys auf der mittleren Bank – höher hinaus sollen sie nicht. Aufgüsse sind tabu. Weil Babys Hitze schlechter ausgleichen können als Erwachsene, sollen die Eltern bei ersten Anzeichen von Unruhe mit ihrem Kind die Sauna verlassen. Es gilt also, das Verhalten des Kindes wachsam zu beobachten und sich auch vom heißen Ofen fernzuhalten. Der Sauna-Bund empfiehlt, mit dem Saunabaden die ärztliche U-4-Früherkennungsuntersuchung im dritten oder vierten Lebensmonat abzuwarten

Zum Artikel

Erstellt:
22. November 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Der Impftruck ist ein imposanter 33-Tonner mit Allradantrieb und moderner Ausstattung. Zum Pressetermin anwesend waren Landratsamtdezernent Gerd Holzwarth, Jörg Behrens (Medizinische Leitung Kreisimpfzentrum), Landrat Richard Sigel, Kilian Rapp vom Robert-Bosch-Krankenhaus sowie Sven Knödler, Heiko Fischer, Holger Hagmeier und Johannes Gerblich vom DRK. Foto: G. Habermann
Top

Stadt & Kreis

Die Impfung kommt in die Gemeinden

Vom 2. März an werden die mobilen Teams des zentralen Impfzentrums des Robert-Bosch-Krankenhauses mit einem Impftruck in die Städte und Gemeinden des Rems-Murr-Kreises fahren. In Backnang soll der Truck voraussichtlich am 8. und 9. März stehen.

Stadt & Kreis

Streetworkprojekt für Jugendliche startet

Niederschwellig und zwanglos: Das soll Bbro ausmachen, ein Projekt für Jugendliche aus der Region, die Unterstützung suchen. Mit einem Bus wollen Sozialpädagogen jeden Tag an anderen Orten stehen, verschiedene Aktionen starten und ein offenes Ohr haben.