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Schausteller werben um Arbeitslose und Geflüchtete

dpa/lsw Stuttgart. Wer auf einem Karussell sitzt, an einer Schießbude anlegt oder einen Glühwein trinkt, der ist sich meist nicht bewusst, wie viel Arbeit im Aufbau eines Volkfestes oder Weihnachtsmarktes steckt. Immer schwerer wird es, diese Jobs zu vergeben. Schausteller hoffen auf die Politik.

Eine Achterbahn auf dem Stuttgarter Frühlingsfest im April 2017. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Archivbild

Eine Achterbahn auf dem Stuttgarter Frühlingsfest im April 2017. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Archivbild

„Junger Mann zum Mitreisen gesucht“ stand früher oft auf Schildern an Kettenkarusellen, Geisterbahnen oder Autoscootern. Heute nutzen Schausteller häufiger den Weg über das Arbeitsamt, sie stoßen dort aber nach Ansicht ihres Bundesverbandes auf Hürden. Zunehmend versuchen die Betreiber von Fahrgeschäften und Buden auf Volksfesten oder Weihnachtsmärkten, auch Langzeitarbeitlose und Flüchtlinge zu motivieren, sagte der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes (DSB), Albert Ritter, am Mittwoch am Rande der DSB-Hauptvorstandssitzung in Stuttgart. „Denn der Mangel an Arbeitskräften ist derzeit eines unserer größten Probleme.“

Erste Betriebe haben Volksfeste bereits abgesagt, „weil ihnen schlicht das Personal für den Transport, den Auf- und Abbau sowie den Betrieb fehlt“, wie Ritter sagte. Es gehe bei der Suche nicht nur um qualifizierte Beschäftigte, sondern auch um einfache Helfer.

Die Verpflichtung ausländischer Arbeitskräfte ist laut Ritter nach wie vor mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden. Ein Schausteller sei zum Beispiel beim Versuch gescheitert, Arbeitskräfte aus Mazedonien zu gewinnen. Die deutsche Botschaft in dem Balkanstaat habe elf Monate für das Erstellen eines Visums benötigt. Es gebe zwar Gespräche mit dem Arbeitsministerium. „Aber unseres Erachtens bedarf es dringend neuer bilateraler Abkommen mit Staaten wie der Ukraine, deren Bevölkerung ein hohes Interesse hat, kurzfristig und auskömmlich in Deutschland zu arbeiten.“

Polen und zuletzt auch Rumänen seien mit Erlangen der Freizügigkeit und dem wirtschaftlichen Aufschwung ihrer Heimat deutlich weniger daran interessiert, in Deutschland zu arbeiten. Ähnliche Probleme sind bereits bei den Hotels und Gaststätten, den Binnenschiffern, Spediteuren und auch den Landwirten bekannt.

Eine weitere Möglichkeit: Vor allem Flüchtlinge mit Aufenthaltsstatus könnten nach Ansicht Ritters über den Einstieg in den Beruf des Schaustellergehilfen in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden. „Die reisende Tätigkeit kann man auch erlernen, wenn die Sprachkenntnisse anfangs bescheiden sind“, sagte Ritter. „Allerdings scheint sich in dieser Gruppe die Möglichkeit einer Mitarbeit noch nicht ausreichend herumgesprochen zu haben.“

Bei Langzeitarbeitslosen sei vor allem das Heranführen an einen geregelten Arbeitsalltag ohne feste Schichten ein Problem. „So eine Kirmes muss fristgerecht aufgebaut werden, da geht es auch um Zeitdruck und Verlässlichkeit“, sagte DSB-Hauptgeschäftführer Frank Hakelberg.

Nach DSB-Angaben zählt die Branche derzeit rund 5300 Schaustellerunternehmen mit 31 800 Beschäftigten. Die Schausteller beschicken etwa 9750 deutsche Volksfeste und rund 3000 Weihnachtsmärkte.

Personalmangel zwingt auch die baden-württembergischen Schausteller und die Betreiber auf dem Münchner Oktoberfest zu neuem Denken. Mit Aufbautrupps werde auf der Wiesn in der bayerischen Landeshauptstadt versucht, den Ausfall auszugleichen. „Der Mangel ist da und er zwingt uns zum Umdenken“, sagte Edmund Radlinger, der Vorsitzende des Münchner Schaustellervereins.

Mark Roschmann vom Schaustellerverband Südwest Stuttgart räumt allerdings ein, dass diese Trupps bei Spezialistenjobs wie dem diffizilen Aufbau einer Achterbahn kaum geeignet seien. Möglich könnte es sein, Aufbauteams für bestimmte Fahrgeschäfte zusammenzustellen, die dann von einem Volksfest zum nächsten zögen.

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Erstellt:
13. November 2019, 15:27 Uhr

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