Neu im Kino
Scheidung als Lustspiel
Mehr als nur ein Remake: Mit „Die Rosenschlacht“ inszeniert Jay Roach einen nicht ganz freiwillige Rollentausch, der genussvoll ins Desaster führt.

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Ein Dreamteam? Benedict Cumberbatch und Olivia Colman in „Die Rosenschlacht“.
Von Martin Schwickert
Michael Douglas und Kathleen Turner spielten 1989 in „Der Rosenkrieg“ ein Ehepaar, das nach zwanzig gemeinsamen Jahren auseinanderbrach und den angestauten Hassgefühlen freien Lauf ließ. In seinem Remake „Die Rosenschlacht“ bedient sich Regisseur Jay Roach nun der Rahmenhandlung, um die Geschichte im modernen Geschlechterverhältnis neu zu verorten. Der erzählerische Schwerpunkt liegt hier nicht auf den niederträchtigen Varianten, mit denen ehemals Liebende sich im Scheidungskrieg das Leben schwer machen, sondern auf der langsamen Entwicklung einer glücklichen, scheinbar perfekten Ehe hin zum partnerschaftlichen Desaster.
Theo (Benedict Cumberbatch) ist mit seiner Frau Ivy (Olivia Colman) und den beiden Kindern vor einiger Zeit von England nach Kalifornien gezogen. Hier konnte er mit seiner Karriere als Architekt richtig durchstarten, während Ivy sich zu Hause um Haushalt und Kinder kümmerte. Weil er spürt, dass sie im Hausfrauendasein nicht wirklich ihre Erfüllung findet, mietet Theo für die begabte Köchin ein kleines Strandrestaurant an, das Ivy fortan für einige Tage in der Woche mit einer maritimen Speisekarte betreibt. Theo hat gerade einen prestigeträchtigen Museumsbau direkt am Meer entworfen, der in der Fachwelt großes Aufsehen erregt. Kurz vor der Eröffnung zieht ein Sturm auf, der das Dach hinwegfegt und den gläsernen Bau in sich zusammenstürzen lässt.
Die Videos vom spektakulären Architekturdesasters gehen viral und Theos Karriere ist von einem Tag auf dem anderen beendet. Für Ivy bringt der Sturm städtische Kundschaft, die sich vor dem Unwetter ins Lokal flüchtet. Darunter eine bekannte Foodbloggerin, deren lobpreisende Kritik dem Restaurant einen ungeahnten Aufschwung beschert. Schon bald ziert Ivy die Titelblätter der Gourmet-Zeitschriften und baut ihr Konzept zu einer florierenden Restaurantkette aus. Theo hingegen muss sich selbst vom Workaholic zum Hausmann umschulen und verfolgt seine väterlichen Aufgaben mit Ehrgeiz. Der Rollentausch verändert die Dynamik in der Ehe grundlegend. Als die Kinder ins College aufbrechen, ist das Paar auf sich zurückgeworfen. Aus den schwelenden Konflikten der letzten Jahre entsteht schon bald ein lodernder Flächenbrand.
Mit Olivia Colman und Benedict Cumberbatch hat Regisseur Roach („Trumbo“) ein britisches Schauspielduett unter Vertrag genommen, das mit feinem komödiantischem Gespür dem Scheidungslustspiel neue Nuancen verleiht. Coleman spielt das Erwachen ihrer Figur von der backwütigen Haus- zur erfolgreichen Geschäftsfrau mit sichtbarem Genuss aus. Dabei unterlegt sie ihre Performance mit einer ganz eigenwilligen emotionalen Melange aus Liebenswürdigkeit, Pragmatismus und bitterem Sarkasmus. Cumberbatch wiederum zelebriert den beruflichen Niedergang seiner Figur vom angesehenen Architekten zum frustrierten Hausmann mit masochistischer Freude an der Zerstörung eines omnipotenten Männerbildes.
Aber auch wenn „Die Rosenschlacht“ die ganze Klaviatur des Geschlechterkampfes bespielt, zeigt er mit dem notwendigen Einfühlungsvermögen gleichzeitig auch das emotionale Ungleichgewicht, das mit dem Alleinverdienermodell für Frauen wie Männer einhergeht. Berufliche und familiäre Erfüllung gleichberechtigt zu verteilen, ist eine der Herausforderungen für moderne Ehebeziehungen. „Die Rosenschlacht“ wirft einen äußerst scharfsinnigen und hoch amüsanten Blick auf die schillernden Widersprüche, die aus diesem Grundkonflikt entstehen.
Die Rosenschlacht. Großbritannien 2025. Regie: Jay Roach. Mit Olivia Colman, Benedict Cumberbatch, Kate McKinnon. 105 Minuten. Ab 12 Jahren