Schillernder Charakter heiratete Schönheit aus Murrhardt

In der Biografie „Fürst der Füchse“ des Historikers Bodo V. Hechelhammer über Comicschöpfer Rolf Kauka spielt dessen vierte Ehefrau Alexandra, die in Murrhardt als Heide Stahl aufgewachsen ist, eine wichtige Rolle.

Heidelinde Marlieb Alexandra Stahl zog als Mädchen mit ihren Eltern nach Murrhardt. Später arbeitete sie auch als Model. Foto: privat

Heidelinde Marlieb Alexandra Stahl zog als Mädchen mit ihren Eltern nach Murrhardt. Später arbeitete sie auch als Model. Foto: privat

Von Elisabeth Klaper

Murrhardt. Wie ein spannender Roman liest sich die überaus wechselvolle Lebensgeschichte von Rolf Kauka (1917 bis 2000) des Historikers Bodo V. Hechelhammer, Mitarbeiter des Bundesnachrichtendiensts (BND). In der Nachkriegszeit war Kauka der deutsche Comicpionier, erfand über 80 Comicfiguren wie die legendären Fuchszwillinge Fix und Foxi, zeitweise die größte deutsche Jugendzeitschrift, oder Bussi Bär für Vorschulkinder. Hinter dem Erschaffer dieser bunten, lustigen Kinderwelten verbarg sich jedoch ein schillernder, ambivalenter Charakter. Dank harter Arbeit Millionär geworden, war Rolf Kauka erzkonservativer Patriot und Kalter Krieger, mit autoritärer Haltung in Beruf und Familie, kurzum eine kontroverse Persönlichkeit.

Kreativ schönte er seinen eigenen Lebenslauf, beispielsweise legte er sich einen Doktortitel zu, obwohl er die Schule ohne Abschluss abgebrochen hatte. Der Verleger und Unternehmer genoss das Leben und war mit zahlreichen Prominenten befreundet wie mit dem BND-Präsidenten Gerhard Wessel und dessen Schwiegersohn, dem Publizisten und Politiker Michael Naumann.

Sie arbeitet international als Model

Rolf Kaukas vierte Ehefrau war die 1940 in Hermagor in Kärnten, Österreich, geborene Heidelinde Marlieb Alexandra Stahl, Tochter des Zahnarzts Hermann Stahl und dessen Frau Leopoldine. Als das Mädchen sechs Jahre alt war, zog die Familie nicht nach München, wie im Internet zu lesen ist, sondern nach Murrhardt, wo sie als Heide Stahl bekannt war, aufwuchs und zur Schule ging. „Sie war eine Jugendfreundschaft“, erzählt Zeitzeuge Rolf Schweizer. „Nach ihrem Schulabschluss arbeitete sie eine Zeit lang in der Zahnarztpraxis ihres Vaters mit. Sie war eine Schönheit und sportlich, Mitglied im Turnverein und spielte Tennis“, zudem arbeitete sie international als Model.

In den 1960er-Jahren heiratete sie Kurt Nolff aus der Fabrikantenfamilie Nolff, die ein Sägewerk am Obermühlenweg auf dem Areal der späteren Firma Schweizer und Weichand besaß, und bekam ihren Sohn Markus. „Sie kam auch später noch oft nach Murrhardt, um ihre Mutter zu besuchen, die im Erich-Schumm-Stift wohnte“, erinnert sich Rolf Schweizer. Nach dem Tod ihres Mannes Anfang der 1970er-Jahre gründete Alexandra zwei Antiquitätengeschäfte in München. Dort lernten sich Rolf Kauka und Alexandra Nolff bei einem Geschäftsessen im Sommer 1975 kennen. Er war von der dunkelhaarigen Schönheit sofort begeistert, erfuhr jedoch, dass sie bereits mit Albrecht Schulze-Lidl verlobt war und die Hochzeit bevorstand.

Zwei Tage später machte er Alexandra einen Heiratsantrag

Also entschied sich Kauka, schnell zu handeln: Schon zwei Tage später machte er Alexandra einen Heiratsantrag, am folgenden Wochenende gab sie seinem rasanten Werben nach und sagte Ja, schreibt Hechelhammer. Wie bei den vorhergehenden Ehen wollte der Comicschöpfer möglichst sofort heiraten, obwohl seine dritte Frau Dorothea erst wenige Monate zuvor bei einem tragischen Reitunfall ums Leben gekommen war. Auf Vorschlag seiner Schwester Brunhilde hin verband Kauka die Heirat mit deren Silberhochzeit. Am 5. Dezember 1975 gaben sich der 58-jährige Rolf und die 35-jährige Alexandra das Jawort im kleinsten Familienkreis ohne Feierlichkeiten. Alexandra wurde die Liebe seines Lebens und die Ehe hielt bis zu seinem Tod: 25 Jahre waren beide verheiratet und keinen einzigen Tag voneinander getrennt.

Die Eheleute verbanden gemeinsame sportliche Aktivitäten wie Angeln, Jagd und Pferderennen. Als Rolf Kauka unter immer stärkeren arthritisch-rheumatischen Beschwerden litt, erwarben sie die Chinquapin Plantation, ein großes Landgut bei Thomasville im US-Bundesstaat Georgia, verkauften die Immobilien in Deutschland und wanderten Ende 1981 in die USA aus. Oft besuchten Verwandte und Freunde Rolf und Alexandra Kauka, auch deren Eltern, Bruder und Sohn Markus, der Astrophysik studierte. Zudem kamen die Eheleute weiterhin regelmäßig nach Deutschland und Rolf ließ sich in Bad Ragaz (Schweiz) behandeln.

Sie waren 25 Jahre glücklich verheiratet

1991 erlitt Alexandra bei einem Unfall schwere Verletzungen, worauf sich ihr Mann intensiv um sie kümmerte. 1998 wurde der Comicpionier mit dem Bundesverdienstkreuz für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 2000 starb Rolf Kauka nach langer Krankheit und seine Witwe wurde Alleinerbin des Vermögens und der Comiclizenzrechte. Sie verkaufte den Landbesitz River Creek, heute das staatliche Naturschutzgebiet „The Rolf and Alexandra Kauka Wildlife Management Area“. „Mit Rolf Kauka war ich 25 Jahre überaus glücklich verheiratet. Er war eine außergewöhnliche, bunt-schillernde Persönlichkeit und all die schillernden Farben waren echt!“, schreibt Alexandra in ihrem Grußwort zur Biografie. Deren Autor bescheinigt sie, dass er der Person Rolf Kauka überraschend nahekam. Hechelhammer wiederum dankt der Witwe für deren breite Unterstützung, ohne die die Biografie so nicht möglich gewesen wäre.

Die Biografie

Werk Bodo V. Hechelhammer: Fürst der Füchse. Das Leben des Rolf Kauka. 392 Seiten, zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen. ISBN 978-3-7844-3625-8. Langen Müller Verlag GmbH, München 2022, 25 Euro.

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Erstellt:
17. Januar 2024, 16:00 Uhr

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