200 Tote pro Jahr
Schlangenbiss in Hotel in Ägypten: Karte zeigt gefährliche Gebiete
Tod eines deutschen Gasts in Hurghada: Gibt es eine offizielle Reisewarnung vor tückischen Giftschlangen in Ägypten? Worauf Touristen unbedingt achten sollten.
© IMAGO/Filippo Carlot
Schlangen-Souvenirs aus Ägypten.
Von Michael Maier
Ägypten ist nicht nur das Land der Pharaonen und Pyramiden, sondern auch die Heimat einiger der berüchtigtsten Schlangen der Welt – einem 57-Jährigen deutschen Hotelgast in Hurghada wurde das nun bei der leichtfertigen Vorführung eines Schlangenbeschwörers zum Verhängnis. Der Familienvater starb am Gift einer Kobra.
Rund 200 Todesfälle durch Schlangen sind laut Statistik jedes Jahr in dem beliebten Reiseland zu verzeichnen. Tausende Ägypter werden gebissen, was zu Amputationen und anderen schweren Behinderungen führen kann, wenn nicht schnell ein Gegengift verabreicht wird. Touristen waren bislang jedoch nur selten betroffen, da die Schlangen eher im ländlichen Bereich vorkommen – insbesondere im Niltal in der Nähe von Feldern und Gewässern.
Uräus-Schlange auf der Pharaonen-Krone
Schon in der Antike wurden die gefährlichen Reptilien in Ägypten verehrt und gefürchtet – man denke nur an die Uräusschlange auf den Kronen der Pharaonen. Doch welche Arten schlängeln sich heute tatsächlich durch den Wüstensand und das Niltal? Hier ein Überblick über die wichtigsten giftigen Bewohner Ägyptens.
1. Ägyptische Kobra (Naja haje)
Sie ist die wohl tückischste Schlange des Landes. Bekannt als die „Uräusschlange“, kann sie bis zu 2,4 Meter lang werden.
- Vorkommen: Oft in der Nähe von Wasserquellen oder landwirtschaftlich genutzten Flächen im Niltal.
- Besonderheit: Bei Gefahr stellt sie ihren Oberkörper auf und spreizt die typische Halshaube. Ihr Gift ist ein starkes Neurotoxin, das das Nervensystem angreift.
2. Hornviper (Cerastes cerastes)
Diese Schlange ist der Inbegriff der Wüstenviper. Ihr auffälligstes Merkmal sind die zwei kleinen „Hörner“ über den Augen (obwohl es auch Exemplare ohne Hörner gibt).
- Vorkommen: In sandigen Wüstengebieten.
- Taktik: Sie gräbt sich fast vollständig im Sand ein, bis nur noch Augen und Nase herausschauen. Dank ihrer Seitenwinder-Technik kann sie sich extrem effizient über lockeren Dünensand bewegen.
3. Ägyptische Sandrasselotter (Echis pyramidum)
Man lasse sich nicht von ihrer geringen Größe (meist 40–60 cm) täuschen. Sie gilt als eine der gefährlichsten Schlangen Ägyptens, da sie sehr nervös und angriffslustig ist.
- Warnsignal: Bei Bedrohung reibt sie ihre Schuppen aneinander, was ein rasselndes Geräusch erzeugt – daher der Name.
- Gefahr: Ihr Gift verursacht schwere Gewebeschäden und Blutgerinnungsstörungen.
4. Schwarze Wüstenkobra (Walterinnesia aegyptia)
Diese tiefschwarze, glänzende Schlange wirkt fast wie aus einem Fantasy-Film.
- Vorkommen: Trockene Steppen und felsige Wüstenregionen (Sinai-Halbinsel).
- Verhalten: Im Gegensatz zur Ägyptischen Kobra stellt sie sich selten auf, sondern beißt eher blitzschnell aus der Horizontalen zu.
5. Rote Speikobra (Naja pallida)
Wie der Name schon sagt, hat diese Schlange eine ganz besondere Verteidigungsstrategie: Sie kann ihr Gift über Distanzen von bis zu 2 Metern zielsicher in die Augen eines Angreifers spritzen und kommt eher im Süden Ägyptens Richtung Sudan vor.
Reisewarnung vor Schlangen in Ägypten?
Keine Panik: Schlangen sind scheu und meiden den Menschen normalerweise. Wer jedoch abseits der touristischen Pfade in der Wüste oder in ländlichen Gebieten wandert, sollte:
- Festes Schuhwerk tragen.
- Nicht in Felsspalten oder unter dunkle Gebüsche greifen.
- Bei einer Sichtung Abstand halten – die meisten Bisse passieren, wenn Menschen versuchen, das Tier zu fangen oder zu töten.
Bei den Tipps handelt es sich um allgemeine Empfehlungen der US-Gesundheitsbehörde CDC für Auslands- und Abenteuerreisen. Eine spezielle Reisewarnung vor Schlangen in Ägypten gibt es bislang weder in den USA noch in Deutschland vom Auswärtigen Amt.
