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Schlichter und Berater

Familienunternehmen Brun-Hagen Hennerkes hat jahrzehntelang Unternehmer erfolgreich miteinander vernetzt

Porträt - Wer etwas über Familienunternehmen erfahren will, kommt an Brun-Hagen Hennerkes nicht vorbei. Der Jurist beschäftigt sich seit 50 Jahren mit kaum einem anderen Thema. Doch nun will er sich allmählich zurückziehen.

Den ersten Empfang hat Christa Hennerkes geschmissen. Sie ist schon seit über 50 Jahren mit Brun-Hagen Hennerkes verheiratet. „Sie hat mich immer unterstützt“, sagt Hennerkes heute. So auch an diesem Abend 1973, als Hennerkes so aufgeregt war, dass er sich gar nicht um seine 40 Gäste kümmern konnte.

Mit seinen Empfängen in seinem Haus in Degerloch begründete Hennerkes eine Tradition, die charakteristisch ist für seinen Erfolg und seine Person: Hennerkes bringt Menschen zusammen. Er setzt darauf, schnell Vertrauensbeziehungen zu ihnen aufzubauen und sie untereinander zu vernetzen. Auf diese Weise hat er sich den Status des mächtigsten Lobbyisten für Familienunternehmen in Deutschland erarbeitet. Wer heute etwas über Familienunternehmen erfahren will, kommt kaum an Hennerkes vorbei. Seit rund 50 Jahren beschäftigt er sich schon mit Familienunternehmen. Nach seinem Jura-Studium arbeitete er zunächst als Manager in der Direktion bei dem Industriekonzern Mannesmann. 1971 trat er in die Kanzlei des Juristen Conrad Böttcher ein, der schon seit 1929 Familienunternehmen beriet. Zehn Jahre später wurde Hennerkes Seniorpartner. Im Laufe seiner Karriere hat er Hunderte Firmen begleitet.

„Die hohe Anzahl kommt aber auch dadurch zustande, dass ich immer nur kurzfristig für die Firmen im Einsatz war“, sagt Hennerkes. Er ist spezialisiert auf die Fälle, bei denen es in Familienunternehmen kriselt: Streitigkeiten, Nachfolgeregelungen, Verkäufe.

In der Branche heißt es über ihn: „Manche Kollegen leben gut von Streitigkeiten in Familienunternehmen. Sie führen Prozesse, die für sie lukrativ sind. Hennerkes dagegen setzt auf Streitschlichtung.“ Er versucht stets, alle Streithähne an einen Tisch zu bekommen und in langen Gesprächen Kompromisse herauszuhandeln. Er gilt auch als Förderer von Unternehmenssöhnen und -töchtern.

Er hat einen hohen Anspruch an sich selbst: Noch heute, mit 79 Jahren, spürt er stets eine innere Unruhe. „Das liegt daran, dass ich eigentlich nie ganz zufrieden bin mit mir“, sagt er. Hennerkes war als Anwalt erfolgreich, bis er vor rund zehn Jahren seine Mandate abgab, um Jüngeren Platz zu machen. Seine Arbeitstage waren immer bis zu 15 Stunden lang. Seine Frau und die drei Kinder sah er vor allem in den Ferien.

„Geld war für mich allerdings nie Gradmesser meines Erfolgs“, sagt er. „Anwälte, die sich vor allem darauf konzentrieren, ihr Vermögen zu verwalten, sind für mich Buchhalter.“ Geld trennt auch. Hennerkes sagt, dass er zu wenig in Berührung kommt mit seiner Umwelt. „Ich habe eher Kontakt zu Unternehmern oder zu Politikern.“

Luxus, den er sich leistet, ist gute italienische Mode. „Das äußere Erscheinungsbild ist mir wichtig“, sagt er. Dass so viele Konzernlenker heute in Jeans und Turnschuhen in Erscheinung treten, irritiert ihn. „Jeans würde ich nie tragen“, sagt er.

Zu seinen Erfolgen zählt, dass er den ­Familienunternehmen das Finanzierungsinstrument des Börsengangs nahebrachte. Bis dahin waren die Finanzplätze an Familienunternehmen nicht interessiert, und die Firmen selbst argwöhnten mit den Veröffentlichungspflichten, die mit einem Börsengang einhergehen. Hennerkes verhalf über die Jahre beispielsweise dem Modehersteller Hugo Boss, dem Schreibwarenhersteller Edding und dem Modeschmuckanbieter Bijou Brigitte zum Gang an die Börse.

Es ist auch mit der inneren Unruhe zu begründen, dass Hennerkes 2002 auch noch die Stiftung Familienunternehmen gründete, die in der Öffentlichkeit die Interessen der Firmen vertritt. Familienunternehmer leben oft unauffällig, und einige führen ihre Geschäfte auch heute noch verschwiegen. Hennerkes gibt ihnen eine Stimme – und zwar eine ziemlich unbequeme.

Als Vorstandsvorsitzender der Stiftung liegt er den Politikern in Berlin regelmäßig damit in den Ohren, dass sie die Familienunternehmen zwar als Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnen, aber nichts für sie tun. Die Standortbedingungen in Deutschland sind sein Lieblingsthema.

„Während die USA, Frankreich und Großbritannien ihre Unternehmenssteuern senken, entwickelt sich Deutschland immer mehr zu einem Höchststeuerland“, kritisiert er und formuliert auch gleich einen Arbeitsauftrag: „Die Politik muss eine Verbesserung der Standortbedingungen wieder in ihren Blick nehmen. Eine Unternehmenssteuerreform ist dringend erforderlich.“

Er rechtfertigt den Einsatz für die Familienunternehmen mit der gesellschaftlichen Relevanz dieser Firmen. Vor allem in Baden-Württemberg ist deren Bedeutung groß: 90 Prozent der Südwest-Unternehmen sind Familienunternehmen – dazu zählen große Konzerne wie der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch mit mehr als 400 000 Mitarbeitern weltweit oder die Schwarz-Gruppe. Der Handelskonzern mit Sitz in Neckarsulm betreibt die Einzelhandelsketten Lidl sowie Kaufland und beschäftigt ebenfalls rund 400 000 Männer und Frauen. 87 Prozent der Südwest-Familienunternehmen sind noch familiengeführt wie etwa der Anlagenbauer Trumpf aus Ditzingen, der von Nicola Leibinger-Kammüller geleitet wird und rund 13 400 Menschen beschäftigt. „Familienunternehmen setzen auf Stabilität und Nachhaltigkeit“, so Hennerkes.

Und es wirkt, als gälten diese Grundsätze auch für sein eigenes Leben. Seine Frau hat Hennerkes kennengelernt, als er 15 Jahre alt war. „Sie war unprätentiös und spielte Fußball.“ Das gefiel ihm. „Sie war meine große Liebe“, sagt Hennerkes. „Und das ist sie heute noch.“

Vielleicht finden solche Erinnerungen einen Platz in den Memoiren, die er im Sommer veröffentlichen will. Einige Wochen vor seinem 80. Geburtstag im Oktober. Von der Stiftungsarbeit wird er sich dann allmählich zurückziehen. „Ich will den Vorstandsvorsitz innerhalb der kommenden eineinhalb Jahre abgeben“, sagt er. „Ich empfehle den Unternehmern immer, dass sie nicht an ihren Posten kleben. Vor zehn Jahren habe ich deswegen schon meine aktive Tätigkeit als Anwalt aufgegeben. Nun werde ich auch mein letztes Amt niederlegen.“ Dass es dann aber ruhig um Brun-Hagen Hennerkes werden wird, kann sich zwischen Stuttgart und Berlin keiner so wirklich vorstellen.

Seine Frau hat Brun-Hagen Hennerkes bereits im Alter von 15 Jahren kennengelernt

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Erstellt:
6. April 2019, 03:14 Uhr

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