Schölzel kandidiert als Erster Bürgermeister Waiblingens

Der Weissacher Bürgermeister ist einziger Bewerber und begründet seine Kandidatur mit dem Wunsch nach beruflicher Veränderung.

Der Weissacher Bürgermeister Ian Schölzel könnte bald ein neues Amt innehaben. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Der Weissacher Bürgermeister Ian Schölzel könnte bald ein neues Amt innehaben. Foto: T. Sellmaier

Von Lorena Greppo

Weissach im Tal/Waiblingen. Als Ian Schölzel Anfang des Jahres in Erwägung gezogen hatte, sich als Erster Bürgermeister der Stadt Bietigheim-Bissingen aufstellen zu lassen, schockte diese Nachricht viele Bürger, Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter (wir berichteten). Ihre Bitten, er möge doch bleiben, und Vertrauensbekundungen trugen zu jenem Zeitpunkt Früchte. Der Weissacher Bürgermeister entschloss sich gegen die Kandidatur. Unter anderem auch deshalb, weil in den beiden Nachbargemeinden Allmersbach im Tal und Auenwald jeweils ein Umbruch an der Rathausspitze anstand. „Da habe ich mich in der Verantwortung gesehen“, erklärt der Weissacher Schultes seine Entscheidung.

Nun aber ist ein Abschied Schölzels aus Weissach im Tal näher, als manch einer dachte: Der 45-Jährige kandidiert nämlich für das Amt des Ersten Bürgermeisters der Stadt Waiblingen. Amtsinhaberin Christiane Dürr hatte im September bekannt gegeben, für keine weiteren acht Jahre anzutreten. Und Schölzel ist der einzige Bewerber. Auf die Ausschreibung hin gingen bis 8. November zwar insgesamt zwölf Bewerbungen ein. Im weiteren Verfahren wurden allerdings mehrere Bewerbungen zurückgezogen. Der Waiblinger Ausschuss für Bildung, Soziales und Verwaltung hat dann in dieser Woche entschieden, nur Schölzel in die öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 20. Dezember einzuladen. Dort wird er sich zur Wahl stellen.

Bevor ihm im Frühjahr das Amt in Bietigheim-Bissingen ans Herz gelegt wurde, habe er sich nie Gedanken gemacht, aus Weissach wegzugehen, erklärt Schölzel. „In der Folge setzt man sich aber mit einer solchen Entscheidung auseinander.“ Hinzu sei gekommen, dass ihm durch die Coronapandemie mehr Zeit geblieben war, um sich abends in Ruhe Gedanken über einen möglichen Wechsel zu machen. „Dabei ist mir klar geworden, dass ich den Wunsch habe, nach 14 Jahren als Bürgermeister in Weissach beruflich noch mal etwas Neues anzupacken“, so der 45-Jährige. Im kommunalen Bereich wolle er bleiben: „Ich brenne für die kommunale Sache.“ Dass er nun als einziger Bewerber in die Sitzung eingeladen wurde, sei eine tolle Wertschätzung.

Nun wird in Waiblingen in Kürze auch der Chefsessel frei – war eine Bewerbung für das Amt des Oberbürgermeisters nicht auch eine Überlegung? Die Position des Ersten Bürgermeisters sei eine, in der er sich sehen könne, lautet die Antwort des Weissacher Bürgermeisters. „Dabei fühle ich mich gut und glaube, dass das der richtige Schritt für mich ist.“ Schließlich sei die Herausforderung auch so eine große – von der Gemeinde mit 7000 Einwohnern in eine Stadt mit fast 56000 Einwohnern. Zwar scheint seine Wahl eine sichere Bank zu sein, Schölzel sieht es jedoch mit gewisser Demut: „Bis zum 20. Dezember ist noch alles möglich.“ Er sei hoffnungsfroh und natürlich aufgeregt. Derzeit bereite er sich auf die Wahl vor und hoffe, im Gemeinderat eine gute Figur abzugeben.

Ein Abschied wäre mit viel Wehmut verbunden

Im Vorfeld hatte Schölzel übrigens weder den Gemeinderat noch seine Mitarbeiter im Rathaus über diesen Schritt informiert. Nachdem entschieden war, dass er als einziger Kandidat zur Wahl zugelassen wurde, habe er hingegen nichts anderes gemacht. „Ich wollte es allen persönlich sagen“, erklärt er. Dabei sei er zwar von Presse und Social Media überrundet worden, dennoch wolle er mit allen persönlich reden. Denn eines macht Schölzel klar: „Wir haben ein super Verhältnis und es tut mir auch ganz arg weh.“ Weissach sei eine tolle Gemeinde, in die er viel Herzblut gesteckt habe. „Die Entscheidung, in Waiblingen zu kandidieren, war daher mit viel Wehmut verbunden. Das geht mir sehr nahe.“

Wer ihn kenne, wisse aber auch, dass die Entscheidung aus dem Frühjahr Spuren hinterlassen habe. Noch einmal so eine Chance auszuschlagen, hätte er im Nachhinein womöglich noch lange bereut. Die Reaktionen seiner vielen Gesprächspartner seien sehr unterschiedlich ausgefallen: „Es sind viele Tränen geflossen“, berichtet Schölzel. Viele Weissacher hätten beteuert, wie schade sie es fänden, wenn er gehe. „Aber die meisten gönnen mir das und sagen, dass sie mich als Person schätzen und mir Gutes wollen.“

Ian Schölzel ist seit 2007 Bürgermeister in Weissach im Tal. Mit damals 31 Jahren war er zu diesem Zeitpunkt einer der jüngsten Bürgermeister im Rems-Murr-Kreis. 2015 wurde er wiedergewählt, ohne einen Gegenkandidaten gehabt zu haben. Schölzel sitzt zudem seit 2019 für die Fraktion der Freien Wähler im Kreistag. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und ist studierter Diplom-Verwaltungswirt. Ein interessantes Detail: Der heute 45-Jährige war einst Werkstudent beim Motorsägenhersteller Stihl und arbeitete während seiner Verwaltungsausbildung zum gehobenen Dienst in Waiblingen. Hier schrieb er auch seine Diplom-Arbeit über Stadtmarketing.

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Erstellt:
10. Dezember 2021, 16:48 Uhr

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