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Schülervertreter drohen wegen Abschlussprüfungen mit Klagen

dpa/lsw Stuttgart. Sind Abschlussprüfungen an Schulen mit weniger Vorbereitung, Begleitung und Sicherheit als sonst überhaupt juristisch wasserdicht? Diese Frage könnten Richter bald beantworten müssen.

Engin Sanli spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild

Engin Sanli spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild

Schülervertreter aus zahlreichen Städten Baden-Württembergs drohen mit Klagen gegen das Land, sollten die bevorstehenden Abschlussprüfungen nicht abgesagt werden. Abschlussnoten sollten stattdessen aus den vor Beginn der Pandemie erbrachten Leistungen gebildet werden, schlugen mehr als 65 Schülersprecher am Montag in einer Mitteilung vor. Nur so könnten Gesundheit und Gerechtigkeit im Schulsystem gewährleistet werden. Ein Schulleiter befürchtet aber bei einem „Not-Abschluss“ Nachteile für die Schüler.

Der Stuttgarter Rechtsanwalt Engin Sanli unterstützt die Initiative „Abschluss umdenken!“ und erläuterte, Schüler könnten wegen beeinträchtigter Vorbereitungsmöglichkeiten oder mangelhaften Infektionsschutzes vor und während der Prüfungen Rügen aussprechen. Deshalb könne es zu Klageverfahren kommen. Die Richter müssten dann entscheiden, ob die Prüflinge zum Beispiel ihr normales Leistungspotenzial wegen Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus nicht abrufen konnten.

Die Schülervertreter wiesen darauf hin, dass etliche Schüler wegen finanzieller Notlagen ihrer Familien und aus Sorge um Angehörige aus Risikogruppen unter Schlaf- und Konzentrationsproblemen litten. Fernunterricht benachteilige Schüler aus einkommensschwachen Familien, weil ihnen die technische Ausrüstung und ein geeignetes Lernumfeld fehlten. Die Zusicherung von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), die Pandemie werde für die Schüler keine Nachteile bringen, sei eine Farce.

Der Leiter des Alexander-Fleming-Gymnasiums in Stuttgart, Anton Metz, hält die Forderung der Schülervertreter seiner Schule für „keine gute Idee“. Das wäre der erste Jahrgang seit dem Zweiten Weltkrieg mit einem „Not-Abschluss“, sagte er am Montag. „Das würde die jungen Menschen in den ersten Jahren nach dem Abschluss stigmatisieren.“

Er zeigte sich überzeugt, dass die Prüfungen inhaltlich und hinsichtlich des Infektionsschutzes machbar seien. Die Abstandsregeln seien dank ausreichender Räumlichkeiten in seiner recht modernen Schule ebenso einzuhalten wie die Hygienevorgaben. Inhaltlich gebe es für die Korrektur Spielräume bei der Punktevergabe.

Zwar habe man die Schüler während der fünf Wochen ohne Präsenzunterricht online betreut. Doch sei dies nicht für alle Schüler die geeignete Methode, weil sie ein hohes Maß an Disziplin verlange, sagte Metz.

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Erstellt:
27. April 2020, 14:17 Uhr

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