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Schulanfang mit Aufklebern und Vesperdosen

Mitarbeiter aus Stadt-, Gemeinde- und Kreisverwaltungen können ihre Aufstiegslehrgänge künftig in Backnang absolvieren

Für die Teilnehmer des Aufstiegslehrgangs am Bezirksschulstandort Backnang hat gestern die Qualifizierung für den gehobenen Dienst begonnen. Dazu gab es rote Vesperdosen. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Für die Teilnehmer des Aufstiegslehrgangs am Bezirksschulstandort Backnang hat gestern die Qualifizierung für den gehobenen Dienst begonnen. Dazu gab es rote Vesperdosen. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. Tatjana Riedinger ist 27 Jahre, arbeitet im Landratsamt in Waiblingen auf einer gehobenen Dienststelle und muss jetzt noch die dafür erforderliche Qualifizierung absolvieren. Dass die Aspacherin diesen Lehrgang in Backnang absolvieren kann, kommt ihr sehr entgegen: „Besser geht’s gar nicht“, freut sie sich. Ähnlich geht es Markus Wirth. Der 22-Jährige, der beim Landratsamt in Schwäbisch Hall im Bereich Waffen- und Sprengstoffrecht tätig ist, wohnt in Gaildorf und kann unproblematisch mit dem Zug zum Kurs nach Backnang kommen.

Wie er, so strebt auch Timo Lederer die Weiterqualifizierung für den gehobenen Dienst an. Der 26-Jährige, der beim Jugendamt der Stadt Stuttgart arbeitet, hatte vor zwei Jahren schon das Glück, auf eine gehobene Stelle zu rücken. Den dafür erforderlichen Aufstiegslehrgang „wollte ich sowieso machen“, da kommt ihm das neue Angebot in Backnang gerade recht. Immerhin liegt das näher, als nach Karlsruhe pilgern zu müssen, wo die Verwaltungsschule des Gemeindetags Baden-Württemberg ihren Sitz hat.

Mit Beginn des ersten Kurses, an dem 20 Interessierte teilnehmen, ist Backnang Bezirksschulstandort der Verwaltungsschule geworden. Mitarbeiter aus Kommunal- und Kreisverwaltungen, die bisher dem mittleren Dienst bei Beamten entsprochen haben, können nun in der Murr-Metropole Aufstiegslehrgänge absolvieren. Nach erfolgreichem Abschluss winkt ihnen eine größere Vielfalt an attraktiven Stellen sowie eine höhere Eingruppierung, sprich: ein höheres Gehalt.

Zum Unterrichtsauftakt in den Räumen der Volkshochschule Backnang gab es gestern früh einige Überraschungen, die mit Augenzwinkern und Humor präsentiert wurden. So brachten Backnangs OB Frank Nopper und Rems-Murr-Landrat Richard Sigel nicht nur warme Worte mit, die in Anbetracht der drückenden Schwüle gar nicht so dringend nötig waren, sondern auch Greifbares: zum einen ein Backnang-Set mit Aufklebern und Pins zum Anstecken, alles mit Stadtwappen, versteht sich, zum anderen kreissparkassenrote Vesperdosen, wie sie alle Erstklässler im Kreis zum Schulanfang bekommen. Die Füllung für die Behälter hatte Anna Katharina Maier dabei: Die Leiterin des Haupt- und Personalamts im Landratsamt, die formal auch Leiterin der Schule ist, wartete mit einem ganzen Steigle voll süßer Pfirsiche auf. Gemeinsam mit Monika Eckert, der Leiterin der Volkshochschule Backnang, hießen Sigel, Nopper und Maier die „hoffnungsvollen und wissbegierigen jungen Leute“ (Nopper) zum Aufstiegslehrgang willkommen.

Im Anschluss ging es mit dem Unterricht los. Die Kursteilnehmer erwartet ein straff durchorganisiertes Programm in mehreren Blöcken. Zum Auftakt gab Jörn Wenzelburger, Leiter der Finanzverwaltung der Gemeinde Affalterbach, Einblick in das Thema „Kommunales Abgabenrecht“. Im Anschluss unterrichtete der frühere Kreiskämmerer Frank Geißler über „Management in der öffentlichen Verwaltung“, ehe es mit dem Weissacher Bürgermeister Ian Schölzel weiterging, der in das Thema „Staats- und Verfassungsrecht“ einführte. Insgesamt ist, wie Thomas Thaler von der Volkshochschule erläutert, ein gutes Dutzend Dozenten im Einsatz – überwiegend Amtsleiter und Sachgebietsleiter aus kommunalen Verwaltungen. Im Kurs wird ein breites Spektrum an Themen behandelt: von Europarecht und Politik über Polizei- und Ordnungswidrigkeitenrecht, Umwelt- und Baurecht, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Datenschutz bis hin zum Rechnungswesen und Controlling, Beamten- und Besoldungsrecht, Personalwesen, Sozialhilfe und Jugendhilfe. Auch Themen wie Personalentwicklung und Führungskompetenz stehen auf dem Programm.

Ziel der neuen Bildungseinrichtung ist es, dem Fachkräftemangel in den öffentlichen Verwaltungen beizukommen: Es werde immer wichtiger, bewährte Mitarbeiter zu halten und ihnen Chancen zur Weiterentwicklung zu eröffnen, unterstreicht Landrat Sigel. Deshalb habe man gemeinsam mit Städten und Gemeinden die Initiative ergriffen und den neuen Bezirksschulstandort geschaffen. Dass die Wahl dabei auf Backnang fiel, liegt für Sigel auf der Hand: „Wenn nicht hier, wo dann?“, erklärte er gestern. In Backnang treffen zwei S-Bahn-Linien zusammen, zudem verläuft hier die Murrbahn. Damit sei die nah am Bahnhof gelegene Schulstätte nicht nur für Interessenten aus dem Rems-Murr-Kreis attraktiv, sondern auch darüber hinaus: Stuttgart, Hall und Ludwigsburg.

Die Teilnehmer des ersten Lehrgangs machen ihren Abschluss Mitte nächsten Jahres, bevor der neue Kurs anfängt. Der ist auch bereits zu einem Viertel belegt.

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Erstellt:
2. Juli 2019, 11:30 Uhr

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