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Schule in den Sommerferien

Die Sommerschule in der Mörike-Gemeinschaftsschule in Backnang gibt es bereits seit acht Jahren. Schüler wie auch Lehrer gehen alle freiwillig und gerne zum Unterricht. Vormittags gibt es Deutsch, Englisch und Mathematik, nachmittags wird gebastelt und gewerkelt.

Unter der Anleitung von Markus Heckelmann bauen die Schüler im Technikraum einen Bumerang. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Unter der Anleitung von Markus Heckelmann bauen die Schüler im Technikraum einen Bumerang. Foto: A. Becher

Von Renate Schweizer

BACKNANG. Schule in den Sommerferien – wo gibt’s denn so was?! In diesem Jahr fällt natürlich der erste Verdacht auf Corona: Vielleicht sollen hier Defizite ausgeglichen werden, die während des Pandemiel-Lockdowns entstanden sind? Stimmt aber nicht. Die Sommerschule in der Mörike-Gemeinschaftsschule in Backnang gibt es seit 2012, heuer also zum achten Mal – sie stammt aus Zeiten, da konnte man das Wort Lockdown noch nicht einmal buchstabieren. Was hier passiert, ist direktweg das Gegenteil eines Lockdowns: Hier wird die Schule eine Woche früher aufgeschlossen als sonst für Lehrer und Schüler – alle sind freiwillig hier, mehr noch: Alle sind gerne hier, man spürt’s auf Schritt und Tritt beim Besuch der Backnanger Kreiszeitung im altehrwürdigen Schulgebäude.

„Ich bin hier, weil’s Spaß macht, und auch, weil ich besser in der Schule werden will.“

Mohammed zum Beispiel: Mit Feuereifer feilt er die weiche, glatte Schräge an einen (werdenden) Bumerang, den er mit zwei hölzernen Schraubzwingen am Tisch im Werkraum festgeklemmt hat. „Ich bin hier, weil’s Spaß macht“, erklärt der künftige Achtklässler, „und auch, weil ich besser in der Schule werden will.“ Hört, hört! Denn vormittags ist hier ganz normal Unterricht: Deutsch, Englisch, Mathe – die Basics eben. Obwohl, so ganz „normal“ ist der Unterricht nun auch nicht. „Heute Morgen hatte ich neun Schüler in Deutsch“, erklärt Eva-Maria Barthel, Lehrerin im Projekt und von Anfang an mit Begeisterung dabei. „Neun Schüler – das ist ein ganz anderes Arbeiten. Da dämmert keiner weg. Da ist jeder immer dran. Da schafft man richtig was weg!“ Und allen geht’s gut dabei. „Es ist wie eine Rampe für den Anlauf ins neue Schuljahr.“

„Ein wunderbarer Auftakt fürs Schuljahr“, das findet auch Karin Moll, Rektorin an der Mörike-Gemeinschaftsschule. Sie ist sichtlich stolz auf „ihre“ Sommerschule. „Sechs Wochen Sommerferien sind lang – grade für Kinder, die zu Hause wenig oder fast gar kein Deutsch sprechen.“ Auf die Frage, wie hoch denn der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund sei, muss sie ein bisschen nachdenken. „Grob überschlagen: viele.“ Die Schulleiterin lacht. 50 Prozent werden es schon sein. Klingt, als sei es nicht so wichtig, wo ein Kind herkommt – den biodeutschen Kindern, die hier sind, tut’s auch gut.

„Zu Anfang ging es um Integration durch Bildung“, ergänzt Sabine Hagenmüller-Gehring, Schulamtsleiterin in Backnang. Die Sommerschule ist ihr „Baby“ – sie hat es, damals noch am Kultusministerium, konzipiert, beworben und in der Anfangsphase wissenschaftlich begleitet und sie weiß: Es funktioniert, inzwischen bei Weitem nicht nur für Kinder mit Migrationshintergrund. Julian und Daniel, die beide ab nächster Woche in der 8. Klasse sein werden, kümmert das alles wenig. Sie sind Klassenkameraden und Freunde und teilen eine der Werkbänke beim Bumerangbau. Sie haben sich gemeinsam angemeldet, wohl weil sie etwas miteinander unternehmen wollten.

Demista und Malwina hingegen gefällt gerade, dass man in der Sommerschule auch mit Jugendlichen aus anderen Klassen zusammenkommt. „Leute kennenlernen und Spaß haben“ ist ihre Devise. Lehrer sprechen Kinder – und natürlich ihre Eltern – an, wenn sie vermuten, dass einer von der Sommerschule profitieren könnte. Aber bewerben müssen sich die Kinder tatsächlich selbst, sogar einen Satz darüber schreiben, warum sie an die Sommerschule wollen.

„Dass wir miteinander zu Mittag essen, das tut allen gut und schafft Beziehung.“

Vieles ist anders als sonst im Coronajahr: Der Tag beginnt nicht mehr mit einem gemeinsamen Frühstück und auch das gemeinsame Kochen des Mittagessens entfällt. Stattdessen kocht jetzt eine der beteiligten Lehrerinnen, Jutta Ungemach. „Die kann’s auch“, erklärt eine Schülerin großzügig. „Mir schmeckt’s!“ Essensausgabe mit Handschuhen und Mundschutz, streng nach Hygieneregeln, das versteht sich von selbst. Trotzdem, gemeinsam essen ist schöner. Überhaupt scheinen die Kinder das Miteinander („die sozialen Aspekte von Schule“) in diesem Jahr besonders zu genießen, das zumindest ist der Eindruck der Schulleiterin. „Dass es morgens einen gemeinsamen Anfang gibt, bevor man sich in die Lerngruppen aufteilt, dass wir miteinander zu Mittag essen, dass es einen gemeinsamen Tagesabschluss gibt – das tut allen gut und schafft Beziehung. Wenn dann der gleiche Lehrer zum Schuljahresbeginn im Klassenzimmer auftaucht, ist schon eine ganz andere Verbindung da.“

Schule in den Sommerferien – scheint eine wirklich gute Idee zu sein.

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Erstellt:
10. September 2020, 06:00 Uhr

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