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Rückkehrer sollen wegen Coronavirus zu Hause bleiben

dpa/lsw Stuttgart. Das Virus breitet sich weiter aus, die Gegenmaßnahmen werden verschärft: Die Landesregierung ruft Rückkehrer aus Südtirol dazu auf, zu Hause zu bleiben - selbst wenn man sich gesund fühlt.

Ein Arzt hält ein Blatt Papier in der Hand. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Ein Arzt hält ein Blatt Papier in der Hand. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Das neuartige Coronavirus und seine Folgen greifen weiter um sich im Südwesten. Die Landesregierung ruft Reiserückkehrer aus Südtirol auf, zu Hause zu bleiben. Rund 700 Schüler eines Gymnasiums in Lahr (Ortenaukreis) müssen für zwei Wochen auf den Unterricht verzichten. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) fordert als Konjunkturhilfe von der Bundesregierung die Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Am Freitag endete die Quarantäne von 15 China-Rückkehrern in Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) - bei keinem konnte das Virus nachgewiesen werden. Die Anzahl der Infizierten stieg im Land bis zum Abend auf 116 Fälle.

SÜDTIROL-RÜCKKEHRER: Zu Hause bleiben soll jeder, der sich in den vergangenen 14 Tagen in Südtirol aufgehalten habe, teilte das Sozialministerium am Freitag mit. Es gehe darum, unabhängig von Symptomen unnötige Kontakte zu vermeiden. Laut Kultusministerium gilt der Hinweis auch für Schüler und Lehrer, Kindergartenkinder und Erzieherinnen. Reisende, die aus einem Risikogebiet wie Südtirol kommen und innerhalb von 14 Tagen nach der Rückkehr Symptome wie Fieber, Muskelschmerzen, Husten, Schnupfen oder Durchfall entwickeln, sollten umgehend telefonisch die Hausarztpraxis kontaktieren oder den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen.

ZWANGSFERIEN IN LAHR UND IM ELSASS: Rund 700 Schüler eines Gymnasiums in Lahr (Ortenaukreis) müssen für zwei Wochen auf den Unterricht verzichten, wie die Behörden in Offenburg mitteilten. Die Schüler der Klassenstufen elf und zwölf müssen in Quarantäne, weil eine Schülerin positiv auf das Virus getestet wurde. Das Mädchen hatte sich den Angaben zufolge bei einem Urlaub mit seinen Eltern in Südtirol infiziert. Es gehe ihr gut, teilten die Behörden mit. Im südlichen Elsass sollen ab diesem Samstag vorsorglich rund 100 Schulen geschlossen bleiben. In der Region war die Zahl bekannter Infektionen in kurzer Zeit von 10 auf 81 gestiegen.

BRANCHENFLAUTE: Das baden-württembergische Hotel- und Gaststättengewerbe leidet derweil unter den Folgen des Coronavirus. „Die Absagen zahlreicher Messen, Firmenveranstaltungen und Geschäftsreisen treffen die Tourismusbranche massiv“, sagte der Verbandslandeschef Fritz Engelhardt. Im Durchschnitt liege der von den Betrieben gemeldete Umsatzrückgang seit Ausbruch der Coronavirus-Krise bei knapp 30 Prozent. In Messestädten lägen die Rückgänge teils deutlich darüber. Der Verband hat nach eigenen Angaben eine Umfrage unter fast 1900 Betrieben im Südwesten durchgeführt.

SOLI-ABSCHAFFUNG: Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) fordert als Konjunkturhilfe von der Bundesregierung die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags für alle Steuerzahler und Unternehmen - rückwirkend zum 1. Januar 2020. „Wir brauchen jetzt dringend Maßnahmen, um unsere Wirtschaft wirksam zu stützen und das sich eintrübende Konsumklima zu stimulieren.“

QUARANTÄNE-ENDE: Unterdessen endete am Freitag die zweiwöchige Isolation von 15 China-Rückkehrern in Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen). „Wir sind sehr erleichtert, dass bei keinem der Rückkehrer das Coronavirus nachgewiesen werden konnte“, teilte die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Gerda Hasselfeldt, mit. Die fünf Kinder und zehn Erwachsenen waren im Februar aus der vom Virus besonders betroffenen chinesischen Provinz Hubei zurückgekehrt und auf dem Stuttgarter Flughafen gelandet.

130 DRK-Helfer organisierten die Quarantäne in dem Hoteltrakt. „Wir haben den Kindern Spielsachen gebracht“, sagte Einsatzleiter Jan Mahne. Das Essen wurde den Gästen vor die Tür in den Flur gestellt. Die Bewohner konnten auch einen abgesperrten Garten des Hotels nutzen. Die Erwachsenen hätten zum Teil vom Hotelzimmer aus gearbeitet. Zwischen den Familien gab es keinen persönlichen Kontakt - allerdings hätten sie sich eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet, um miteinander zu kommunizieren, sagte Mahne.

„Es war bewegend, als die Tür aufging und die Kinder rauskamen“, sagte die Inhaberin des Hotels, Melanie Kübler-Strobel. Zuvor habe sie den Gästen nur über das Fenster zuwinken können. Sie habe sich kurzfristig entschlossen, einen Nebentrakt ihres Gebäudes für die Rückkehrer bereitzustellen. Zwar hätten Anwohner per Telefon oder Mail teils mit Unverständnis auf ihre Entscheidung reagiert. Auch hätten ein paar Gäste ihre Buchungen für den Zeitraum der Quarantäne storniert. Sie würde ihr Haus aber erneut zur Verfügung stellen. „Denkt mal an die Leute. Das kann dir genauso passieren.“

HAMSTERKÄUFE: Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) warnte die Bevölkerung vor Hamsterkäufen - diese seien unnötig. „Ich rate wirklich zur Gelassenheit, dass wir auch keine Schieflagen bekommen“, sagte er. „Deutschland ist nicht dafür bekannt, schnell in eine Gütermängellage zu geraten. Die Gefahr droht nicht.“ Mit Blick auf in machen Geschäften ausverkaufte Klopapierbestände sagte Lucha: „Jetzt müssten doch alle zwei Doppelpack zu Hause haben“. Der Handel habe zugesichert, dass er die Regale wieder auffülle.

DRIVE-IN-TESTS: Der Kreis Esslingen richtet die zwei ersten Stationen für Coronavirus-Tests im Land ein, an denen Menschen aus ihrem Auto heraus eine Probe entnehmen lassen können. Die beiden Teststationen sind in Nürtingen und auf einem Parkplatz der Messe Stuttgart in Leinfelden-Echterdingen. Einwohner des Landkreises, die befürchten, am Virus erkrankt zu sein, können dort von Montag an einen Abstrich entnehmen lassen. Voraussetzung ist allerdings ein vorheriger Anruf beim Hausarzt - der vergibt einen Code. „Man bleibt dann einfach im Auto sitzen und kurbelt das Fenster runter“, sagte der Leiter des Landratsamts, Peter Keck.

DESINFEKTIONSMITTEL: Fußball-Zweitligist VfB Stuttgart ergreift vor dem Topspiel gegen Bielefeld besondere Vorsichtsmaßnahmen. Besucher dürfen am Montagabend Handdesinfektionsmittel mit einer Größe von bis zu 100 Millilitern mit ins Stadion nehmen. Als Folge der neuen Regelungen könnten sich längere Einlasskontrollen ergeben. Zudem hat auch der VfB seinen Profis von Selfies, Abklatschen mit den Fans und Autogrammen abgeraten. Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg begrüßt außerdem, dass Apotheken dank einer Ausnahmeregelung selbst Handdesinfektionsmittel herstellen dürfen. Bei Fertig-Desinfektionsmitteln gibt es Lieferschwierigkeiten.

Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen, l), Gesundheitsminister von Baden-Württemberg, gestikuliert. Foto: Marijan Murat/dpa

Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen, l), Gesundheitsminister von Baden-Württemberg, gestikuliert. Foto: Marijan Murat/dpa

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Erstellt:
6. März 2020, 15:39 Uhr

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