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Schulklassen bleiben unter sich

Erstmals seit Mitte März werden am kommenden Montag wieder alle Schüler in Baden-Württemberg in die Schule gehen. Ein ganz normaler Schulstart wird es trotzdem nicht sein: Corona fordert weiterhin Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen.

Bevor der Unterricht beginnt, desinfizieren Rektorin Karin Moll (vorne) und ihre Kolleginnen an der Backnanger Mörikeschule erst einmal die Hände. Beim Schulstart am Montag müssen Lehrer und Schüler zahlreiche Hygieneregeln beachten. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Bevor der Unterricht beginnt, desinfizieren Rektorin Karin Moll (vorne) und ihre Kolleginnen an der Backnanger Mörikeschule erst einmal die Hände. Beim Schulstart am Montag müssen Lehrer und Schüler zahlreiche Hygieneregeln beachten. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahrs überwiegt bei Thomas Maier die Vorfreude: „Ich bin froh, dass es wieder losgeht und wir unter möglichst normalen Bedingungen starten können“, sagt der Rektor der Backnanger Schickhardt-Realschule. Am 17. März waren alle Schulen in Baden-Württemberg wegen der Coronapandemie geschlossen worden, ab 4. Mai bis zu den Sommerferien war dann immer nur ein Teil der Schüler zeitgleich in der Schule, am Montag dürfen nun wieder alle kommen.

Das heißt allerdings nicht, dass der Schulalltag dann wieder genauso sein wird wie vor Corona. Nach wie vor müssen Schüler und Lehrer jede Menge Regeln beachten, die eine Ausbreitung des Virus verhindern sollen. „Die Vorbereitungen für das Schuljahr waren wesentlich aufwendiger als sonst“, berichtet Heinz Harter, Rektor an der MaxEyth-Realschule und geschäftsführender Schulleiter der Backnanger Schulen.

Das beginnt damit, dass alle Eltern vor dem Schulstart eine Erklärung unterschreiben müssen, dass ihre Kinder keine Krankheitssymptome haben, in den letzten 14 Tagen nicht in Kontakt mit einer infizierten Person standen oder in einem Risikogebiet waren. Auch die bereits vor den Ferien erprobten Regeln wie regelmäßiges Händewaschen, Hust- und Niesetikette oder die „Einbahnstraßen“ auf den Schulfluren gelten weiterhin. Regelmäßiges Lüften – mindestens alle 45 Minuten – ist ebenfalls Pflicht. Was bei den spätsommerlichen Temperaturen zurzeit noch recht unproblematisch ist, könnte im Winter noch zu Konflikten führen: „Dann müssen die Schüler eben eine Jacke mitbringen“, sagt Harter.

Maskenpflicht gilt überall außer im Klassenzimmer.

Neu ist eine generelle Maskenpflicht im gesamten Schulhaus für alle Schüler ab Klasse 5. Erst wenn sie im Klassenzimmer an ihrem eigenen Platz sitzen, dürfen die Kinder den Mundschutz abnehmen. Die Einhaltung der Maskenpflicht werde von den Lehrern kontrolliert, sagt Heinz Harter, allerdings könnten diese ihre Augen auch nicht überall haben. Deshalb appelliert der Rektor an das Verantwortungsbewusstsein der Kinder: „Wir brauchen Rücksicht und Solidarität in der Schülerschaft.“ Kompliziert ist das vor allem an Schulen, wo Primar- und Sekundarstufe im selben Gebäude unterrichtet werden, wie etwa an der Mörike-Gemeinschaftsschule. Während die Gemeinschaftsschüler eine Maske tragen müssen, gilt diese Pflicht für Grundschüler nicht. Im Zuge der Gleichbehandlung bittet Rektorin Karin Moll jedoch auch die jüngeren Schüler, einen Mundschutz aufzusetzen.

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Die Abstandsregeln innerhalb der Klassen sind hingegen Geschichte – sie ließen sich bei voller Klassenstärke auch gar nicht mehr umsetzen. Dafür gilt der neue Grundsatz, dass sich die unterschiedlichen Jahrgangsstufen nicht vermischen sollen. Dadurch soll die Zahl der Kontaktpersonen reduziert werden. Bei einer Coronainfektion müsste dann auch nicht gleich die gesamte Schule, sondern nur die jeweilige Klasse in Quarantäne geschickt werden. In der Praxis bedeutet diese Vorgabe allerdings eine große Herausforderung, denn üblicherweise gibt es jede Menge Gelegenheiten, bei denen Schüler verschiedener Klassenstufen aufeinandertreffen: vor und nach dem Unterricht, in den Pausen, in der Mensa oder in Arbeitsgemeinschaften.

Für all diese Fälle haben die Schulen Konzepte entwickelt. Um das morgendliche Gedränge zu vermeiden, wurde etwa an der Mörikeschule jeder Klasse einer der vier Eingänge zugeteilt, über den die Schüler das Gebäude betreten und wieder verlassen müssen. An der Max-Eyth-Realschule versammeln sich die Klassen morgens auf dem Schulhof und gehen dann gemeinsam mit ihrem Lehrer ins Schulhaus. Ein versetzter Unterrichtsbeginn, wie er vor den Sommerferien noch an einigen Schulen praktiziert wurde, sei aber nicht mehr umsetzbar, erklärt Heinz Harter. Das liege am Busfahrplan, der nun mal auf die regulären Anfangszeiten ausgerichtet sei. Vielen Schülern sei es deshalb gar nicht möglich, zum Beispiel zehn Minuten früher oder später in die Schule zu kommen.

Die Schülerbeförderung in den Bussen ist aus Sicht der Rektoren ohnehin problematisch: Denn was bringt es, die Klassen tagsüber voneinander zu trennen, wenn anschließend alle zusammen in einen überfüllten Bus steigen? „Es wäre deshalb unser großer Wunsch, dass mehr Busse eingesetzt werden“, sagt Thomas Maier von der Schickhardt-Realschule.

Klassenübergreifende AGs sind vorerst nicht möglich.

Auch in den Pausen gelten klare Regeln: Am Gymnasium in der Taus darf in den zwei großen Pausen nur jeweils die Hälfte der Schüler auf den Hof: in der ersten Pause die Jüngeren bis Klasse 8, in der zweiten dann die Großen. Zusätzlich hat Rektor Udo Weisshaar den Pausenhof in vier Abschnitte aufgeteilt, jede Klassenstufe hat dadurch ihren eigenen Bereich. An der Max-Eyth-Realschule gibt es sogar sechs Pausenbereiche, die jeweils noch einmal in Teilflächen für die einzelnen Klassen unterteilt sind.

Auch beim Mittagessen ist strikte Trennung angesagt: So wird es in den Mensen separate Tische für die verschiedenen Klassenstufen geben. Bei Kantinen, die von mehreren Schulen genutzt werden, wird zudem ein Schichtmodell eingeführt. So dürfen etwa in der Mensa „Schicke Möhre“ zuerst die Schickhardt-Realschüler essen. Wenn sie fertig sind, wird alles desinfiziert, und erst dann sind die Mörikeschüler an der Reihe. Vorerst gestrichen sind alle klassenübergreifenden Angebote: Das betrifft etwa die Theater-AG, den Schulchor oder das Unterstufenorchester. „Auch unser Musical und das tägliche Frühstück können wir leider nicht machen“, bedauert Karin Moll von der Mörikeschule. Sie und ihre Kolleginnen überlegen nun, wie sie stattdessen klassenbezogene Angebote machen können, denn die AGs sind an der Gemeinschaftsschule fester Bestandteil des Ganztagsprogramms. Auch am Gymnasium in der Taus will man das Kürprogramm nicht komplett streichen. Stattdessen plane man nun ein rollierendes System, bei dem bestimmte Arbeitsgemeinschaften jede Woche nur den Schülern einer Klassenstufe offenstehen, erklärt Rektor Weisshaar.

Trotz aller Kompromisse und Einschränkungen freuen sich die Rektoren, dass nun alle Kinder an die Schulen zurückkehren. „Es ist wichtig, dass die Schule wieder im Normalbetrieb läuft“, findet Heinz Harter. Auch Udo Weisshaar ist froh über „jede Form von Normalität“. Bei Karin Moll mischt sich in die Vorfreude aber auch Sorge: „Natürlich freue ich mich, wenn hier wieder Betrieb ist, aber ich habe auch großen Respekt vor dem, was noch auf uns zukommt.“ Denn eines hat die Coronakrise gelehrt: Was heute gilt, kann morgen schon wieder ganz anders aussehen.

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Erstellt:
12. September 2020, 06:00 Uhr

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