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Vier Jahre Haft nach Baseballschläger-Angriff auf Schwester

dpa/lsw Stuttgart. An einer Haltestelle nähert sich ein Mann seiner Schwester. Er holt mit dem Baseballschläger aus und schlägt zu. Der Grund: Sie hatte sich nach dem Eindruck der Familie für den falschen Mann entschieden. Für die Stuttgarter Richter war die Attacke ein versuchter Mord.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David Ebener/dpa/Symbolbild

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David Ebener/dpa/Symbolbild

Nach einem Angriff mit einem Baseballschläger auf seine Schwester ist ein junger Mann in Stuttgart zu vier Jahren Jugendstrafe verurteilt worden - wegen versuchten Mordes. Das Landgericht sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der 19-Jährige seine Schwester aus Wut über ihre Liebe zu einem Fremden verprügelt und schwer verletzt hatte.

Der Deutsche mit afghanischen Wurzeln soll seine Schwester im Juli 2019 an einer Stadtbahn-Haltestelle gezielt auf den Kopf geschlagen haben. Die damals 20 Jahre alte Frau hatte sich zuvor geweigert, mit dem von der Familie ausgesuchten Mann - einem entfernten Vetter aus den USA - zusammenzuleben, und sich für einen anderen Mann entschieden.

„Wir wissen nicht, ob die Familie das gewollt hat, oder ob er dachte, er muss das tun“, sagte die Richterin über den Angeklagten. In seinem Freundeskreis sei der 19-Jährige für die selbstbestimmten Entscheidungen der Schwester verspottet worden. Auf dem Angeklagten habe wegen des Streits um den Freund der Frau ein hoher familiärer Druck gelastet. Dazugekommen sei ein mangelndes Selbstvertrauen und ein schwaches Ego - so die Einschätzung des Staatsanwalts.

Die Richterin bewertete den Angriff auf die Schwester zwar als heimtückisch, sie aber stellte keine besondere Schwere der Schuld fest, wie es die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Damit wäre eine vorzeitige Haftentlassung so gut wie ausgeschlossen gewesen. Die Verteidigung hatte kein Strafmaß gefordert, den Vorwurf der besonderen Schwere der Schuld aber zurückgewiesen.

In das Strafmaß eingerechnet wurde ein blutiger Messerangriff des 19-Jährigen auf einen Mann sechs Monate vor dem Angriff auf die Schwester. Damals soll er dem Opfer zweimal in den Oberschenkel gestochen haben.

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Erstellt:
26. März 2020, 13:03 Uhr

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