Schwierige Suche nach der besten Lösung

Die Diskussion um die Gestaltung des Baugebiets Brühl VI in Burgstetten war zuletzt von rauen Tönen geprägt. In einer Bürgerbeteiligung sollen die Anlieger nun ihre Ideen einbringen können.

Wo der Weg in Richtung Söllbach von der Kreisstraße abgeht (rechts), wünschen sich viele Anlieger einen Kreisverkehr. An dieser Stelle – so ihre Meinung – könne auch das Baugebiet Brühl VI angebunden werden. Foto: W. Kuhnle

© Werner Kuhnle

Wo der Weg in Richtung Söllbach von der Kreisstraße abgeht (rechts), wünschen sich viele Anlieger einen Kreisverkehr. An dieser Stelle – so ihre Meinung – könne auch das Baugebiet Brühl VI angebunden werden. Foto: W. Kuhnle

Von Lorena Greppo

BURGSTETTEN. Das Neubaugebiet Brühl VI in Burgstetten ist ein heißes Eisen, das hat sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung eindrücklich gezeigt (wir berichteten). 177 Einwohner haben einen Antrag diesbezüglich unterschrieben, in dem sie ihre Ideen zur Verkehrsanbindung des Neubaugebiets, zur Lärmminderung und zur Entschärfung von Gefahrenstellen vorstellen. Diesen haben sie im März vergangenen Jahres der Verwaltung übergeben. Seitdem sei diesbezüglich wenig passiert, ganz allgemein fühlen sich die Anwohner nicht ausreichend beteiligt. Die Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz hält dagegen: Bisher sei lediglich der Planungsentwurf ausgewählt und das entsprechende Planungsbüro mit der Weiterentwicklung dessen beauftragt. Weitere Beschlüsse stehen noch aus. Um die Wogen zu glätten, hat Wiedersatz die Wortführer des Einwohnerantrags gestern Abend zum Gespräch eingeladen. Doch: Worüber genau wird eigentlich diskutiert?

Wollen die Anlieger des Neubaugebiets dessen Umsetzung verhindern?

Die Wortführer antworten mit einem klaren Nein. „Wir sind nicht gegen das Baugebiet“, macht Klaus Jenne, einer der Anwohner, klar. Allen sei klar, dass Wohnraum auch in Burgstetten benötigt werde, und man wolle auch niemandem sein Einfamilienhaus verwehren.

Worum geht es ihnen?

Die Anwohner am Ortsausgang Erbstettens in Richtung Burgstall sehen sich massiv durch Verkehrslärm von der Burgstaller Straße gestört. Selbst angestellte Messungen hätten erschreckende Lärmpegel ergeben, sagen sie. Sie sehen die Verwaltung in der Pflicht, hier tätig zu werden. Dadurch, dass im Zuge der Erschließung des Neubaugebiets Arbeiten anstehen, sehen sie dies als den geeigneten Zeitpunkt, das Lärmproblem mit anzugehen. Wenn auf Höhe des Söllbachrains auf der Kreisstraße nach Burgstall ein Kreisverkehr gebaut würde, hätte dies gleich mehrere Vorteile, so die Anwohner. Zum einen mindere dies den Lärm, da die Fahrzeuge am Ortsausgang nicht mehr so sehr beschleunigten. Zudem könne an dieser Stelle auch die Anbindung an das Neubaugebiet geschehen – anstatt etwa über die Straßen „Im Brühl“ und „Weirachstraße“. So führe weniger Verkehr durch die bestehenden Wohngebiete, die Wege würden somit für Fußgänger und Radfahrer sicherer. Schließlich befindet sich in der Nähe unter anderem ein Kindergarten. „Für uns ist das der Königsweg“, sagt Heinz Brenner. Auch werde die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer so noch erhöht, denn an der Stelle des gewünschten Kreisverkehrs führt ein Weg entlang, den Besucher des Freibads, des BMX-Platzes oder der Tennisanlage oft nehmen. Die Anwohner betonen zudem, dass sie die neuen Nachbarn im Neubaugebiet keinesfalls ausschließen wollen. Auch sie seien schließlich vom Lärm durch die Kreisstraße betroffen, ein Kreisverkehr sei also auch in ihrem Sinne – zumal von dort aus auch wichtige Orte wie der Bahnhof in Burgstall, das Rathaus oder der Rewe-Supermarkt schneller erreichbar seien. Und nicht zuletzt ist diese Lösung ihrer Ansicht nach auch ökologisch sinnvoll, weil weitgehend die ehemalige Zufahrt zur Deponie – also eine bestehende, für Schwerlast ausgelegte Fahrbahn – genutzt werden kann.

Wie stehen Verwaltung und Gemeinderat dazu?

„Es ist gut und auch gesetzlich so vorgesehen, dass sich Einwohner zu bestimmten Themen an den Gemeinderat wenden können“, äußert sich die Bürgermeisterin in einem Schreiben an die Unterzeichner des Einwohnerantrags. Die Aufarbeitung dessen teile sich in zwei Themenkomplexe. Der Einwohnerantrag umfasse viele verschiedene Anliegen, deren Gemeinsamkeit das Themengebiet Verkehr ist. Hier sei auch die Gemeinde darauf aus, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu verbessern und Lärm zu vermeiden. Deswegen hatte sich Burgstetten auch als Modellkommune des Kompetenznetzes „Klima Mobil“ beworben. Allerdings, hebt die Bürgermeisterin hervor, beziehe sich das Konzept im Rahmen von „Klima Mobil“ vor allem auf den Durchgangsverkehr und sieht eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 in allen Ortsteilen vor. Auch werde darüber die Erstellung eines Lärmaktionsplans finanziert. Dieser sei bisher nicht möglich gewesen, weil das Verkehrsaufkommen zu gering war (weniger als 8200 Fahrzeuge pro Tag). „Mir wäre es auch recht, wenn die paar Hundert Meter nach dem Ortsausgang Erbstetten Tempo 70 wäre“, sagt Wiedersatz. Das habe sie beantragt und frage regelmäßig nach. Bisher habe sie aber immer Absagen bekommen.

Der zweite Themenschwerpunkt liegt bei der Anbindung des Neubaugebiets Brühl VI. Hier haben sich weder Verwaltung noch Gemeinderat bislang öffentlich positioniert. Das habe auch einen Grund, erklärt die Bürgermeisterin: So weit sei man in der Planung noch gar nicht. Nachdem zwei Planungsbüros jeweils einen städtebaulichen Entwurf präsentierten, hat sich der Gemeinderat für die Variante des Büros Hähnig und Gemmeke entschieden und dieses mit der Weiterentwicklung beauftragt. Der Kreisverkehr oder auch eine anders gestaltete Anbindung über den Söllbachrain seien deshalb noch nicht vom Tisch, betont die Bürgermeisterin.

Wie und wann wird darüber entschieden?

Als Basis für die geplante Bürgerbeteiligung dient der Entwurf des Büros Hähnig und Gemmeke, welchen die Verantwortlichen dort vorstellen. „Obwohl beide Büros über den Einwohnerantrag informiert waren, hat keiner der Entwürfe eine externe Anbindung vorgesehen“, erklärt Wiedersatz. Die Gründe dafür sollen präsentiert und mit den Bürgern diskutiert werden – ergebnisoffen, wie sie betont. Die Bürgerbeteiligung sei grundsätzlich in dieser Phase der Planung vorgesehen. Das sei auch bislang immer so gehandhabt worden. „Man muss auch warten können“, sagt die Bürgermeisterin. Durch Beschränkungen im Rahmen der Coronapandemie und zeitweise geltende Ausgangssperren seien die Rahmenbedingungen für die Organisation einer solchen Veranstaltung zudem erschwert gewesen. Bei dieser Veranstaltung wollen Verwaltung und Gemeinderat sich anhören, wie die Bürger das Vorhaben sehen – nicht nur die Unterzeichner des Einwohnerantrags seien hier zu beteiligen. „Die Anbindung ist ein Thema, es gibt aber bestimmt auch noch andere Sorgen und Wünsche“, weiß Wiedersatz. Vor allem die künftigen Bewohner sollten sich auch äußern dürfen. „Insbesondere suchen wir nach einer guten Lösung für den Baustellenverkehr während der Erschließungs- und Bauphase, damit die Wohngebiete nicht beeinträchtigt werden“, so Wiedersatz. Sie rate aber davon ab, alles in Schwarz und Weiß zu sehen. Meistens müssten an der einen oder anderen Stelle Kompromisse eingegangen werden, um eine gute Lösung für ein gutes Miteinander zu finden, betont die Bürgermeisterin.

Die Gemeindeverwaltung plant für den Freitag, 16. April, eine Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung bezüglich des Neubau- gebiets Brühl VI. Diese soll um 19 Uhr in der Halle in Burgstall stattfinden, es solle aber zugleich auch möglich sein, sich online zuzuschalten. Die Bürgerschaft wird über das Mitteilungsblatt informiert.

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Erstellt:
1. April 2021, 06:00 Uhr

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