Segenspost löst die Sternsinger ab

Aufgrund der Pandemie gibt es in diesem Jahr keine Hausbesuche der Heiligen Drei Könige. Trotzdem fällt die Sternsingeraktion nicht völlig ins Wasser. Die Gläubigen erhalten Aufkleber mit dem Segensspruch und Spendentütchen in ihren Briefkasten verteilt.

Viviane Gayer, Medina Lang und Filomena Gayer (von links) vom Sternsinger-Team Erbstetten werfen derzeit die Segenspost in die Briefkästen all jener, von denen sie wissen, dass sie sich über einen Besuch der Heiligen Drei Könige freuen würden. Fotos: Kathrin Lang

Viviane Gayer, Medina Lang und Filomena Gayer (von links) vom Sternsinger-Team Erbstetten werfen derzeit die Segenspost in die Briefkästen all jener, von denen sie wissen, dass sie sich über einen Besuch der Heiligen Drei Könige freuen würden. Fotos: Kathrin Lang

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Es ist eine der ältesten Traditionen – die Sternsinger ziehen Jahr für Jahr rund um den Feiertag Heilige Drei Könige von Haus zu Haus und bringen den Gläubigen den Segen. Dazu schreiben sie mit Kreide die Buchstaben C+M+B über die Eingangstüren oder bringen einen Aufkleber mit derselben Segensformel an. Die Buchstaben stehen für die lateinischen Worte Christus Mansionem Benedicat – Christus segne dieses Haus.

In diesem Jahr ist jedoch alles anders. Aufgrund der Coronapandemie dürfen die Sternsinger nicht von Haus zu Haus ziehen und die Bewohner unter offener Tür mit ihren Liedern erfreuen, dies würde dem Sinne der Verordnung zum Schutz vor der Ausbreitung des Virus völlig widersprechen. Die Sternsinger halten sich an dieses Verbot, wenn auch schweren Herzens. Gleichzeitig fällt die Sternsingeraktion nicht völlig ins Wasser. Alle Akteure haben nach Wegen gesucht, wie sie trotz der Pandemie den Segen zu den Menschen bringen können. Die Lösung ist: Die Gläubigen erhalten eine Segenspost in ihren Briefkasten.

Die Backnanger Gemeindereferentin Carmen Walter beschreibt, was alles in der Segenspost enthalten ist. Das sichtbarste Zeichen ist ein geweihter Segensaufkleber, den die Menschen selbst über der Tür anbringen können. Auch ein Sammeltütchen für Spenden, das im Pfarrbüro abgegeben werden kann, oder ein Überweisungsträger sind beigelegt. Mit dem Erlös der Aktion 2021 wird die Erholung für bedürftige und traumatisierte Kinder in der Ukraine finanziert.

Pastoralreferentin Martina Fuchs von der Seelsorgeeinheit Oberes Murrtal, zu der die Kirchengemeinden St. Maria Murrhardt und St. Paulus Sulzbach an der Murr gehören, hat sich ebenfalls mit dem Team der Ehrenamtlichen kurzgeschlossen, die gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen die Aktion umsetzen. Schweren Herzens kamen sie zu dem Ergebnis, sie in der aktuellen Situation besser abzusagen. Allerdings nicht ohne ein Alternativangebot.

Einige Gruppen überlegen, die Aktion im Frühjahr nachzuholen.

Die Idee: Einen Brief aufzusetzen, der Anregungen für eine eigene kleine Feier wie einen Liedvorschlag, einen Bibeltext und Schlussgebet sowie einen Segensaufkleber enthält. Um nun die Sternsinger auch noch sichtbar zu machen, haben beziehungsweise werden die Kinder und Jugendlichen die Briefe mit einem ganz persönlichen Gruß und ihrem Namen an die Menschen versehen, die sie unter normalen Umständen besucht hätten. „Ich hab ihnen gesagt, das ist dieses Mal eure Art, Sternsinger zu sein“, erzählt Martina Fuchs. Neben denjenigen, die bereits in den Vorjahren besucht wurden oder sich für die diesjährige Aktion gemeldet haben, sind auch alle Gemeindemitglieder bedacht, die über 85 Jahre alt sind. So können die Ehrenamtlichen auch die Hochbetagten miteinschließen, für die die Bedingungen in der Pandemie noch mal schwerer sein können. Viele der insgesamt rund 350 Briefe sind bereits fertiggestellt.

Auch in der Seelsorgeeinheit Oppenweiler-Kirchberg werden die Sternsinger und ihre Begleiter dieses Jahr zu Briefträgern. Die Verantwortlichen der Sternsingeraktion haben auch hier kleine Päckchen gepackt: mit dem beschriebenen Infomaterial zur Hilfsaktion und einem persönlichen Anschreiben: „Leider können wir Sie dieses Jahr nicht persönlich besuchen, so gerne wir das getan hätten. Die Pläne mit Hygienekonzept und vielem anderem lagen fertig in der Schublade, aber der Lockdown lässt es nicht zu, dass wir zu Hausbesuchen kommen.“ Auch ein Segensaufkleber wird mitgeliefert – diesmal eben zum Selbstankleben. Diese Päckchen werfen Einzelpersonen oder Kleingruppen in den kommenden Tagen in die Briefkästen. Zumeist werden Häuser angelaufen, die in den Vorjahren schon besucht worden sind. Die Aktion wegen Corona ausfallen zu lassen, kam laut Diakon Werner Trefz nicht infrage. In dem persönlichen Anschreiben heißt es: „Uns Kindern ist wichtig, dass wir trotz der Pandemie den Segen zu Ihnen in die Häuser bringen und dass wir auch in diesem Jahr Geld sammeln für Kinder, denen es nicht so gut geht wie uns. Denn das Virus stoppt zwar das öffentliche Leben, aber nicht die Not – im Gegenteil.“

In Aspach und Erbstetten ist zudem geplant, die Aktion eventuell in ein paar Monaten oder im Frühsommer nachzuholen, wenn die Situation es zulässt. So sagt Werner Trefz: „Bei manchen älteren Menschen sind die Sternsinger oft der einzige Kinderbesuch im ganzen Jahr.“ Und auch Kathrin Lang aus Erbstetten überlegt, im Frühling oder Sommer von Haus zu Haus zu ziehen, „wenn es wieder möglich ist“. Lang kündigt ferner an, noch ein kleines Video für die Homepage der Kirchengemeinde zu drehen.

Viele Infos, Impulse und Anregungen gibt’s auch auf der Homepage www.sternsinger.de des Kindermissionswerks.

Teil der Segenspost in Erbstetten: Ein Flyer der aktuellen Sternsingeraktion, ein Segensaufkleber für die Tür, ein Überweisungsträger für Spenden und ein Blatt mit Gedanken zur Sternsingeraktion.

Teil der Segenspost in Erbstetten: Ein Flyer der aktuellen Sternsingeraktion, ein Segensaufkleber für die Tür, ein Überweisungsträger für Spenden und ein Blatt mit Gedanken zur Sternsingeraktion.

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Erstellt:
4. Januar 2021, 06:00 Uhr

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