Seine Wut ist heilsam

Gernot Hassknecht begeistert das Publikum in der Gruschtelkammer Auenwald

In Kooperation mit dem ZDF, in dessen heute-show Gernot Hassknecht regelmäßig zu sehen und mit seinem Brüllorgan zu hören ist, präsentierte die Gruschtelkammer ein erstklassiges Programm. „Wie ein Berserker“ hatte Charley Graf seit Jahren um den prominenten Gast gekämpft.

„Jetzt wird’s persönlich“: Dieses Programm präsentiert Gernot Hassknecht auf Einladung der Gruschtelkammer in der Sängerhalle in Oberbrüden. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

„Jetzt wird’s persönlich“: Dieses Programm präsentiert Gernot Hassknecht auf Einladung der Gruschtelkammer in der Sängerhalle in Oberbrüden. Foto: A. Becher

Von Carmen Warstat

AUENWALD.Der kleine Mann mit der kräftigen Stimme heißt eigentlich Hans-Joachim Heist und ist fast 70 Jahre alt. Sein Künstlername Hassknecht scheint Programm und eine Antwort auf den modernen Wutbürger zu sein. Dass der noch nicht so lange öffentlich präsent ist wie der wütende Kommentator, spricht für den Künstler, der unglaubliche Energie und beißenden Spott über alles Verlogene und Demokratiefeindliche auf die Bühne bringt. Hassknecht brüllt seine Verteidigung der Demokratie in eindeutiger Sprache in den Saal hinein, und das ist gut, weil sicher wirksamer als jede intellektuelle Analyse. Ganz viel „Arschlecken!“ und „Scheiße!“, „Arschloch!“ und „auf den Sack“ ist zu vernehmen, jeweils nachdem der Künstler verwerfliche Entwicklungen, scheinheilige Politiker und fragwürdige Trends in ihre Teile zerlegt hatte. Ja, er ist wütend! So kennt man ihn aus dem Fernsehen, so liebt man ihn, denn er verbindet Intelligenz und Herz, er bringt uns zum Lachen, seine Wut ist heilsam, sein Witz ansteckend.

Zitate von Höcke oder Hitler:

Die Zuordnung fällt

dem Publikum gar nicht so leicht

Endlich schreit es mal einer heraus, möchte man sagen und ja, brüllen können auch wir! Der Titel des Programms: „Jetzt wird’s persönlich“. Und in der Tat, nachdem Hassknecht das Publikum begrüßt hat („Guten Abend! Schön, dass ich da bin!“) nimmt er sich namentlich eine Handvoll Politiker vor, unaufrichtige Fratzen, denen es nur um die eigene Macht gehe, und stellt dagegen jene „Scheißarbeit, die keinen Spaß bringt – wie Staubsaugen oder Sex, aber die regelmäßig gemacht werden muss“, das wirkliche „Ackern“ für die Demokratie. „Was heute wieder salonfähig ist“, verdeutlicht der Künstler mit einem Quiz „Höcke oder Hitler“. Das Publikum muss Zitate zuordnen – es ist nicht so einfach – und Höcke überführt. Höcke, der eigentlich Björn heißt und konsequent Bernd genannt wird, umso genüsslicher, seit er sich beim ZDF darüber beschwert hat.

Und Hassknecht? „Wir werden ihn so lange Bernd nennen, bis er selber glaubt, er heißt so.“ Gernot Hassknecht genießt es und zeigt einen bitter-witzigen Fernsehwerbespot für das Grundgesetz und die Erklärung der Menschenrechte, der, ohne die Partei beim Namen zu nennen, die AfD-Mentalität verhöhnt und beim Publikum vorzüglich ankommt. Den Medien gibt der Kabarettist eine Mitschuld am Erstarken der Rechten, und zwar insofern, als sie ihnen in fast jeder politischen Talkshow (und diesen Ausdruck hasst Hassknecht!) eine Plattform böten. Scheinkluge Begriffe wie das „postfaktische Zeitalter“ zerreißt Hassknecht ebenso in der Luft wie „beunruhigende Trends“. Als da wären: Allzu mitteilsame Präsidentengattinnen, Online-Dating oder die Sparpolitik der Krankenkassen, Tattoos, denn „jenseits der 60 sieht ‚Carpe Diem‘ auf den Möpsen scheiße aus“, die armen Landärzte, die „ihre Golfbälle zweimal verwenden“ müssen, der „Verdummungsauftrag“ der Privatsender, Thermomix und Ernährungsmoden, das allgegenwärtige Rauchverbot und vieles andere. Der durch und durch politische Künstler schlägt immer wieder die Brücke zum schlichten Lebensalltag und wird dadurch umso ulkiger, glaubwürdiger auch. Gesundheitsminister Jens Spahn lässt er „mit unfreundlichen Grüßen“ abtreten, auch Donald Trump bekommt einen Brief, „der länger ist als 280 Zeichen“, denn: Hassknecht „liebt es, wenn Politiker zurücktreten, besonders, wenn sie gar nicht wollen“. Beispiele nennt er einige und frohlockt.

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Erstellt:
16. November 2018, 06:00 Uhr

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