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Seit 50 Jahren der grüne Daumen Sulzbachs

Große Jubiläumsveranstaltung des Obst- und Gartenbauvereins in der Festhalle – Mitglieder haben weiterhin großes Interesse an den natürlichen Zusammenhängen

Der Obst- und Gartenbauverein Sulzbach an der Murr ist seit 50 Jahren „der grüne Daumen Sulzbachs“. Unter diesem Motto lädt der rührige Verein die interessierte Öffentlichkeit zur Jubiläumsveranstaltung am Sonntag, 27. Oktober, in die Sulzbacher Festhalle ein.

Uschi und Gerhard Wieland stellen mit Arthur Hubich (rechts) die Schautafeln zur Chronik zusammen. Mitglieder haben dafür Fotos zur Verfügung gestellt, in den Archiven von Zeitung und Gemeinde wurde nach Texten gestöbert. Foto: U. Gruber

Uschi und Gerhard Wieland stellen mit Arthur Hubich (rechts) die Schautafeln zur Chronik zusammen. Mitglieder haben dafür Fotos zur Verfügung gestellt, in den Archiven von Zeitung und Gemeinde wurde nach Texten gestöbert. Foto: U. Gruber

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR. An einer Bildergalerie aus 50 Jahren OGV werden Fotos und Zeitungsausschnitte gezeigt. Da sieht man blumenbindende Frauen, reisende Mitglieder unter einem riesigen Weinfass, zwei Kämpen an der Handsäge, ein Baum wird gepflanzt und Prügelholz gesammelt, Jubilare mit Blumensträußen und Weinflaschen, vor einem Reisebus wird Gymnastik gemacht und auf einem alten Schwarz-Weiß-Bild zieht der junge Hermann Scheub einen geschmückten Leiterwagen. Er ist nunmehr seit 31 Jahren Vorsitzender des Vereins – der dritte erst in der 50-jährigen Vereinsgeschichte – und zusammen mit anderen langjährigen Mitgliedern des 18-köpfigen Vorstands ein Garant für die Kontinuität. Was wohlgemerkt nicht gleichbedeutend ist mit Stillstand. Im Gegenteil: „Man muss den Leuten immer wieder etwas Neues bieten“, hat der 65-Jährige festgestellt. Neben den klassischen fachlichen Vorträgen, Lehrfahrten, Schnittkursen passt man sich an die sich wandelnden Bedingungen an. Denn längst hat nicht mehr jeder Gartenfreund tatsächlich einen Obst- und Gemüsegarten, wie dies zu Beginn selbstverständlich und Beitrittsvoraussetzung war. „Heute haben manche gerade mal einen Balkonkasten“, erklärt lachend Petra Föll, die nicht nur im Vorstand aktiv ist. Vielleicht haben gerade diese ein Bedürfnis nach Naturnähe.

So konnte man neben Jahresversammlung, Festen und Ausflug zur Anschauung auf Gemeindegrund einen Lehrgarten mit verschiedenerlei Obstbäumen anlegen. Hier wird neben winterlichem Schnitt auch mal Schülern gezeigt, wie man sachgerecht einen Baum pflanzt. Auch öffentliche Rabatten wurden schon gemeinsam bepflanzt. Man trifft sich zur Herstellung herbstlichen und weihnachtlichen Blumenschmucks, was vor allem von Frauen geschätzt wird. Wie überhaupt in diesem von Haus aus klassisch weiblichen Ressort des Gartenbaus von Anfang an Frauen kräftig mitgemischt haben: 14 der 34 Gründungsmitglieder waren Frauen. Bei der konstituierenden Versammlung am 27. Januar 1969 im Gasthaus Löwen hielt der Kreis-Landwirtschafts-Inspektor Albertshauser denn auch einen Vortrag zum Thema „Die Kunst, Balkone und Fenster mit Blumen zu schmücken“. Damals wurde Gottlob Weidner zum Kassier gewählt, Gottlob Kummer zum Vorsitzenden. Dieses Amt übernahm im Folgejahr Friedrich Hübner für 18 Jahre. Dessen Gattin Dora stand ihm nicht nur privat, sondern auch als Vereinsschriftführerin zur Seite, insgesamt hatte sie dieses Amt 23 Jahre lang inne. Kassenwarte waren über die Jahre Rudolf Weller, Manfred Paulus und seit 2007 Andrea Behr. Die Schriftführung nach Doris Hübner übernahm Werner Kuhnle, seit 2010 teilen sich dieses Amt Ingrid Scheub und Uschi Wieland.

Wichtige Veranstaltungen für Zusammenhalt und auch Außenwirkung sind die thematischen Feste, die der OGV im Jahresverlauf auf die Beine stellt: das Erdbeerfest im Frühsommer, das Gartenfest im Sommer und das Mostfest im Frühherbst. Letzteres war aus einem Angebot für Schüler entstanden: Mit der traditionellen Lohnsaftpresse der Familie Reber, direkt an der Hauptstraße, sollte Jugendlichen gezeigt werden, wie aus Fallobst Saft entsteht. Tatsächlich interessierte dies weit mehr Menschen und so wurde die Veranstaltung zu einem festen Bestandteil des Vereinsprogramms mit 80 ausgestellten Apfelsorten und 40 handgemachten Apfelkuchen – vorausgesetzt es gibt überhaupt eine Obsternte, denn dies ist in den hiesigen Streuobstwiesen nur jedes zweite Jahr der Fall.

Auch Menschen mit Balkonkasten haben ein Interesse am Verständnis für natürliche Zusammenhänge, und so wurden aus den anfänglich 34 Gartenfreunden in den 80er-Jahren schon um die 100. Heute ist der Sulzbacher OGV mit seinen 242 Mitgliedern der zweitgrößte OGV-Verein im Altkreis Backnang (hinter Kirchberg) – trotz der deutlichen Abnahme von (Nutz-)Gartenbesitzern. Letzteres merke man zum Beispiel beim gemeinsamen Bezug von Sämereien und Erden, erzählt Gerhard Wieland: „Früher hat das Ausgeben der bestellten Ware den ganzen Samstag gedauert. Heute sind da noch 10 oder 15 Leute, die was bestellen.“

Info
Feier in der Festhalle

Das bunte Programm zur Jubiläumsfeier 50 Jahre Obst- und Gartenbauverein Sulzbach an der Murr beginnt am Sonntag, 27. Oktober, um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der Sulzbacher Festhalle.

Bürgermeister, Landrat, verschiedene Abgeordnete und die Vorsitzenden des Landes- und des Kreisverbands werden Ansprachen halten. Vier noch lebende Gründungsmitglieder (Eugen Böhm, Marianne Hübner, Helga Kogler und Wilhelm Hörmann) sollen geehrt werden, ein fünftes ist kurz vor der Feier leider verstorben. Albrecht Wörner wird einen Rückblick zur Vereinsgeschichte halten, und damit das Ganze nicht zu trocken wird, gibt es neben Trinken und gutem Essen bis zum Abend auch allerlei musikalische und tänzerische Unterhaltung.

Den ganzen Tag kann an einer liebevoll gestalteten Bildergalerie aus 50 Jahren OGV-Fotos und Zeitungsausschnitten in Erinnerungen geschwelgt werden.

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Erstellt:
25. Oktober 2019, 16:00 Uhr

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