Selbst das Virus kann die Sternsinger nicht aufhalten

Die Heiligen Drei Könige ziehen in vielen Gemeinden des Altdekanats Backnang coronakonform durch die Straßen. Die Lieder und Sprüche werden ausschließlich vor den Haustüren vorgetragen. Aufgrund der Pandemie wird das Programm in allen Orten reduziert – mal mehr, mal weniger.

In Großaspach sind gestern zwei Gruppen unterwegs gewesen, unter anderem auch im Rathaus. Foto: privat

In Großaspach sind gestern zwei Gruppen unterwegs gewesen, unter anderem auch im Rathaus. Foto: privat

Von Matthias Nothstein

Backnang. Die Sternsinger hatten gehofft, dass sie – nach dem coronabedingten Ausfall der letztjährigen Aktion – in diesem Jahr wieder wie gewohnt von Haus zu Haus ziehen und den Segen überbringen könnten. Doch die vierte Welle und die Omikronvariante machen den engagierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen schon wieder einen Strich durch die Rechnung. Wobei jede Kirchengemeinde anders mit der Situation umgeht: Während in manchen Orten die Aktion nahezu komplett ausfällt, sind in anderen Gemeinden die Unterschiede zu Vor-Corona-Zeiten nur gering. Doch eines betonen alle Organisatoren unisono: Der Gesundheitsschutz und das Wohl der Kinder gehen vor.

In Backnang können sich Interessierte ein Video mit Sternsingerliedern und dem Segensspruch auf der Homepage www.katholisch-backnang.de ansehen. Darüber hinaus kündigt Pfarrer Wolfgang Beck an, werden die Segenszeichen und die Spendentütchen über die Abonnenten des Gemeindebriefs und über den Schriftenstand der Kirchen verteilt. Die Spenden gehen über Aachener Sternsingeraktionen an Kinderprojekte weltweit. Auf dem Anschreiben wird ein QR-Code stehen. Wenn es gewünscht wird, singt eine kleine Gruppe von Kindern in Einzelfällen vor dem Haus der jeweiligen Gemeindemitglieder.

Auf dem Gemeindegebiet St. Johannes Backnang haben sich die Verantwortlichen entschlossen, keine Hausbesuche zu machen. Stattdessen bekommen alle Abonnenten des Gemeindebriefs ein Segenspaket der Sternsinger. Die Segenspakete können auch in den beiden Kirchen am Schriftenstand mitgenommen werden.

Im Gebiet Christkönig werden am 6. Januar drei Sternsingergruppen unterwegs sein und nach Voranmeldung vor der Haustür im Freien singen und den Segen an die Tür schreiben. Dazu liegen in der Christkönigskirche Anmeldezettel aus. Alternativ können sich Interessierte den Besuch der Sternsinger auch über pfarramt.christkoenig@katholisch-backnang.de bestellen.

Wegen der aktuellen Lage haben sich die Verantwortlichen der Seelsorgeeinheit Oberes Murrtal entschieden, zu Beginn des neuen Jahres keine Sternsinger auszusenden. Die Segenswünsche werden per Post verschickt, und in den Kirchen werden ab Dreikönig Kreide und Weihrauch zum Mitnehmen bereit liegen. Wer den Brief der Sternsinger erhalten wollte, konnte sich an Pastoralreferentin Martina Fuchs wenden. Gemeindemitglieder ab 85 Jahren erhielten den Brief automatisch.

Nachdem im vergangenen Jahr die Sternsingeraktion der Pandemie fast vollständig zum Opfer gefallen ist, dürfen die kleinen Könige dieses Jahr immerhin unter Auflagen wieder den Segen zu den Menschen an die Häuser bringen. Hoffnungsfroh haben sich die Organisatoren der Seelsorgeeinheit Oppenweiler/Kirchberg ans Werk gemacht. Doch welch Überraschung: In manchen Orten fanden sich nur sehr wenige Kinder, die bereit waren, sich bei den Sternsingern einzubringen. Die Organisatoren hoffen, dass sich hier nur ein Coronaphänomen zeigt, und dass nach dem Abebben der Pandemie sich wieder Kinder für diesen Dienst an den Mitmenschen finden.

Die Seelsorgeeinheit ist bei den Sternsingern in viele lokale Gruppen aufgeteilt. In Oppenweiler haben sich Kinder gefunden, die sich einbringen wollen. Hier laufen zwei Gruppen durch den Ort, sie werfen wie vergangenes Jahr Flyer in die Briefkästen und klingeln bei einzelnen Leuten, von denen sie wissen, dass der Besuch wichtig ist.

In Großaspach waren gestern bereits zwei Gruppen unterwegs – wobei eine Gruppe aus zwei Kindern und ein bis zwei Erwachsenen besteht. Heute wird sich eine Familie nochmals als Mini-Gruppe aufmachen. Da die Gruppen nur jeweils einen Tag in Großaspach, Rietenau, Allmersbach und den Weilern unterwegs sein können, schaffen sie es nicht, alle Familien zu besuchen, die auf der Liste stehen. Die nicht besuchten Haushalte werden wie im vergangenen Jahr den Segen sowie weitere Informationen im Briefkasten finden.

In Kleinaspach werden die Sternsinger kleine Briefbotschaften mit Segensaufklebern einwerfen. Da in Kleinaspach traditionell von Haustür zu Haustür gezogen wird, ist es schwierig, alle Häuser abzudecken. Alle, die bis Samstag keine Botschaft erhalten haben, können sich bei Hannah Nothstein, Telefon 07148/923333, melden.

In Erbstetten sind seit Sonntag drei Gruppen unterwegs, um den Segen in die Häuser zu bringen. In Burgstall ziehen sechs Gruppen an unterschiedlichen Tagen durch die Straßen. In Kirchberg an der Murr haben sich zwei Gruppen gebildet, eine davon ist voraussichtlich zwei Tage unterwegs, die andere nur an einem Tag.

In Affalterbach werden die Segen mit stiller Post in die Häuser gebracht. Hier werden, wie im vergangenen Jahr, die Informationen in die Briefkästen geworfen.

Diakon Werner Trefz, der die Sternsingeraktion in der Seelsorgeeinheit Oppenweiler/Aspach leitet, hat viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt. „Wir tun alles, um die Ansteckungsgefahr für die Kinder und die besuchten Menschen so gering wie nur möglich zu halten. Klare Abstands- und Masken-Regeln sowie tägliche Tests der Kinder und 2-G-plus der Betreuer sind bei uns Standard.“ Dass er dieses Jahr teilweise gar keine oder nur wenige Kinder für die Aktion gewinnen konnte, ist für den Diakon erschreckend: „Ich hoffe, dass sich in den Folgejahren wieder mehr Familien bereit erklären, ihre Kinder in den Ferien von Haus zu Haus ziehen zu lassen. Denn es wäre schade, wenn diese Tradition nun wegen Corona einschlafen würde.“

In der Seelsorgeeinheit Weissacher Tal wurden die Sternsinger bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag im Gottesdienst ausgesandt. So sind in allen Orten mehrere Gruppen unterwegs. Sie gehen nur zu solchen Haushalten, die das ausdrücklich wünschen und singen vor der Tür. Die Gläubigen waren zuvor in den Gottesdiensten, im Mitteilungsblatt und im Gemeindebrief aufgefordert worden, sich zu melden. Den Abschluss der Aktion feiert Pfarrer Thomas Müller am Dreikönigstag mit zwei Familiengottesdiensten, die in der Dreifaltigkeitskirche in Unterweissach stattfinden. Um 9 Uhr für die ‚Sternsinger aus den Gemeinden Weissach im Tal/Allmersbach im Tal und um 11 Uhr für die Heiligen Drei Könige aus den Gemeinden Auenwald und Althütte.

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Erstellt:
4. Januar 2022, 06:00 Uhr

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