Seltene Fernrohre unter dem Hammer
In Stuttgart kommen besondere optische Geräte unter den Hammer. Jedes Los startet bei 20 Euro – der wahre Wert der Stücke dürfte teils höher sein.
© imago/Arnulf Hettrich
Durchblick für Sammler: Das Stuttgarter Auktionshaus Eppli versteigert 118 Fernrohre und Teleskope.
Von Jonas Schöll
Stuttgart - Von historischen Seefahrer-Fernrohren bis hin zu Hightech-Teleskopen: Schnäppchenjägern und Sammlern könnte sich die Gelegenheit bieten, für kleines Geld ein großes Stück Geschichte zu ergattern. Noch bis zum 6. April versteigert das Stuttgarter Auktionshaus Eppli 118 Lose aus dem Nachlass eines Privatsammlers aus dem Bodenseeraum.
Spannend an der Auktion: Jedes der 118 Lose – vom einfachen Spektiv bis zum imposanten Teleskop – startet mit einem Anfangsgebot von gerade einmal 20 Euro. „Ein bewusst niedriger Einstiegspreis, der den tatsächlichen Marktwert durch das Bieterverhalten sichtbar macht“, erklärt Volker Jahn, Experte für europäisches Kunstgewerbe bei Eppli.
20 Euro sind das Anfangsgebot bei allen Stücken. Ein bewusst niedriger Einstiegspreis, der den tatsächlichen Marktwert durch das Bieterverhalten sichtbar macht.
Das Highlight der Auktion steht 160 Zentimeter hoch, wiegt ordentlich was und sieht aus wie direkt aus einem Jules-Verne-Roman entsprungen: ein historisches Teleskop der renommierten Optischen Anstalt Reinfelder & Hertel aus München, gefertigt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mahagoniholz, Messing, ein zusätzliches Suchfernrohr – und das Ganze auf einem massiven Eichenstativ mit Schwenkaufsatz.
„Dieses Highlight haben wir zunächst gar nicht erkannt, da es in Einzelteilen eingeliefert wurde“, erzählt Eppli-Experte Jahn. „Nach dem Zusammensetzen stand plötzlich ein beeindruckendes, voll funktionsfähiges Himmelsbeobachtungsgerät vor uns.“ Reinfelder & Hertel zählten zu den bedeutendsten deutschen Optikmanufakturen ihrer Zeit und belieferten Sternwarten und Bildungseinrichtungen.
Für Liebhaber maritimer Geschichte besonders spannend: zwei Messingfernrohre aus dem 19. Jahrhundert, gefertigt von den Londoner Optikern Dollond und Cutts. Gerade Dollond gilt als Pionier der englischen Optiktradition. Diese Instrumente prägten das Bild des britischen Kapitäns mit ausziehbarem Fernrohr an Deck – und sind heute begehrte Sammlerstücke. Doch nicht nur historische Schätze kommen unter den Hammer. Auch moderne Astronomie-Technik ist vertreten, etwa ein motorgesteuertes Spiegelteleskop Meade ETX-125 EC mit automatischer Nachführung, Wechselokularen und vollständigem Zubehör. Perfekt für ambitionierte Hobbyastronomen.
Was die Sammlung so besonders macht: „Die Begeisterung für optische Instrumente war bei der Bearbeitung förmlich greifbar“, so Jahn. „Über ein ganzes Leben hinweg hat hier jemand mit großer Sachkenntnis außergewöhnliche Stücke zusammengetragen.“
Die Onlineauktion „Optische Geräte – historisch & modern“ läuft seit 6. März und noch bis 6. April. Gebote können während des gesamten Zeitraums über die Website von Eppli abgegeben werden. Eine Besichtigung der Objekte ist nach vorheriger Terminvereinbarung in der Eppli-Auktionshalle in Leinfelden-Echterdingen möglich.
