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Sieben Einsätze für Backnanger Wehr in einer Nacht

Anbau zwischen zwei Häusern in der Gartenstraße brennt völlig nieder – Verirrte Rakete explodiert im Heizraum eines Hotels in der Eugen-Adolff-Straße

Die Silvesternacht war auch dieses Mal wenig geruhsam für die Feuerwehren an Rems und Murr: Haus- und Zimmerbrände, eine Menschenrettung mit Reanimation, ausgelöste Brandmeldeanlagen, qualmende Container und brennende Mülltonnen riefen die Einsatzkräfte im gesamten Kreisgebiet zur Tat. Schwerpunkt war dieses Jahr Backnang, wo die Wehrmänner innerhalb weniger Stunden siebenmal ausrücken mussten.

Zehn Bewohner der beiden betroffenen Häusern in der Gartenstraße mussten wegen des Brands evakuiert werden. Fotos: B. Beydekin

© Benjamin Beytekin

Zehn Bewohner der beiden betroffenen Häusern in der Gartenstraße mussten wegen des Brands evakuiert werden. Fotos: B. Beydekin

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Der vermutlich spektakulärste Einsatz rief die Wehrmänner gestern gegen 2.40 Uhr auf den Plan. Wegen eines Großbrands in der Gartenstraße mussten zehn Personen evakuiert werden. Das Feuer zerstörte einen Anbau zwischen zwei Wohn- und Geschäftshäuser. Laut Polizei kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Feuerwerkskörper auf dem Dach aus Kunststoff gelandet ist und den Brand verursacht hat. Das Feuer breitete sich auf dem Dach aus und ging auf das Wohn- und Geschäftsgebäude über. Die Fassade des Gebäudes und der Büroraum des im Erdgeschoss befindlichen Computergeschäfts wurden hierbei beschädigt. Vorläufig wird der Sachschaden von der Polizei mit 70000 Euro beziffert. Jan Kusche, Pressesprecher der Feuerwehr Backnang, erklärte, die Bewohner der Häuser müssen wegen der nun fälligen Renovierungsarbeiten in anderen Häusern untergebracht werden. Während der Nacht wurden die Evakuierten anfangs im Feuerwehrgerätehaus betreut. Die Feuerwehr war noch bis 6.15 Uhr mit Löscharbeiten beschäftigt.

Zuvor schon mussten die Wehrkräfte sechsmal ausrücken, wenngleich nicht immer tatsächlich ein Feuer zu bekämpfen war. Jan Kusche zu der ungewöhnlichen Häufung: „Sieben Einsätze in einer Nacht – ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir schon einmal so häufig ausrücken mussten, auch nicht in einer Silvesternacht.“ Kreisbrandmeister René Wauro verwies in einer Pressemitteilung darauf, dass die Feuerwehren manchmal gleich mehrfach gefordert waren. So rückten die Einsatzkräfte der Feuerwehr Backnang zur Unterstützung bei einer Reanimation aus, aber gleichzeitig brannte ein Adventskranz in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. Kurz darauf der nächste Einsatz für die Backnanger Wehr: Um 21.40 Uhr wurden sie zu einem Wohnungsbrand gerufen. Aufmerksame Nachbarn hatten eine starke Rauchentwicklung bemerkt, was sich dann glücklicherweise als Fehlalarm entpuppte. Kurz vor Mitternacht mussten die Backnanger ein weiteres Mal zu einem vermeintlichen Wohnungsbrand ausrücken, diesmal stellte es sich als „angebranntes Essen auf dem Herd“ heraus. Nachbarn hatten einen Rauchwarnmelder vernommen, doch niemand öffnete die Tür. Es sollte nicht der letzte Einsatz in dieser Nacht für die Backnanger Feuerwehr bleiben.

Gegen 0.23 Uhr rückte die Feuerwehr zu einem Kellerbrand eines in der Eugen-Adolff-Straße gelegenen Hotels aus. Nach Anzünden einer Feuerwerksrakete auf der gegenüberliegenden Straßenseite war die als Abschussvorrichtung benutzte Flasche plötzlich umgefallen. Die Rakete flog daraufhin in das Gitterfenster und explodierte im Heizraum des Hotels. Hierbei gerieten das Dämmmaterial und der Kunststoffmantel des Warmwasserkessels in Brand. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr befanden sich keine Personen mehr im Gebäude. Der Brand konnte von der Feuerwehr Backnang, welche mit 36 Einsatzkräften sowie sechs Fahrzeugen im Einsatz war, schnell gelöscht und auf den Heizraum begrenzt werden. Anschließend wurden sämtliche Zimmer des Hotels belüftet und die etwa 50 Gäste konnte ihre Unterkunft wieder beziehen. Der entstandene Sachschaden wird vorläufig auf 50000 Euro geschätzt.

Insgesamt hatten die Einsatzkräfte ein vielfältiges Spektrum abzuarbeiten: In Waiblingen mussten zwei Personen in einem Restaurant auf Hilfe durch die Feuerwehr warten. Sie waren in einem Aufzug eingeschlossen. Brennende Mülleimer, ausgelöst durch Feuerwerksknaller, gab es noch vor Mitternacht in Waiblingen und Kernen im Remstal. In Kernen hatten Übermütige einen Mülleimer im Eingangsbereich eines Discountmarkts mit Knallkörpern in Brand gesetzt. Das Feuer drohte auf das Gebäude überzugreifen, beim Eintreffen der Feuerwehr war bereits eine Scheibe geborsten.

In Weinstadt wurde von Unbekannten vermutlich ein Feuerwerkskörper in ein Wohnhaus geworfen, dort rauchte es im Treppenhaus. Eine angebrannte Pizza in der Wohngruppe einer Behinderteneinrichtung riefen am Abend Einsatzkräfte aus Kernen und Fellbach auf den Plan. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Die Feuerwehr in Auenwald wurde kurz vor Mitternacht noch zur Unterstützung bei einem medizinischen Notfall gerufen.

Den ersten Einsatz im Jahr 2019 hatte die Feuerwehr Schorndorf, die zur Unterstützung bei einem medizinischen Notfall alarmiert und rund zwei Stunden später zu einem Wohnungsbrand gerufen wurde. In Waiblingen löste zur selben Zeit der Rauch von Feuerwerkskörpern die Brandmeldeanlage eines Industriebetriebs aus, kurze Zeit später musste noch eine Hecke gelöscht werden. Und auch die Backnanger hatten ihren Kellerbrand kaum abgearbeitet, da brannten bereits mehrere Papiercontainer im Bereich der Markuskirche. Mülltonnen und Container brannten auch in Welzheim und Kirchberg an der Murr. In Remshalden wurde morgens um 4.30 Uhr zu einem Kellerbrand in einem Mehrfamilienhaus alarmiert, das Haus wurde stark verraucht. Drei Personen mit einer Rauchgasinhalation mussten versorgt werden.

Die Bilanz: Die Männer und Frauen der Feuerwehren im Rems-Murr-Kreis wurden zu insgesamt 22 Einsätzen gerufen, darunter 16 Brandeinsätze und 6 Einsätze im Bereich der technischen Hilfeleistung. Christian Siekmann ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Kreisverband. Er teilt mit, dass es 25 Notarzteinsätze gab. Zudem mussten die Rettungswagen 49-mal ausrücken. Siekmann: „Aus rettungsdienstlicher Sicht gab es neben den üblichen Betrunkenen und Schlägereien auch einen Kronkorken im Auge und einen Fall mit durch Böller abgetrennten Fingern.“

Der Brand im Heizraum eines Hotels an der Eugen-Adolff-Straße konnte von der Feuerwehr schnell gelöscht werden. Trotzdem summiert sich der Schaden auf geschätzt 50000 Euro.

© Benjamin Beytekin

Der Brand im Heizraum eines Hotels an der Eugen-Adolff-Straße konnte von der Feuerwehr schnell gelöscht werden. Trotzdem summiert sich der Schaden auf geschätzt 50000 Euro.

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Erstellt:
2. Januar 2019, 06:00 Uhr

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