Sinti und Roma werfen Polizei Rechtsextremismus vor

dpa Ravensburg. Rechtsextreme WhatsApp-Gruppen bei der Polizei - das war für viele ein Schock. Pläne für eine Rassismus-Studie stoßen dennoch auf Gegenwehr von Innenminister Seehofer. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma fordert dagegen eine genaue Untersuchung.

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma, fordert eine genaue Untersuchung der rechtsextremistischen Vorfälle bei der Polizei. Foto: Gregor Fischer/dpa

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma, fordert eine genaue Untersuchung der rechtsextremistischen Vorfälle bei der Polizei. Foto: Gregor Fischer/dpa

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat zu einem verstärkten Einsatz gegen Rechtsextremismus bei der Polizei aufgerufen.

Der Vorsitzende Romani Rose sagte der „Schwäbischen Zeitung“: „Ich halte den Rechtsextremismus in Polizei, in Spezialeinheiten oder dem Verfassungsschutz für sehr bedenklich. (...) Wir dürfen nicht wie so oft in der Vergangenheit einfach wegschauen, nur damit Deutschland im Ausland keine negative Aufmerksamkeit bekommt.“

Rose sprach sich für eine genaue Untersuchung rechtsextremistischer Tendenzen in den Sicherheitsbehörden aus. Er wandte sich damit gegen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der eine Studie zu Rassismus bei der Polizei ablehnt.

Rose äußerte sich auch zum Ulmer Prozess um einen Brandanschlag auf eine Roma-Familie, bei dem am Mittwoch das Urteil erwartet wurde. Fünf junge Männer hatten laut Anklage eine Fackel auf den Wohnwagen einer Familie in Erbach (Baden-Württemberg) geworfen. In dem Fahrzeug, das nur knapp verfehlt wurde, war eine schlafende Frau mit ihrem neun Monate alten Sohn.

„Ich habe mich gefreut, dass sich das Gericht und die Ermittlungsbehörden ernsthaft mit dem Motiv Antiziganismus auseinandergesetzt haben“, sagte Rose der Zeitung. „Es gibt in unserer Gesellschaft bisher kaum ein Verantwortungsbewusstsein in Bezug auf den Antiziganismus, der seinen Ursprung tief in der deutschen Geschichte hat.“

© dpa-infocom, dpa:200923-99-672166/3

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Erstellt:
23. September 2020, 08:18 Uhr

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