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Sirenen bleiben im Rems-Murr-Kreis stumm

Über Katastrophen wird die Bevölkerung hier ohne akustisches Signal informiert. Beim Warntag wird das morgen getestet.

Die Warn-App Nina informiert den Nutzer nicht nur bei nationalen Katastrophen, sondern auch über Gefahren vor Ort. Foto: Adobe Stock/Natee Meepian, Bearbeitung: N. Schietinger

© Natee Meepian - stock.adobe.com

Die Warn-App Nina informiert den Nutzer nicht nur bei nationalen Katastrophen, sondern auch über Gefahren vor Ort. Foto: Adobe Stock/Natee Meepian, Bearbeitung: N. Schietinger

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Wer nicht mehr ganz jung ist, erinnert sich wahrscheinlich noch daran, wie bis Ende der 1980er-Jahre zweimal im Jahr die Sirenen heulten – zu Testzwecken. Mit dem Ende des Kalten Kriegs wurden diese Probealarme jedoch abgeschafft. Mit einem bundesweiten Warntag will das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) morgen nun erstmals wieder simulieren, wie die Bevölkerung im Katastrophenfall gewarnt wird. Um Punkt 11 Uhr wird die nationale Warnzentrale in Bonn dafür einen Probealarm auslösen.

Im Rems-Murr-Kreis wird dann aber trotzdem kein Sirenengeheul zu hören sein, wie Daniel Köngeter von der Stabsstelle für Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt erklärt. Aus einem einfachen Grund: In vielen Städten und Gemeinden gibt es überhaupt keine Sirenen mehr. Der Bund habe das einst flächendeckende Sirenennetz nämlich schon in den 1990er-Jahren aufgegeben.

Die Kommunen konnten die Geräte damals übernehmen und weiterhin zur Alarmierung der örtlichen Feuerwehr verwenden. In Backnang etwa gibt es aus diesem Grund noch funktionsfähige Sirenen in Schöntal, Steinbach, Strümpfelbach, Maubach, Heiningen und Waldrems, wie Ordnungsamtsleiterin Gisela Blumer berichtet. Diese werden auch noch regelmäßig getestet: Immer am ersten Samstag eines Quartals.

Zur Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall – früher dachte man dabei in erster Linie an einen kriegerischen Angriff aus der Luft – werden diese Sirenen aber nicht mehr eingesetzt, weshalb sie morgen auch stumm bleiben werden. Aber wie wird die Bevölkerung dann über eine drohende Gefahr informiert? Der Bund setze dafür das modulare Warnsystem „Mowas“ ein, erklärt Köngeter. Über dieses satellitengestützte Warnsystem können sowohl der Bund als auch die Länder einen Alarm auslösen. Dieser wird dann automatisch an alle Rundfunk- und Fernsehsender verbreitet, die für die Warnmeldung ihr Programm unterbrechen. Außerdem erhalten Handybesitzer, die die offizielle Katastrophenschutz-App Nina oder eine andere Warn-App installiert haben, eine Nachricht auf ihr Smartphone. Auch auf Hinweistafeln an Bahnhöfen werden die Warnmeldungen angezeigt. Die Städte und Gemeinden im Landkreis können übrigens auch Warnungen auf lokaler Ebene über das modulare Warnsystem verbreiten. In der Vergangenheit sei dies schon zweimal geschehen, berichtet Köngeter. So sei die Bevölkerung nach Großbränden in Schorndorf und Remshalden auf diesem Weg aufgefordert worden, ihre Fenster geschlossen zu halten.

Allerdings hat das moderne Warnsystem auch Nachteile gegenüber dem klassischen Sirenenalarm. „Der Weckeffekt fehlt“, sagt Daniel Köngeter. So wäre es zum Beispiel nachts deutlich schwieriger, die Bevölkerung zu warnen. Und auch tagsüber dürfte ein Alarm über Radio und Handy weniger Personen erreichen als eine heulende Sirene. Deshalb gebe es Überlegungen, wieder ein akustisches Warnsystem einzuführen, weiß der Experte im Landratsamt. Dafür müssten allerdings nicht unbedingt neue Sirenen auf Hausdächer montiert werden. Der Alarm könnte zum Beispiel in die mittlerweile vorgeschriebenen Rauchmelder integriert oder mit den Hupen von Autos gekoppelt werden. Im Moment ist das allerdings noch Zukunftsmusik.

Probealarm morgen um 11 Uhr

Am bundesweiten Warntag versendet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) um 11 Uhr eine Probewarnung über das modulare Warnsystem (Mowas), das auch Städten und Gemeinden eine einfache Eingabe von Warnmeldungen ermöglicht. Dieser webbasierte Zugang wird vor allem von den unteren Katastrophenschutzbehörden verwendet und läuft von Oktober 2017 bis September 2020 im Live-Testbetrieb.

Im Ernstfall sollte nach einem Warnsignal auf Durchsagen im Radio geachtet werden; auch Warn-Apps liefern Informationen und Handlungsanweisungen. Das BBK empfiehlt daher den Download der Warn-App Nina (Notfallinformations- und Nachrichten-App des Bundes), die beispielsweise auch aktuelle Informationen zum Coronavirus bietet.

Weitere Informationen gibt es online unter www.bundesweiter-warntag.de.

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Erstellt:
9. September 2020, 06:00 Uhr

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