Snackautomaten boomen in Backnang

Seit vier Wochen finden Kunden in der Backnanger Dilleniusstraße einen Laden, in dem sie sich rund um die Uhr über Automaten mit Snacks, Getränken und einigen frischen Lebensmitteln versorgen können. Die Betreiber können sich vorstellen, das Sortiment bald zu erweitern.

Betreiber Bernd Ellinger füllt aktuell alle zwei Tage seine Automaten in der Backnanger Innenstadt auf. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Betreiber Bernd Ellinger füllt aktuell alle zwei Tage seine Automaten in der Backnanger Innenstadt auf. Foto: Alexander Becher

Backnang/Oppenweiler. Der freundliche Plausch mit der Verkäuferin im Tante-Emma-Laden erscheint wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Der Siegeszug der Selbstbedienungssnackautomaten hat Backnang erreicht. Im Februar eröffnete ein eigener Laden, in dem drei unterschiedliche Automaten 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Süßigkeiten, Getränke und sonstige Lebens- und Genussmittel anbieten. Bernd Ellinger und Brigitte Erne aus Oppenweiler betreiben den „Burg-Snack“. In Norddeutschland seien diese E-Kiosks bereits sehr verbreitet, nun schwappe der Trend weiter in den Süden. Auf eine sorgfältig ausgewählte Produktpalette legen die beiden viel Wert, bestellen auch bei internationalen Herstellern Produkte, die es nicht in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. „Mit unserer Auswahl möchten wir eine sehr breite Zielgruppe ansprechen“, erklärt Bernd Ellinger. „Und die jüngeren mögen einfach andere Snacks als die älteren Besucher.“

Neben den klassischen Erfrischungsgetränken gibt es darum internationale Varianten wie Bubble Tea oder amerikanische Fanta. Für Nachtschwärmer werden einige alkoholhaltige Getränk für „verschiedene Geschmäcker“, bereitgestellt. Wen der kleine Hunger überkommt, kann zwischen Käse- und Apfelkuchen, Croissants und salzigen Snacks in allen Variationen auswählen. Halalprodukte und asiatische Köstlichkeiten runden das internationale Angebot ab.

Toffifee und Capri-Sonne sind aktuell die Renner im Sortiment

Doch was ist der Bestseller? „Eigentlich verkauft sich alles hier ziemlich gut“, sagt Bernd Ellinger. Aktuelle seien Toffifee und Capri-Sonne hoch im Kurs. Mit frischen Produkten vom Bauernhof Friz aus Zwingelhausen starten die Betreiber einen Versuch, ob auch frische Ware gekauft wird. Aktuell sind Eier und Nudeln im Sortiment, das könne jederzeit ausgebaut werden. Bezahlen kann man mit „allen in Deutschland möglichen Zahlungsarten“, wie Bernd Ellinger versichert. Neben Bargeld und Karten, geht es auch über eine spezielle App für die Automaten oder direkt mit der Bezahlfunktion des Smartphones.

Ein eigenes Gewerbe haben Ellinger und Erne bereits seit 27 Jahren, allerdings in einer ganz anderen Branche. Garten- und Landschaftsbau, später Floristik ist dort ihr Steckenpferd. Die Idee mit den Automaten kam Bernd Ellinger vor etwa zwei Jahren. Da hat er sich „richtig reingefuchst“. Man dürfe jedoch nicht unterschätzen, wie viel Arbeit hinter einem funktionierenden Automatenkonzept stecke, betont Ellinger.

Im November 2022 haben die beiden den „Burg-Snack“ in Oppenweiler eröffnet. Dort sollte es über ein Jahr lang dauern, bis der Laden sich etablierte, in Backnang war das anders. An Kunden mangelte es bereits zu Beginn nicht. „Da sieht man, was allein der Standort ausmacht“, sagt Bernd Ellinger. Die Nähe zum Bahnhof und der Mangel an weiteren Einkaufsmöglichkeiten, vor allem nach Ladenschluss der Konkurrenz, all das mache den Laden attraktiv.

Der Pommesautomat in der Talstraße rentiert sich ebenfalls

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Inzwischen erschweren Bauarbeiten entlang der Dilleniusstraße den Zugang zum Laden, Brigitte Erne und ihr Geschäftspartner sind trotzdem zufrieden mit dem bisherigen Umsatz. „Wir bekommen gutes Feedback von unseren direkten Nachbarn und den Kunden, die wir hier treffen“, sagt Brigitte Erne. Der Laden ist kameraüberwacht, damit Fällen von Vandalismus oder großen Müllproblemen schnell entgegengewirkt werden kann. „Wie auch in Oppenweiler haben wir gar keine schlechten Erfahrungen gemacht“, sagt Brigitte Erne. Zudem sehen die Unternehmer in Echtzeit, welche Produkte gekauft werden und im Sortiment fehlen. „Und wir entdecken erste Stammkunden“, erzählt Bernd Ellinger. Zum Befüllen der Automaten fahren die Betreiber aktuell alle zwei Tage nach Backnang, nun könnte mit den steigenden Temperaturen mehr Arbeit auf die beiden zukommen. „Während des Straßenfests müssen wir wahrscheinlich hinten im Lager übernachten“, sagt Bernd Ellinger und lacht.

Seit vergangenem Dezember gibt es in der Talstraße 60 nahe dem Bleichwiesenkreisel einen Pommesautomaten. Ähnliche Geräte könnten bald auch an weiteren Standorten im Kreis stehen. Investor und Rechtsanwalt Gunnar Stuhlmann zeigt sich selbst überrascht, wie gut der Automat inzwischen ankommt: „Wir verkaufen mittlerweile, vor allem am Wochenende, bis zu 100 Portionen pro Tag.“ Ärgerlich sei jedoch, dass der bestehende Automat mehrfach durch randalierende Jugendliche beschädigt wurde. „Dank der Kameraüberwachung konnten die Täter zwar ermittelt werden, dennoch ist es sehr störend und der Automat ist dann kurzzeitig natürlich auch nicht einsatzbereit“, so Stuhlmann. Dennoch plant er, mit den Automaten zu expandieren, aktuell führt er unter anderem Gespräche mit den Betreibern eines Gastronomiebetriebs und eines Lebensmittelgeschäfts in der Umgebung.

Ellinger und Erne können sich ebenfalls gut vorstellen, im Laden in der Dilleniusstraße mehr Automaten aufzustellen. Mit der benachbarten Apotheke am Obstmarkt wurde bereits kurz über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen. „Für einige Anfragen am Nachtschalter könnte man überlegen, ebenfalls einen Automaten zu nutzen. Das könnte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten“, überlegt Bernd Ellinger. Davor müsse man klären, für welche Produkte das rechtlich infrage komme.

Bis zu sechs weitere Automaten könnten im „Burg-Snack“ Platz finden. Auch für Produkte des täglichen Bedarfs sehen die Betreiber eine Nachfrage. „Zugang zu Drogerieartikeln und Menstruationsprodukten könnten am Wochenende sehr praktisch sein“, findet Brigitte Erne. Einer fortlaufenden Erweiterung des Sortiments steht somit nichts im Weg.

Die Ausbreitung der Selbstbedienungsautomaten

Der aktuelle Stand 617300 Verköstigungsautomaten stehen laut brancheninternen Schätzungen des „Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft“ (BDV) in ganz Deutschland. Über 80 Prozent davon sollen jedoch in Unternehmen der Verpflegung vom Beschäftigten dienen, viele davon sind noch klassische Kaffee- oder Snackautomaten. Automaten, die Fertiggerichte bereitstellen können, machen bislang einen kleinen Teil der Gesamtzahl aus, sind jedoch stark im Wachstum.

Automaten statt Hofladen Landwirte, Metzger und weitere Erzeuger nutzen die Möglichkeit, ihre Produkte via Automat rund um die Uhr verkaufen zu können.

Vernetzung Die Automatenaufsteller tauschen sich zunehmend bundesweit miteinander aus, erklärt Bernd Ellinger. In großen Gruppen in sozialen Netzwerken sind auch weitere Beteiligte wie Techniker, Großhändler oder Rechtsanwälte dabei.

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Erstellt:
2. April 2024, 06:00 Uhr

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