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So geht es mit Notre-Dame weiter

An Spenden mangelt es nicht, doch die Experten für den Wiederaufbau sind rar

Das Feuer ist gelöscht, der Schaden gewaltig, nun geht es an den Wiederaufbau der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Frage: Was kostet der Wiederaufbau?

Antwort: Die Zahlen variieren je nachdem, ob traditionelle oder moderne Techniken zur Anwendung kommen. In jedem Fall werden die Sanierungsarbeiten an der Kathedrale laut Experten mehrere hundert Millionen Euro kosten.

Frage: Wie viel Geld ist gespendet worden?

Antwort: Die Solidarität und Spendenbereitschaft der Menschen dürfte es erlauben, dass diese Kosten gedeckt werden. „Dieses Mal ist es nicht das Geld, das fehlen wird“, sagt der Berater der französischen Regierung für Kulturgüter, Stéphane Bern. Bis jetzt summiert sich die weltweite Spendensumme auf fast eine Milliarde Euro. Zu den Spendern gehören Unternehmen wie Apple, die Besitzer von L’Oréal, Chanel und Dior sowie unzählige Privatpersonen aus Frankreich und anderen Ländern. Die Stadt Paris hat 50 Millionen Euro zugesagt.

Frage: Wie lange dauert der Wiederaufbau?

Antwort: Die Prognosen variieren stark. Präsident Emmanuel Macron sagte nach der Katastrophe einen Wiederaufbau innerhalb von fünf Jahren zu. Bern dagegen geht von mindestens zehn bis 20 Jahren aus. Auch Audrey Azoulay, Generaldirektorin der UN-Welterbeorganisation Unesco, betont, Notre-Dame zu restaurieren „wird eine lange Zeit dauern und viel Geld kosten.“ Kanzlerin Angela Merkel hat angeboten, beim Wiederaufbau „mit deutscher Expertise, mit deutscher Erfahrung“ zu helfen.

Frage: Was geschieht als nächstes?

Antwort: Zunächst müssen die Schäden bewertet werden. Danach muss entschieden werden, wie sie behoben werden sollen. Erst dann können die Ausschreibungen folgen. Zeit in Anspruch nehmen werden auch die Vorbereitungsarbeiten wie die Beseitigung der Wasserschäden durch die Löscharbeiten. Die Restaurierungsarbeiten selbst lassen sich wohl relativ schnell erledigen.

Frage: Wie steht es um die Bausubstanz?

Antwort: Die Gewölbe könnten durch zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Temperaturschocks – durch das Feuer und anschließend das Löschwasser – in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Einsturzgefahr besteht Experten zufolge nicht, weil der Dachstuhl bei dem Bau keine stabilisierende Rolle gespielt habe. Es ist nicht das erste Mal, das eine Kathedrale über kein Dach mehr verfügt. Nach Aussage des französischen Innenstaatssekretärs Laurent Nuñez ist die Kathedrale nur knapp einer vollständigen Zerstörung entgangen.„15 Minuten länger und der Bau wäre verloren gewesen“, schriebNuñezauf Twitter.

Frage: Was muss bautechnisch als Allererstes geschehen?

Antwort: Zunächst muss das Innere der etwa 850 Jahre alten Kathedrale vor Wettereinflüssen geschützt werden, nachdem sich die Flammen durch den hölzernen Dachstuhl gefressen haben. Erste Priorität ist also ein provisorisches Dach aus Metall oder Plastik, das Regen abhält. Dann beginnen Ingenieure und Architekten mit der Einschätzung des Schadens.

Frage: Woher kommen die Experten?

Antwort: „Ein Riesenproblem ist, dass die handwerklichen Fähigkeiten dünn gesät sind, um die vielen Kräfte mobilisieren zu können, die einen raschen Wiederaufbau ermöglichen“, sagt der Vorsitzende der Vereinigung der Europäischen Dombaumeister, Wolfgang Zehetner. Wien, Köln und Freiburg wollten Hilfe schicken. „Ich gehe davon aus, dass es drei Jahre dauern wird, bis die großen Schäden beseitigt sind.“

Frage: Wie will der Vatikan helfen?

Antwort: Der Vatikan will Restauratoren der Vatikanischen Museen mit ihrer Fachkompetenz beisteuern, sagt der Präsident des Päpstlichen Kulturrats, Kardinal Gianfranco Ravasi. Von einer finanziellen Beteiligung geht Ravasi nicht aus, da die Kathedrale französisches Staatseigentum sei.

Frage: Woher kommen Baupläne?

Antwort: Notre-Dame ist ein gut dokumentiertes Bauwerk. Über die Jahre haben Geschichtswissenschaftler und Archäologen mithilfe von 3-D-Lasertechnik Pläne und Abbildungen erstellt, auch des Inneren der Kathedrale. Zehetner betont: Eine Rekonstruktion auch der Details des Bauwerks sei im Prinzip möglich. „Da muss man sagen, dass man im Unglück noch Glück hat. Die Pläne zu Notre-Dame sind erhalten. Und vor allem digitalisiert.“

Frage: Ist die Rekonstruktion einer mittelalterlichen Kirche überhaupt möglich?

Antwort: Im Prinzip ja, meint Becky Clark, Direktorin für Kathedralen und Kirchengebäude der Kirche von England. „Egal, wie die Zerstörung ausfällt, der Geist dessen, was eine Kathedrale ist und vollbringt, überlebt Katastrophen.“ Clark erinnert an den Spitzturm der Lincoln Cathedral, der im 16. Jahrhundert in sich zusammenfiel, die beim Großen Brand von London 1666 zerstörte St. Paul’s Cathedral und die 1940 von deutschen Bomben dem Erdboden gleichgemachte Coventry Cathedral.

Frage: Was kann „Der Glöckner von Notre-Dame“ zum Wiederaufbau beitragen?

Antwort: Victor Hugo verewigte in seinem 1831 erschienen Klassiker Notre-Dame de Paris in der Weltliteratur. Verlagschef Antoine Gallimard von der Madrigall-Gruppe kündigte eine Sonderauflage der Taschenbuchausgabe von 30 000 Exemplaren an. Der Verlag rechne mit 50 000 bis 100 000 Euro, die auf „bescheidene Weise“ zum Wiederaufbau beitragen sollten. Andere Verlage kündigten ebenfalls Nachdrucke mit Wiederaufbau-Beitrag an.

Frage: Was hat das Videospiel „Assasin’s Creed Unity“ mit Notre-Dame zu tun?

Antwort: Das 2014 veröffentlichte Konsolenspiel „Assasin’s Creed Unity“ spielt in Paris. Die digitalen Informationen könnten helfen, die mittelalterliche Kathedrale Notre-Dame wiederaufzubauen. Caroline Miousse, die bei dem im französischen Montreuil ansässigen Spieleentwickler Ubisoft arbeitet, verbrachte für „Assasin’s Creed Unity“ zwei Jahre in der französischen Hauptstadt. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, Notre-Dame von innen wie von außen genau zu dokumentieren und zu vermessen. Dadurch sollte die Kathedrale auch im Spiel so realistisch wie möglich dargestellt werden.

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Erstellt:
18. April 2019, 06:07 Uhr

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