So geht’s zum Ausbildungsplatz 2.0

Die Ausbildungsmesse „Fokus Beruf 21“ mit 96 Unternehmen findet zum ersten Mal online statt und dauert ein ganzes Jahr.

Screenshot von der virtuellen Messehalle. Foto: Arbeitsagentur

Screenshot von der virtuellen Messehalle. Foto: Arbeitsagentur

Von Martin Winterling

BACKNANG/WAIBLINGEN. Fast wie auf der richtigen „Fokus Beruf“. Man schlendert durch die Hallen, schaut, neugierig geworden, an einem Stand vorbei, verweilt bei dem einen Aussteller länger – und lässt den anderen schnöde links liegen. Was bei dem virtuellen Messebummel definitiv fehlt, ist das Gewusel und Gedrängel, die messetypische Geräuschkulisse – und die schmerzende Schulter, auf der die mit Prospekten prallvoll gefüllte Tasche bleischwer drückt.

Die traditionelle Ausbildungsmesse „Fokus Beruf“ ist in den virtuellen Raum abgewandert, nachdem sie im vergangenen Jahr ausgefallen musste. Statt zu Fuß bewegt sich der Besucher mit Maus und Cursor durch die virtuellen Hallen. Am kommenden Freitag, 5. März, öffnet „Fokus Beruf 21“ ihre Tore. Die stehen den jungen Leuten und ihren Eltern aber nicht nur an zwei Tagen offen, sondern das ganze Jahr. Bis zur nächsten Fokus Beruf, die hoffentlich wieder im traditionellen Format stattfindet. Einen Nachteil hat die virtuelle Präsentation freilich: Die Kontakte bleiben anonym, Livegespräche mit den Ausstellern sind aus technischen Gründen nicht möglich.

96 Unternehmen aus der Region stellen sich vor und werben um Azubis. Für junge Leute ist die „Fokus Beruf“ eine Einstimmung auf das, was sie vermutlich bei der Berufsorientierung und in ihren Ausbildungen und Berufen erwartet: virtuelle Praktika, Online-Bewerbungsgespräche – und mobiles Lernen und Arbeiten von zu Hause aus.

In Halle 1 erwarten den Besucher die großen Industriebetriebe aus dem Rems-Murr-Kreis von Stihl bis Kärcher, von Catalent bis Kaysser. In Halle 2 haben sich das Handwerk und der Handel versammelt und in Halle 3 finden sich Ausbildungsbetriebe aus den Bereichen Gesundheit, Pflege, Soziales oder Verwaltung. Ob real oder virtuell: Die Ausbildungsmesse steht für Kontaktanbahnung und Vernetzung zwischen jungen Leuten und ihren künftigen Ausbildungsbetrieben, sagte Landrat Richard Sigel bei einem virtuellen Pressegespräch. „Die Schüler sind hoch motiviert, mit digitalen Medien umzugehen“, versicherte Markus Keller vom Staatlichen Schulamt Backnang. Kontakte zwischen jungen Leuten und Betrieben seien nicht nur „Face-to-Face“, sondern auch mit Smartphone, Tablet und PC möglich.

Fokus Beruf ist aber nicht nur für die Schüler da, betonte Christine Käferle, die Chefin der Waiblinger Agentur für Arbeit. Sie lädt ausdrücklich deren Eltern zum gemeinsamen Messebummel mit ihren Kindern ein. Nach wie vor seien die Eltern entscheidende Faktoren bei der Berufswahl. Umso wichtiger sei es für sie, sich in der vielfältigen, vielschichtigen und oft auch verwirrenden Berufswelt auszukennen und sich zu informieren. Sonst bestehe die Gefahr, sich in der Menge der Angebote zu verlieren.

Im Coronajahr 2020 gingen die Ausbildungszahlen bei den IHK-Betrieben im Kreis deutlich zurück. Geschäftsführer Markus Beier bezifferte das Minus mit fast 14 Prozent. Wegen Corona seien die Betriebe auf virtuelle Wege angewiesen, um neue Azubis zu finden. Denn trotz Corona leiden die Unternehmen am Mangel an Fachkräften. „Die Ausbildungsbereitschaft ist vorhanden“, versicherte Beier. „Wenn die jungen Leute nicht zur Messe kommen, muss die Messe eben zu den jungen Leuten gehen.“

Auch die Betriebe der Metall- und Elektroindustrie bilden weniger aus als in den Vorjahren, sagte Michael Kempter, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall. Doch das liege nicht nur an Corona, sondern hatte seine Ursache in einer schwächeren Konjunktur und im Transformationsprozess, in dem sich die Automobilbranche befinde. Für junge Leute, die sich für gewerblich-technische Berufe interessieren, bieten Firmen wie Stihl jedoch gute Ausbildungschancen, die bei der Fokus Beruf ausgelotet werden könnten.

Der Rems-Murr-Kreis hat in Sachen digitaler Ausbildungsmesse die Nase vorn, sagte Petra Ehm, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, nach einem Blick in die Nachbarschaft. Unter www.messe-fokus-beruf.de können sich interessierte junge Menschen nach passenden Angeboten umsehen, sich informieren und mit den Firmen Kontakt aufnehmen. Das gehe völlig unkompliziert ohne Anmeldung oder Registrierung, heißt es in einer Pressemitteilung des Trägerkreises. „Einfach am PC oder einem mobilen Gerät online gehen, lossurfen und durch die Messehallen schlendern.“ Ein Hallenplan verschaffe schnellen Überblick. Wer eine bestimmte Firma im Blick hat, kann direkt über die Suchfunktion gehen. Auch eine Suche nach Berufen ist möglich.

Die Messe startet am Freitag, 8.30 Uhr mit einem Livestream der Eröffnung. Die Messe wird mindestens ein Jahr lang online sein. Wer am 5. März keine Zeit für einen Messebesuch hat, kann jederzeit zu einem späteren Zeitpunkt loslegen und sich die Vorträge anschauen. Informiert wird über Ausbildungsberufe mit Metall, Perspektiven in der Pflege und Berufe im Büro, am PC und im Verkauf.

Unter www.messe-fokus-beruf.de können sich interessierte junge Menschen nach passenden Angeboten umsehen. Die Messe wird mindestens ein Jahr lang online sein.

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Erstellt:
3. März 2021, 06:00 Uhr

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