Ausstellung in Stuttgart

So heiß sind die Nächte in New York City

Queere Kultur in New York City ist gefährdet – der Maler James Bartolacci nimmt uns mit in die Nächte und die Clubs. Überzeugen die Bilder auch künstlerisch?

In der Galerie Thomas Fuchs in Stuttgart zu sehen: James Bartolacci mit dem Bild „E“, 2025

© James Bartolacci/Galerie Thomas Fuchs

In der Galerie Thomas Fuchs in Stuttgart zu sehen: James Bartolacci mit dem Bild „E“, 2025

Von Nikolai B. Forstbauer

Aus neon-artigen Tönen und in neon-artigen Tönen, entwickelt jedoch aus Ölfarben mit hoher Sättigung, treten die Figuren in James Bartolaccis Bildern auf. Körper der Nacht sind zu sehen. Sie drehen sich ins Licht, verlieren sich im Rhythmus von House und Techno. James Bartolacci? 1988 in Easton im US-Staat Pennsylvania geboren, lebt der Maler heute in London. International gefragt, sind seine Bilder nun als Solo-Deutschland-Premiere in Stuttgart zu sehen – präsentiert von der Galerie Thomas Fuchs. Eröffnet wird die Schau am Freitag, 13. Februar, in den Räumen in der Augustenstraße 63.

Der Ausstellungs-Titel ist doppeldeutig

In diesen Tagen, Wochen und Monaten wird auch dieser Titel doppeldeutig: „Goodnight, New York“. Begrüßen trifft Verabschieden, die Freude des Ankommens trifft den Schmerz möglichen Verlustes. Bartolacci, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder in den Clubs von New York City bewegte, beantwortet die Frage, was eigentlich politische Kunst ist, auf eigene Weise. Und mögen die Einzelporträts auch mitunter überkonstruiert sein – in den Gruppenszenen spielt James Bartolucci virtuos auf der Klaviatur klassischer Malerei. Langsame, Schicht um Schicht aufgetragene Ölmalerei als Instrument, das Tempo der Nacht einzufangen – schon das ein Widerspruch. Wie auch inmitten der Körper das Vermeiden allen Körperkults.

Eher vorsichtig nähert sich Bartolacci seinen Protagonisten – und im besten, aus tiefem Blau entwickelten Bild der Ausstellung in den lichten Räumen der Galerie Thomas Fuchs in der Augustenstraße 63 tritt uns gelebtes Leben – mit allen Furchen von Höhenflügen und Abstürzen – entgegen.

Es ist eine Welt eben gerade nicht gespielter Jugendlichkeit, es ist eine Welt der Erwachsenen in „444 Club, Some Time Ago“ von 2025 – nicht anders als das ganz aus Grün-Abstufungen erarbeitete Bild „E“. „Ich möchte diese Orte mit einer gewissen Ehrfurcht darstellen“, sagt James Bartolacci über die Clubs, „zumal viele queere Orte im Laufe der Jahre schließen müssen“. Und „neben Ekstase“ will er auch dies zeigen: „Momente der Intimität, Verbundenheit und Zugehörigkeit, aber auch Einsamkeit, Isolation oder das Gefühl, nicht dazuzugehören.“

Der Maler James Bartolacci hat New York 2024 verlassen

Der vielfache Abschied in diesen Bildern erklärt sich gleichermaßen politisch wie gesellschaftlich – aber auch biografisch. Bartolacci hat New York im Mai 2024 verlassen, er blickt zurück und lässt uns spüren, dass mit den Nächten in den Clubs unwiderbringlich etwas verloren gegangen ist. Will er bei alldem in den neuen Einzelporträts zu viel? Weniger gelebtes Leben ist hier zu spüren, mehr eine erhoffte Rolle. Und so ist es wie mitunter auch in herausragenden Filmen: So unmissverständlich James Bartolacci in seinen Gruppen seine Helden der Nacht zentral stellt, beflügelt werden diese Szenen durch gänzlich im Leben stehende Nebenrollen.

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Erstellt:
5. März 2026, 12:48 Uhr

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