Zwischen Rentenerhöhung und Grundsicherung

So ist die wirtschaftliche Lage von Deutschlands Rentnern

Gute Nachrichten für Millionen  Rentner: Ihre Bezüge steigen im Sommer mehr als gedacht und stärker als die Inflation. Und doch: Viele Senioren sind auf Grundsicherung angewiesen.

Mit der vorgesehenen Erhöhung um 4,24 Prozent steigen die Renten wohl spürbar stärker als die Inflation. Zu Jahresbeginn hatten die Verbraucherpreise um 2,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats gelegen.

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Mit der vorgesehenen Erhöhung um 4,24 Prozent steigen die Renten wohl spürbar stärker als die Inflation. Zu Jahresbeginn hatten die Verbraucherpreise um 2,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats gelegen.

Von Markus Brauer/dpa

Die Bezüge für die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland steigen zum 1. Juli um 4,24 Prozent. Das hat das Bundesarbeitsministerium in Berlin mitgeteilt. Nach der aktuellen Berechnung aufgrund der Daten des Statistischen Bundesamtes und der Rentenversicherung steigen die Renten damit deutlich stärker, als noch im Herbst prognostiziert.

„Gute Nachricht“ für Rentner

Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) spricht von einer „guten Nachricht“ für die Rentner. Infolge der Erhöhung steigt zum Beispiel eine monatliche Rente von 1000 Euro um gut 42 Euro. Verantwortlich für die Erhöhung macht Bas die gute Lohnentwicklung. Die gesetzliche Rente sei verlässlich. „Durch die Kopplung der Renten an die Löhne stellen wir sicher, dass die Rentner an der Wohlstandsentwicklung der arbeitenden Bevölkerung teilhaben.“

Bas, die zugleich SPD-Co-Vorsitzende ist, ergänzt: „Ordentliche Renten sind kein Luxus, sondern eine Frage der Leistungsgerechtigkeit für die Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben.“

Wie die Erhöhung berechnet wird

Bei der Erhöhung spielt auch die schwarz-rote Rentenreform eine Rolle, die nach langem Streit vor Weihnachten beschlossen wurde und teils zu Jahresbeginn in Kraft getreten war. Die Haltelinie für das Rentenniveau wurde damit verlängert und bis 2031 bei 48 Prozent fixiert.

Diese Haltelinie beschreibt das Sicherungsniveau der Rente im Verhältnis zu den Einkommen und hatte nur bis 2025 gegolten. Nun werde diese Haltelinie bei der Berechnung der Rentenerhöhung, konkret der Festsetzung des aktuellen Rentenwerts, berücksichtigt, erläuterte das Ministerium. Erstmals hatte sie 2024 gegriffen.

Maßgeblich für die Erhöhung ist laut Ministerium die Lohnentwicklung von 4,25 Prozent, errechnet vom Statistischen Bundesamt. Insgesamt ergibt sich damit eine Anhebung des aktuellen Rentenwerts zum 1. Juli 2026 von gegenwärtig 40,79 Euro auf 42,52 Euro. So kommt die prozentuale Rentenanpassung zustande.

Der Rentenwert ist dabei der Betrag, der einer monatlichen Rente aus Beiträgen eines Durchschnittsverdieners für ein Jahr entspricht. Für eine Standardrente bei durchschnittlichem Verdienst und 45 Beitragsjahren bedeutet diese Rentenanpassung einen Anstieg um 77,85 Euro im Monat, so das Ministerium.

Renten folgen den Löhnen

Im Prinzip bedeutet die Haltelinie, dass der Bund das Geld zuschießt, das nötig ist, um die Renten mit den steigenden Einkommen Schritt halten zu lassen, obwohl immer mehr Menschen der Generation Babyboomer in Rente gehen.

Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, begrüßt die angekündigte Rentenerhöhung. „Damit erfüllen wir erneut ein zentrales Leistungsversprechen der gesetzlichen Rentenversicherung: Die Renten folgen den Löhnen.“

Umgesetzt werden soll die Anpassung mit einer Verordnung, die im Kabinett beschlossen werden soll. Nach der Zustimmung im Bundesrates soll sie am 1. Juli 2026 in Kraft treten.

Mit der vorgesehenen Erhöhung steigen die Renten wohl spürbar stärker als die Inflation. Zu Jahresbeginn hatten die Verbraucherpreise um 2,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats gelegen. Vor allem Preise für Lebensmittel und Benzin steigen. Unklar ist, wie sich der aktuelle Konflikt im Nahen Osten konkret auf die Verbraucherpreise auswirken wird.

Risiken und Pläne dagegen

Ungeachtet des finanziellen Drucks, der wegen der Alterung der Gesellschaft prinzipiell auf der Rente lastet, ist die Rentenkasse nach jüngsten Aussagen des Bundesvorstands der Rentenversicherung derzeit generell gut aufgestellt.

In den kommenden Jahren gibt es demnach aber finanzielle Risiken. Die Rentenausgaben sollen wegen erwarteter Rentenerhöhungen und einer Zunahme der Zahl der Älteren immer mehr steigen.

So soll der zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragene Beitragssatz – heute 18,6 Prozent – in den kommenden Jahren nach oben gehen. Als ersten Beitragsanstieg seit 2007 war dabei zuletzt ein Sprung auf 19,8 Prozent im Jahr 2028 vorhergesagt worden.

89 Prozent der steigenden Beitragseinnahmen der Rentenkasse von rund 321 Milliarden Euro entfielen 2025 auf Pflichtbeiträge aus Erwerbstätigkeit. Mehr als 120 Milliarden Euro insgesamt sollen im laufenden Jahr vom Bundeshaushalt an die gesetzliche Rentenversicherung fließen.

Reformvorschläge im Sommer

Um die Rente auskömmlich, aber auch bezahlbar zu halten, arbeitet derzeit eine Kommission der Bundesregierung an einem Reformplan. Zum Ende des zweiten Quartals 2026 soll sie Vorschläge vorlegen. Von den Vertretern der Koalitionsfraktionen und der Wissenschaft in dem Gremium ist bekannt, dass sie teils sehr unterschiedliche Reformvorstellungen haben.

Ökonomen hatten gewarnt, die staatlichen Ausgaben für die Rentenversicherung wüchsen durch die schwarz-roten Rentengesetze und die immer zahlreicheren Babyboomer immer weiter.

Alterseinkünfte sind bei meisten Haupteinkommen

Im Ruhestand hat jeder oder jede Fünfte in Deutschland höchstens 1400 Euro netto im Monat zur Verfügung. Ein weiteres Fünftel der Ruheständler über 65 Jahren verfügt über monatlich 1400 Euro bis 1790 Euro, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag (2. Oktober) mitgeteilt hat. Die 20 Prozent der Älteren mit dem höchsten Einkommen haben monatlich mehr als rund 2870 Euro netto.

Das Einkommen von Rentnerhaushalten besteht überwiegend aus Alterseinkünften. Bei Haushalten, in denen ausschließlich Ruheständler lebten, machten Renten und Pensionen im Jahr 2024 durchschnittlich 92 Prozent des Einkommens aus.

Fünf Prozent waren Einnahmen aus Vermögen, zwei Prozent stammten aus Erwerbstätigkeit und ein Prozent aus Transferzahlungen wie etwa Grundsicherung im Alter.

Frauen hatten mit durchschnittlich 1720 Euro brutto um etwa ein Viertel geringere Alterseinkünfte als Männer mit rund 2320 Euro. Ein Grund ist demnach die geringere Erwerbstätigkeit von Frauen. Dieser sogenannte Gender Pension Gap verkleinerte sich zuletzt etwas.

Lag er 2021 noch bei knapp 30 Prozent, waren es 2024 rund 26 Prozent. Zu den Alterseinkünften zählen Altersrenten und -pensionen, Hinterbliebenenrenten und -pensionen sowie Renten aus individueller privater Vorsorge.

Immer mehr Rentner auf staatliche Hilfe angewiesen

Eine wachsende Zahl von Rentnern ist auf staatliche Unterstützung angewiesen. Knapp 739.000 Menschen erhielten zum Jahresende 2024 Grundsicherung im Alter. Das heißt, sie können ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen bestreiten.

Die Zahl der Betroffenen stieg 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent und gegenüber 2020 um 31 Prozent. Ein Grund dafür ist laut Statistikbehörde die Zahl leistungsberechtigter Ukrainer.

Wer erhält im Alter Grundsicherung?

Grundsicherung im Alter können alle Menschen beantragen, deren Einkünfte nicht ausreichen, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Der Regelsatz entspricht dem der Grundsicherung.

Betroffen sind vor allem Rentner, die angesichts der Preisexplosionen in die Altersarmut rutschen. Die Dunkelziffer ist dabei deutlich höher, da viele Betroffene aus Scham nicht zum Sozialamt gehen.

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Erstellt:
6. März 2026, 12:36 Uhr

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