CO2-Preis im Gebäudebereich

So teuer wird Heizen ab 2028

Der ab 2028 geplante EU-weit einheitliche CO2-Preis für den Gebäude- und Verkehrssektor wird die Heizkosten von 100 Millionen Haushalten in der Europäischen Union verändern. Dabei sind die Auswirkungen in den Ländern der EU durchaus unterschiedlich

Energieausweis für Gebäude: Während in Deutschland ab 2028 die zusätzlichen Belastungen begrenzt sind und skandinavische Haushalte gar entlastet werden könnten, würden in einigen mittel- und osteuropäischen Regionen die Kosten „spürbar“ steigen.

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Energieausweis für Gebäude: Während in Deutschland ab 2028 die zusätzlichen Belastungen begrenzt sind und skandinavische Haushalte gar entlastet werden könnten, würden in einigen mittel- und osteuropäischen Regionen die Kosten „spürbar“ steigen.

Von Markus Brauer/AFP

Das ab 2028 geltende einheitliche Preissystem für klimaschädliche Emissionen im Gebäudebereich wirkt sich einer Studie zufolge auf die Heizkosten in der EU aus – allerdings höchst unterschiedlich.

Kosten steigen spürbar

Während in Deutschland die zusätzlichen Belastungen begrenzt seien und skandinavische Haushalte gar entlastet werden könnten, würden in einigen mittel- und osteuropäischen Regionen die Kosten „spürbar“ steigen, hat die Bertelsmann-Stiftung am Donnerstag (22. Januar) mitgeteilt. Dies lasse sich jedoch über die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung abfedern.

Hintergrund ist, dass Wohngebäude rund ein Drittel des Treibhausgasausstoßes in der EU verursachen und die Emissionen im Gebäudebereich nicht schnell genug sinken, um die von der EU gesteckten Klimaziele zu erreichen. Deshalb soll das Emissionshandelssystem, das Anreize zur Verringerung des Ausstoßes schaffen soll, ab 2028 auch auf den Gebäudesektor ausgeweitet werden (ETS2).

100 Millionen Haushalte in der EU betroffen

Auswirken würde sich das der Bertelsmann-Stiftung zufolge auf die Heizkosten von 100 Millionen Haushalten in der Europäischen Union:

  • In Deutschland und anderen west- und nordeuropäischen Mitgliedsstaaten, wo es bereits jetzt einen CO2-Preis im Gebäudebereich gibt, würden die Kosten bei einem zu erwartenden Einstiegspreis von etwa 60 Euro pro Tonne CO2 demnach um durchschnittlich 17 Euro pro Jahr und Haushalt steigen.
  • In Portugal, Irland, Dänemark und Schweden könnte das Heizen sogar billiger werden, da der CO2-Preis dort schon jetzt oberhalb von 60 Euro je Tonne liegt.
  • In Polen, Ungarn, der Slowakei und weiteren osteuropäischen Staaten sieht es hingegen anders aus: Dort sei die Dekarbonisierung des Gebäudesektors noch nicht weit vorangeschritten, erklärt die Bertelsmann-Stiftung. Auch gebe es noch keinen CO2-Preis und die Haushalte verfügten über geringere Einkommen.
  • Entsprechend größer wäre demnach der Effekt der EU-weiten Einführung: Bei 60 Euro pro Tonne CO2 werde sich das Heizen für einen Haushalt dort deutlich verteuern – im Durchschnitt zwischen 100 und rund 400 Euro im Jahr.

Effektive Ausgleichsmechanismen nötig

Damit stark betroffene Haushalte durch die Mehrkosten für fossiles Heizen nicht überlastet werden, sind den Studienautoren zufolge effektive Ausgleichsmechanismen nötig.

„Mit den Einnahmen aus dem CO2-Preis ist allerdings genug Geld vorhanden, um diese Unterstützung zu leisten, wenn die Mitgliedstaaten das Geld treffsicher ausgeben“, erläutert der Experte der Bertelsmann Stiftung für europäische Wirtschaftspolitik, Thomas Schwab. Die EU-Kommission müsse „sehr genau darauf achten, dass stark betroffene Haushalte tatsächlich unterstützt werden“, mahnt er.

Umstieg auf klimafreundliche Alternativen wird teuer

Studien-Co-Autorin Sara Hagemann weist zudem darauf hin, dass die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung zwar ausreichen, um die unmittelbaren Mehrbelastungen für besonders betroffene Haushalte abzufedern.

„Aber sie werden nicht reichen, um auch den Umstieg auf klimafreundliche Alternativen wie etwa Wärmepumpen oder den Anschluss an das Fernwärmenetz großflächig zu unterstützen“, konstatiert sie. „Dafür wird es zusätzliche Förderprogramme brauchen, die durch die Mitgliedstaaten finanziert werden.“

In Deutschland lag nationale Preis pro Tonne ausgestoßenes CO2 durch die Verbrennung von Heizöl, Erdgas, Diesel und Benzin im Jahr 2025 bei 55 Euro pro Tonne. Seit Anfang dieses Jahres werden Zertifikate zu einem Preis zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne CO2 versteigert.

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Erstellt:
22. Januar 2026, 13:36 Uhr

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