Debatte um Jagd

So viele Wölfe gibt es in Baden-Württemberg

Die Wolfspopulation in Deutschland hat in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen. Dabei gibt es große regionale Unterschiede. Wie viele Tier gibt es derzeit in Baden-Württemberg?

In Deutschland gibt es aktuell schätzungsweise rund 1630 Wölfe.

© Christian Charisius/dpa

In Deutschland gibt es aktuell schätzungsweise rund 1630 Wölfe.

Von Michael Bosch

Ist der Wolf in Deutschland zunehmend ein Problem? Ja, sagen die einen und verweisen auf die gestiegene Zahl an Tieren und Rudeln in Deutschland sowie die damit einhergehenden Probleme – vor allem für Landwirte. Nein, meinen die anderen und warnen vor Gefahren für den Artenschutz. Im Bundestag wurde in dieser Woche erstmals über eine Änderung des Bundesjagdgesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes beraten. Die EU hatte entsprechende Gesetze schon im vergangenen Jahr erlassen.

Der Vorschlag: der Wolf soll so künftig als „jagdbare Tierart“ gelten. In Gegenden, in denen es viele Wölfe gibt, dürfen sie von Juli bis Oktober geplant abgeschossen werden. „Es geht um den Schutz von Weidetieren“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) zu dem Vorhaben der Bundesregierung. Wölfe, die beispielsweise Schafe gerissen haben, können bereits jetzt schon theoretisch abgeschossen werden, die Hürden sind jedoch sehr hoch.

Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland?

Der Wolf war in Deutschland spätestens im 19. Jahrhundert ausgerottet, seit dem Jahrtausendwechsel wächst die Population wieder. Die Zahl der Tiere und Rudel variiert dabei von Region zu Region stark. Im Norden und Osten Deutschlands haben sich besonders viele Wolfsrudel angesiedelt. Die meisten leben nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Zahl der Wölfe in Europa hat sich binnen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Im Jahr 2023 sollen es 20.300 Tiere gewesen

Wie viele Wölfe gibt es in Baden-Württemberg?

In Baden-Württemberg gelten derzeit vier Tiere als „sesshaft“. Das bedeutet, dass sie mindestens sechs Monate im gleichen Gebiet nachgewiesen werden konnten. In den vergangenen zehn Jahren wurde 27 verschiedene Tiere im Land nachgewiesen, die aber größtenteils weiterzogen.

Zwei männliche Wölfe leben nun im Nordschwarzwald: Ein Wolf mit der Bezeichnung GW852m im Territorium Enztal. Ein weiterer Wolf mit der Bezeichnung GW2672m im Territorium Hornisgrinde. Der dritte Wolf GW1129m, ebenfalls ein Rüde, lebt im Südschwarzwald im Territorium Schluchsee. Ein weiterer Rüde (GW4389m) hat ebenfalls im Südschwarzwald (Territorium Ostbaar) sein Revier gefunden. Die Wölfe stammen aus Niedersachsen und Österreich.

Welche Schäden richten Wölfe an?

Die Bundesregierung hebt die Wiederansiedlung des Wolfs als „Erfolg der Artenschutzpolitik“ hervor, betont jedoch zugleich die Probleme, die damit einhergehen. Nach offiziellen Angaben gab es im Jahr 2024 rund 1100 Angriffe von Wölfen auf Nutztiere, bei denen rund 4300 Nutztiere gerissen oder verletzt wurden, meist Schafe. Den Landwirten wurden dafür 780.000 Euro an Entschädigung ausgezahlt. Zugleich wurden 23,4 Millionen Euro für Herdenschutzmaßnahmen ausgegeben.

Was sagt die Politik in BW zum Wolf?

„Eine Regulierung der Bestände ist ökologisch nicht erforderlich“, schreibt das Umweltministerium zum Wolf im Südwesten. Die Tiere werden in Zusammenarbeit mit angrenzenden Bundesländern eng beobachtet und ein sogenanntes Wolf-Monitoring betrieben. Mögliche Erleichterungen beim Abschuss von Problemwölfen zielten auf Länder mit größeren Wolfspopulationen, hatte Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) bereits vor eineinhalb Jahren zu dem Thema gesagt. Daran dürfte sich nicht groß etwas geändert haben. Damals waren drei Wölfe in Baden-Württemberg heimisch.

Zuletzt mehrten sich Berichte aus dem Nordschwarzwald, wonach Menschen immer wieder Tieren direkt begegnet seien. Eine echte Gefahr geht von den Tieren dabei nicht aus – das betont auch das Umweltministerium. Dennoch sollte man sich bewusst sein, dass es sich um „wehrhafte Wildtiere“ handelt. Weitere Informationen stellt das Umweltministerium auf einer Themenseite zur Verfügung.

Mit Material von dpa und AFP.

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Erstellt:
15. Januar 2026, 16:54 Uhr

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