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Solarenergie und vegane Lasagne

Serie Unser ökologischer Rucksack (6 und Schluss): Nachdem die Sators alle Bereiche ihrer CO2-Bilanz genauer unter die Lupe genommen haben, ziehen sie Bilanz. Nicht alle Tipps lassen sich im Alltag einfach umsetzen.

Auf dem Dach ihres Hauses haben die Sators im Frühjahr eine Solaranlage installieren lassen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Auf dem Dach ihres Hauses haben die Sators im Frühjahr eine Solaranlage installieren lassen. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Im November vergangenen Jahres haben wir mit Familie Sator aus Backnang-Maubach das Klimaexperiment „Unser ökologischer Rucksack“ gestartet. Die dreiköpfige Familie hat mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes den eigenen ökologischen Fußabdruck errechnet und in der Folge der Reihe nach die verschiedenen Bereiche dessen unter die Lupe genommen, um nach Verbesserungspotenzial zu suchen. In den vergangenen acht Monaten haben die Sators sich in den Bereichen Ernährung, Energie und Heizen, Mobilität und Konsum informiert und Alternativen ausprobiert. Manche Tipps sind inzwischen zu einem festen Bestandteil ihres Alltags geworden, in anderen Bereichen ließen sie sich nur schwer umsetzen.

Heizen und Strom: Mit 0,35 Tonnen C02 im Jahr im Bereich Energie lagen die Sators schon zu Beginn des Experiments deutlich unter dem deutschen Durchschnitt von 2,4 Tonnen. Dennoch haben sie gemeinsam mit Energieberater Uwe Schelling nach Möglichkeiten gesucht, den Verbrauch weiter zu senken. Die Heizungseinstellungen lassen sich bei Sators nicht so einfach verstellen, da sie an ein kleines Blockheizkraftwerk angeschlossen sind, dessen Einstellungen für mehrere Haushalte gelten. Bei der nächsten Eigentümerversammlung wolle man aber den Vorschlag vorbringen, diese zu überprüfen und eventuell zu optimieren, sagt Benedikt Sator. Weitere Tipps des Experten haben er und seine Frau schon umgesetzt: Dass sie die Heizung beispielsweise schon eine Viertelstunde vor dem Lüften ausstellen und die Restwärme nutzen, oder dass sie die Lüftung im Haus abschaltbar machen und nur einsetzen, wenn sie auch wirklich gebraucht wird. Das Dämmen des Kellerraums steht bei den Sators außerdem auf der Vorhabenliste – das soll noch vor dem Winter angegangen werden.

Das wohl größte Projekt haben die Sators jedoch im Frühjahr umgesetzt: Sie haben sich eine Solaranlage auf dem Dach installieren lassen. „Die Idee war schon vorher da, aber das Klimaexperiment hat dem noch mal einen Anstoß gegeben“, sagt Benedikt Sator. Wenn er eine Leitung zum Stellplatz für das Auto verlegen kann, sei sogar die Anschaffung eines E-Autos denkbar.

Mobilität: Fahrten mit dem Auto und Flugreisen – beides gehört zu Benedikt Sators Job in der Automobilbranche dazu. Dementsprechend lag sein CO2-Ausstoß im Bereich Mobilität deutlich über dem deutschen Durchschnitt. Knapp 6,8 Tonnen schlugen für ihn im Jahr zu Buche, verglichen mit durchschnittlich 2,2 Tonnen, die der Rechner des Umweltbundesamts als Richtwert ausgibt. Michaela Sator hingegen lag schon zu Beginn unseres Experiments deutlich unter dem Durchschnitt. Der Versuch, im Alltag auf das Auto zu verzichten, fiel ihr demnach auch wesentlich leichter. Der Einkauf im Bioladen ließ sich mit dem Fahrrad erledigen und auch die Busverbindung in die Backnanger Innenstadt war zufriedenstellend. Für Benedikt Sator stellte sich die Situation allerdings anders dar: Die Flugreisen im Zuge seiner Arbeit konnte er nicht vermeiden, also setzte er beim Autofahren an. Nur: Mit dem ÖPNV brauchte er zur Arbeit viermal so lange wie mit dem Auto. Das Rad ist eine Alternative – wenn das Wetter es zulässt.

Eine unerwartete Wende brachte in dieser Hinsicht die Coronapandemie. „In den letzten drei Monaten war ich nur zweimal am Arbeitsplatz und Flugreisen sind ganz weggefallen“, erzählt der Familienvater. Zwar werde das keine langfristige Entwicklung sein, die guten Erfahrungen mit dem Homeoffice haben aber auch im Unternehmen Anstoß für grundsätzliche Diskussionen gegeben. „Warum sollte das nicht auch künftig möglich sein? Das würde den Verkehr entlasten.“

Unabhängig davon haben sich die Sators aber auch über die eigene Mobilität Gedanken gemacht und versuchen verstärkt darauf zu achten, ob manche Fahrten nicht doch vermeidbar sind, oder ob verschiedene Fahrten kombinierbar sind, sagt Mama Michaela. Und da Tochter Jule inzwischen gut und gerne Fahrrad fährt, ist das sonntägliche Brötchenholen nun eine Radtour mit dem Papa statt einer Autofahrt geworden. Mittelfristig überlegen die Sators außerdem, ob sie künftig auch mit einem Auto anstatt zweien auskommen.

Ernährung: Auch in puncto Ernährung hatte Mama Michaela bei der individuellen CO2-Bilanz die Nase vorn: Als Vegetarierin lag sie gut 0,4 Tonnen unter dem deutschen Durchschnitt. Papa Benedikt lag als Mischköstler knapp 0,35 Tonnen darüber. Wir haben das Paar zusammen mit Tochter Jule zum veganen Kochkurs mit Zsuzsa Banvölgyi-Stadler geschickt. Die „Leckerschmecker-Küchenfee“, wie sie sich nennt, hat sich auf veganes Catering spezialisiert und gab der Backnanger Familie zahlreiche Tipps für einfache vegane Gerichte.

„Die Lasagne habe ich schon ganz oft nachgekocht“, berichtet Michaela Sator nun. Und ob sie nun herkömmliche Sahne oder eine Hafervariante für Soßen und Suppen nehme – „den Unterschied merkt niemand“. Insofern habe sie Teile der Küche veganer gemacht. Der Trick sei, den Leuten im Vorfeld gar nicht erst zu sagen, dass ein Gericht vegan ist, denn dann reagierten viele Menschen ablehnend. Als kürzlich Freunde der Tochter Jule zu Besuch kamen, habe sie einen veganen Schokoladenkuchen gebacken, erzählt Michaela Sator. „Den haben die Kinder verputzt, ohne dass ihn jemand komisch fand.“ Auch Benedikt Sator findet: „Bei manchen Gerichten schmeckt man es raus, bei anderen gar nicht.“ Die Zimtschnecken seien vegan genauso gut wie herkömmlich. Der Milchreis mit einer Getreidemilch hat den Ingenieur hingegen nicht überzeugt. Die Familie hat für sich ein gutes Maß gefunden und probiert immer wieder Neues aus: „Man muss es ja nicht immer zu 100 Prozent durchziehen, aber mit Reduzieren ist schon viel geholfen“, sagt Michaela Sator.

Sonstiger Konsum: Während die Mittel zur Reduktion von C02-Emissionen in den anderen Bereichen relativ klar sind, stellte sich der Aspekt des sonstigen Konsums im Laufe des Klimaexperiments als schwierigster heraus. Unter diese Kategorie fallen laut Umweltbundesamt Ausgaben für Bekleidung, Schuhe, Möbel, Haushaltsgeräte und Elektronik, aber auch für Dienstleistungen, für Freizeit- und Urlaubsaktivitäten, Gesundheit und Bildung. Im Weissacher Repair-Café versuchten die Sators, defekte Geräte zu retten und schauten sich zudem im Secondhand- und Upcycling-Bereich des Klima-Kultur-Zentrums um.

Nur eines von drei mitgebrachten Geräten ist im Anschluss repariert, die Sators wissen auch, woran es oftmals liegt: „Viele neue Geräte sind gar nicht darauf ausgelegt, dass man sie repariert, sie werden als Wegwerfartikel hergestellt“, bedauert Michaela Sator. Da stoßen dann auch die Experten im Repair-Café an ihre Grenzen. Benedikt Sator, der selbst ein Händchen für solche Dinge hat, erzählt davon, dass kürzlich der Staubsauger kaputt gegangen ist. „Der war einfach nicht zu reparieren.“ Die Familie habe schon vor dem Klimaexperiment versucht, wenig zu verschwenden. „Ich achte sehr darauf, dass die Dinge, die ich kaufe, auch lange halten oder zumindest einen langen Garantiezeitraum haben“, sagt Michaela Sator. Und solle ein Gerät kaputt gehen, ist ein Rettungsversuch im Repair-Café immer noch eine Möglichkeit.

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Erstellt:
27. Juni 2020, 06:00 Uhr

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