Corona-Zahlen steigen weiter - Regierung mahnt zur Vorsicht

dpa Berlin. In relativ kurzer Zeit sind wichtige Corona-Kennziffern wieder nach oben gegangen - doch was heißt das jetzt für den Pandemie-Alltag in Deutschland? Der Bund pocht vorerst auf schon geltende Schutzregeln.

Bundesgesundheitsminister Spahn: „Auch ich sage beständig, wie viele andere auch, wir brauchen in Herbst und Winter weiterhin Vorsichtsmaßnahmen.“. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Bundesgesundheitsminister Spahn: „Auch ich sage beständig, wie viele andere auch, wir brauchen in Herbst und Winter weiterhin Vorsichtsmaßnahmen.“. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Angesichts weiter steigender Corona-Zahlen wirbt die Bundesregierung erneut für mehr Impfungen und mahnt zur Vorsicht im Herbst und Winter. Die Pandemie sei „überhaupt noch nicht vorbei“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Man sei daher sehr gut beraten, bestehende Zugangsregeln nur für Geimpfte, Genesene und Getestete (3G) in Innenräumen durchzusetzen und Vorgaben zu Abstand und Masken ernst zu nehmen. Wer im Sommer glaubte, das sei jetzt nicht mehr so wichtig, werde vielleicht durch die steigenden Fallzahlen der vergangenen Tage und Wochen eines Besseren belehrt. Von möglichen zusätzlichen Schutzvorgaben war vorerst nicht die Rede.

Tendenz steigend bei den Fallzahlen

Bei den Neuinfektionen und der Krankenhausbelastung gebe es eine „deutlich steigende Tendenz“, sagte der Regierungssprecher. Die Zahl der gemeldeten neuen Fälle pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen liegt laut Robert Koch-Institut (RKI) nun bundesweit bei 110,1. Am Vortag hatte diese Sieben-Tage-Inzidenz 106,3 betragen, vor einer Woche 74,4. Dabei gibt es große regionale Unterschiede - von jetzt 53,0 im Saarland bis 224,3 in Thüringen. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner in sieben Tagen stieg laut RKI auf 2,77. Einen einheitlichen Wert, ab wann die Lage kritisch ist, gibt es nicht. Der bisherige Höchstwert lag bei 15,5.

Die Bundesregierung verwies auf eine immer noch vergleichsweise große Zahl von Ungeimpften. Zudem gebe es nun mehr Kontakte in Innenräumen und stärkere Reisetätigkeit wegen der Herbstferien. Das RKI berichte auch von mehr Corona-Ausbrüchen in Einrichtungen wie Pflegeheimen, sagte Seibert. Daher sollten Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen angebotene Auffrischungsimpfungen jetzt wahrnehmen. Generell sollte sich jeder, der könne, impfen lassen. „Je höher die Impfquote, desto besser werden wir gemeinsam durch den Herbst und den Winter kommen.“

Vollständig mit der meist nötigen zweiten Dosis geimpft sind laut RKI 55,07 Millionen Menschen oder 66,2 Prozent der Bevölkerung. Fast 57,5 Millionen Menschen oder 69,1 Prozent aller Einwohner sind mindestens einmal geimpft. Auffrischungsimpfungen haben 1,57 Millionen Menschen erhalten. Die Ständige Impfkommission empfiehlt diese unter anderem für Menschen ab 70 Jahre und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

SPD im Gespräch über neue Regelungen

Für Corona-Maßnahmen bis in den Winter hinein peilt die SPD eine neue rechtliche Basis an. Fraktionschef Rolf Mützenich sagte in Berlin, mit den möglichen künftigen Koalitionspartnern FDP und Grünen sei die SPD im Gespräch über neue Regelungen im Infektionsschutzgesetz. Dies solle die Länder in die Lage versetzen, weiter auf Herausforderungen reagieren zu können. Eine nochmalige Verlängerung der „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ um drei Monate werde nicht angepeilt.

Der Bundestag hatte diese Sonderlage Ende August für weitere drei Monate verlängert. Sie läuft automatisch Ende November aus, wenn das Parlament sie nicht erneut verlängert. Die festgestellte Lage ist laut derzeitigem Infektionsschutzgesetz eine Basis für Verordnungen zu Maßnahmen wie Maskenpflicht, Abstands- und Kontaktbeschränkungen oder zur Impfstoffbeschaffung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte ein Auslaufen der „epidemischen Lage“ befürwortet, pochte im ZDF am Sonntagabend aber auf weiter nötige Vorsichtsmaßnahmen.

Lauterbach fürchtet vermehrt Ansteckung bei Kindern

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach warnte vor stark steigenden Infektionszahlen bei Kindern. „Wir werden nach den Herbstferien deutlich mehr Ausbrüche in den Schulen erleben, weil die Kinder nicht mehr lange lüften können“, sagte er mit Blick auf den Winter dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Auch in den Betrieben wird es Ansteckungsketten geben. Dasselbe gilt für Bars und Restaurants. Wir haben einen kontinuierlichen Anstieg zu erwarten.“

Lauterbach schlug folgendes Vorgehen an Schulen vor: „Dreimal in der Woche testen, das wäre mein Vorschlag, morgens mit Antigen-Tests, weil diese die vorherrschende Delta-Variante sehr zuverlässig erfassen.“ Dazu solle es fünf Testtage hintereinander für Kontaktpersonen von Infizierten geben. „So könnten wir die unkontrollierte Pandemie an den Schulen praktisch beenden.“

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, meinte: „Bundesweit betrachtet sind die Schulen in diesem Herbst in Sachen Gesundheitsprävention besser aufgestellt als vor einem Jahr, die Impfquote unter den Beschäftigten in den Schulen ist außerordentlich hoch.“ Sie kritisierte aber, dass viele Schulen immer noch nicht mit Luftfiltern ausgestattet seien.

© dpa-infocom, dpa:211024-99-721931/9

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: „Wir werden nach den Herbstferien deutlich mehr Ausbrüche in den Schulen erleben, weil die Kinder nicht mehr lange lüften können.“. Foto: Kay Nietfeld/dpa

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: „Wir werden nach den Herbstferien deutlich mehr Ausbrüche in den Schulen erleben, weil die Kinder nicht mehr lange lüften können.“. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Eine Tafel mit der Aufschrift „Innengastronomie - Nur 2G - geimpft - genesen“ steht in einem Gasthaus in Braunschweig. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Eine Tafel mit der Aufschrift „Innengastronomie - Nur 2G - geimpft - genesen“ steht in einem Gasthaus in Braunschweig. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Erstellt:
25. Oktober 2021, 00:16 Uhr

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