Spahn: „Es ist noch nicht vorbei“

dpa Berlin. RKI-Präsident Wieler und Bundesgesundheitsminister Spahn sind sich einig: Die Zahl der Corona-Infektionen muss weiter sinken. Was ist das Ziel für Deutschland?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat um Verständnis für die Verlängerung des Corona-Lockdowns geworben. Foto: Fabrizio Bensch/Reuters Pool/dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat um Verständnis für die Verlängerung des Corona-Lockdowns geworben. Foto: Fabrizio Bensch/Reuters Pool/dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler sehen derzeit keine Alternative zum Corona-Lockdown. Die Infektionszahlen würden zwar sinken, die Gesamtzahl der Todesfälle sei jedoch weiterhin hoch, so Spahn am Freitag in Berlin.

Die aktuellen Zahlen seien in den letzten Tagen ermutigend und gingen in die richtige Richtung, sagte der CDU-Politiker. Aber sie seien immer noch auf einem zu hohen Niveau. Knapp 5000 Covid-Patienten auf der Intensivstation seien für das Gesundheitswesen unter Anspannung machbar, aber das könne kein Dauerzustand sein. „Es ist noch nicht vorbei, auch nach einem Jahr nicht, obwohl wir es uns alle wünschen.“

Die Zahl der Neuinfektionen war zuletzt deutlich gesunken. Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der neuen Fälle pro 100 000 Einwohner und Woche, gab das RKI am Freitag mit 115,3 an. Das ist der niedrigste Stand seit 1. November.

Auch RKI-Präsident Wieler sieht die derzeit sinkenden Zahlen positiv. Es gebe jedoch weiterhin hohe Todeszahlen. Mittlerweile sind laut RKI mehr als 50 000 Menschen in Deutschland an oder mit Corona gestorben. „Das ist eine bedrückende, für mich schier unfassbare Zahl“, sagte Wieler. Allein im Laufe des Donnerstags waren dem RKI 859 neue Fälle gemeldet worden.

Spahn warnte zudem vor zu frühen Lockerungen und wies wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Risiken durch neue Virusvarianten hin. Man wolle die Verbreitung soweit es geht minimieren und nicht zulassen. Der Gesundheitsminister sagte, es gebe Hoffnung. Das sei die Impfkampagne. „Wir befinden uns zwar auf dem Höhepunkt der Pandemie, und gleichzeitig haben wir den Weg raus aus der Pandemie begonnen“.

Trotz der sinkenden Zahlen sehen Spahn und Wieler eine Null-Covid-Strategie für nicht umsetzbar. „Das Modell sehe ich nicht auf Deutschland übertragbar“, sagte Spahn. Das Land liege in der Mitte eines Kontinents, in der Mitte der Europäischen Union, „deswegen sehe ich Null als dauerhafte Zielmarke nicht als das, was in einem Land wie Deutschland mit unserer Lage und Situation funktionieren kann“. Die Initiative „Zero Covid“ macht sich mit diesem Ziel gerade für einen kompletten Shutdown europaweit stark. „Je näher die Inzidenz an die Null-Inzidenz kommt, desto besser“, sagte Wieler.

Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI zuletzt 17.862 Neuinfektionen binnen eines Tages, wie aus RKI-Zahlen von Freitag hervorgeht. Vor genau einer Woche waren es 22.368. Der Höchststand von 33.777 registrierten Neuinfektionen binnen 24 Stunden war am 18. Dezember gemeldet worden - darin waren jedoch 3500 Nachmeldungen enthalten.

© dpa-infocom, dpa:210122-99-127833/4

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Erstellt:
22. Januar 2021, 10:56 Uhr

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