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Schüler, Studenten und Gastronomen wollen bei Ernte helfen

dpa/lsw Tettnang/Bruchsal. Den Bauern fehlen wegen der Corona-Krise Erntehelfer aus dem Ausland. Landwirte am Bodensee haben nun über das Internet helfende Hände gesucht - und sind überwältigt von der Reaktion. Auch andernorts im Südwesten wollen Menschen den Bauern helfen. Aber geht das so leicht?

Spargelernte in Hessen. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild

Spargelernte in Hessen. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild

Weil ihnen wegen der Corona-Krise die Erntehelfer aus dem Ausland fehlen, haben Bauern am Bodensee im Internet um Hilfe gerufen - und unzählige Angebote bekommen. Die Reaktionen seien weit zahlreicher gewesen als erhofft, sagte der Geschäftsführer des Maschinenrings Tettnang, Hubert Hengge, am Freitag. „Aktuell gibt es etwa 2000 Rückmeldungen unterschiedlichster Couleur. Von der Anfrage, wie die Arbeit ablaufen würde, über konkrete Angebote, dass sie helfen und arbeiten wollen, bis hin zu Beistand und mentaler Unterstützung unserer Aktion.“

Die Gruppe Bodensee-Bauern hatten Anfang der Woche über Facebook Helfer gesucht: „Lust auf Kontakt mit Mutter Erde? - Wir suchen dringend helfende Hände“, schrieben die Landwirte dort. Innerhalb kurzer Zeit hätten sich beispielsweise Studenten, Hausfrauen, Kurzarbeiter aus Hotellerie und Gastronomie und Selbstständige gemeldet, sagte Hengge. „Wir konnten bereits erste Arbeitsverträge zum Abschluss bringen, zum Beispiel zum Sortieren und Verpacken von Obst oder zu Frühjahrsarbeiten im Hopfenbau.“ Gemeinsam mit dem Bundesverband der Maschinenringe basteln die Landwirte an einer Jobbörse, die am kommenden Montag online gehen soll. Nach der Erprobungsphase werde sie dann bundesweit eingesetzt, sagte Hengge. „Sie ist mit Suchfunktionen ausgestattet und soll willige Helfer und Landwirte schnellstmöglich zusammenbringen.“ Die Plattform entstehe in Absprache mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Der Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, Simon Schumacher, berichtet ebenfalls von zahlreichen Hilfsangeboten - etwa von Schülern oder Studenten. „Wir sind dankbar, dass sich Leute anbieten.“ Es gebe verschiedene Online-Aktivitäten dazu, wie zum Beispiel die Facebookseite „@Ernteretter“. Das Problem sei der Mindestlohn, den die Bauern zahlen müssten. Um diesen erwirtschaften zu können, sei nach Arbeitsbeginn um 6.00 Uhr morgens zehn Stunden Höchstleistung auf den Feldern nötig. Außerdem sei nicht abzusehen, wie Nachfrage und Preise sich entwickelten.

Der Möglichkeit, junge Helfer als Praktikanten oder für ein Taschengeld zu beschäftigen, stehen nach Schumachers Angaben vom Freitag in Bruchsal rechtliche Hürden entgegen. Taschengeld sei nicht als Betriebsausgabe absetzbar. Praktikanten sind nur unter bestimmten Bedingungen vom Mindestlohn ausgenommen. Möglicherweise könnten doch noch Erntehelfer aus Rumänien nach Deutschland kommen. Die deutsche Grenze dürften sie inzwischen passieren, sagte Schumacher. Allerdings kämen sie nicht durch Ungarn durch. Flüge seien möglich, allerdings mangele es offenbar in Rumänien noch an den richtigen Informationen dazu. Die Landwirtschaftsverbände seien im Gespräch mit der Bundesregierung.

Spätestens Anfang April läuft nach Schumachers Angaben die Spargelsaison voll an. Im Mai, wenn die Erdbeeren geerntet werden müssen, werde sich die Lage noch einmal deutlich verschärfen.

Der Vorstand der Obst- und Gemüse-Vertriebsgenossenschaft Nordbaden, Hans Lehar, hat gewisse Bedenken beim Einsatz von Schülern und Studenten. Die Erfahrungen aus früheren Jahren mit der harten Feldarbeit - als Arbeitslose helfen sollten - seien nicht gut. Die Themen seien aber alle auf dem Tisch. „Es gibt viele Aktivitäten auf Bundesebene.“

In der Spargelregion Schwetzingen gab es Interessenten aus der Gastronomie. Aber die Verunsicherung ist groß, ob man den Spargel überhaupt verkaufen kann. Ein Bauer fürchtete beispielsweise, dass der Direktvertrieb über den Hofladen in absehbarer Zeit auch ausgesetzt wird.

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Erstellt:
20. März 2020, 12:02 Uhr

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