Debatte um Lifestyle-Arbeitnehmer
SPD-Vize weist Teilzeit-Vorschlag aus Union zurück
Viele Überstunden und kaum Lifestyle-Arbeitnehmer: Warum der SPD-Vize den CDU-Vorstoß zur Teilzeit für realitätsfern hält.
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Alexander Schweitzer (Archivbild)
Von red/dpa
Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Alexander Schweitzer hat mit Unverständnis auf den Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union reagiert, den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken. „Von Lifestyle-Arbeitnehmern sehe ich wenig in Deutschland und in meinem Land Rheinland-Pfalz, sondern ich sehe ganz viele Menschen, die gucken, dass Arbeit, Familie und alles, was ihnen wichtig ist, zusammenpasst“, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident am Montag im Deutschlandfunk.
Das zeigten auch veröffentlichte Zahlen. So seien 1,3 Milliarden Überstunden im Jahr 2023 registriert worden. Das seien Menschen in Vollzeit oder Teilzeit, „die Überstunden leisten, weil sie richtig fleißig sind“. Die Unterstellung aus der Union, „dass wir ein Volk der faulen Arbeitnehmer sind, hat ebenfalls mit den Realitäten nichts zu tun“, sagte Schweitzer.
„Tatsächlich ist es so: Viele Menschen, insbesondere Frauen und ältere Menschen, sind unfreiwillig in Teilzeit“, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmten oder das Unternehmen die benötigte Personal- und Arbeitszeitpolitik nicht anbieten könne.
Vorschlag: Teilzeit nur noch bei „besonderen Gründen“
Nach dem Vorschlag aus der Union soll es angesichts des Fachkräftemangels den Rechtsanspruch auf Teilzeit nur noch geben, wenn besondere Gründe vorliegen. Dazu zählt die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen und berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung. Das geht aus einem Antrag der MIT an den CDU-Bundesparteitag im Februar hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den zuvor der „Stern“ berichtete. Der Antrag trägt den Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“.
Schweitzer kritisierte, der Antrag der MIT gebe keine Antwort auf die entscheidende Frage, „wie man Menschen, die mehr arbeiten wollen, tatsächlich Mehrarbeit möglich macht“. Nötig sei etwa eine bessere Betreuung von Kindern tagsüber, um berufstätige Eltern zu entlasten.
Der Arbeitsmarktexperte Stefan Sell, Professor an der Hochschule Koblenz, sagte im Deutschlandfunk, es sei noch nie so viel gearbeitet worden wie zurzeit. Er bezweifelt, dass es eine nennenswerte Zahl an Lifestyle-Teilzeitbeschäftigten gibt. „Die Gruppe derjenigen, die es sich leisten können, nur Teilzeit zu arbeiten, die ist sehr, sehr gering, da reden wir vielleicht vom einstelligen Prozentbereich“, sagte Sell.
