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Spenden ermöglichen Wohnungskauf

Die Erlacher Höhe hat eine eigene Wohnung gekauft und an einen ehemaligen Bewohner des Aufnahmehauses vermietet.

Symbolbild: Imago

© imago stock&people

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Von Matthias Nothstein

GROSSERLACH. Seit Jahren macht Wolfgang Sartorius immer wieder darauf aufmerksam, wie schwierig es bestimmten Menschen gemacht wird, auf dem ersten Wohnungsmarkt eine Chance zu bekommen. Der Leiter der Erlacher Höhe hat dabei ganz besonders – aber nicht nur – jene Klientel im Auge, die in seiner Einrichtung lebt. Das sind Menschen, die im Laufe ihres Lebens nicht immer auf der Sonnenseite standen, ehemalige Wohnungslose, Suchtkranke, Menschen ohne Arbeit. Um solchen Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit zu ermöglichen, hat die Erlacher Höhe seit Jahren versucht, selbst eine Wohnung zu kaufen, die sie an ausgewählte, hoffnungsvolle Ehemalige vermieten könnte. Doch all die Jahre wurde die Erlacher Höhe nicht fündig. Die angebotenen Wohnungen waren zu teuer, zu alt oder hatten aufgrund ihres Zustands Folgekosten, die niemandem zuzumuten sind. Stichwort Heizungskosten.

Nun die frohe Kunde. Auch wenn es zeitweise schien, dass der Mangel an bezahlbarem Wohnraum das Kaufvorhaben unmöglich machen würde – jetzt hat es geklappt. Finanziert wird der Wohnungskauf unter anderem über eine Förderung der Glücksspirale und die Spendenaktion „BKZ-Leser helfen“. So konnte jetzt im Rems-Murr-Kreis ein Ein-Zimmer-Apartement für einen Menschen gekauft werden, der auf dem ersten Wohnungsmarkt keine Chance gehabt hätte.

Es ist ein bedeutender Schritt Richtung Eigenständigkeit, wenn man wieder ein eigenes Dach über dem Kopf hat. Karl Pold (40 Jahre alt, Name geändert) ist froh, diese Möglichkeit bekommen zu haben: „Vorher habe ich eineinhalb Jahre lang im Aufnahmehaus der Erlacher Höhe in Backnang gewohnt und habe lange nach einer Wohnung gesucht, aber nichts gefunden.“ Die Suche nach der eigenen Wohnung blieb erfolglos, bis sich der Wohnungsankauf der Erlacher Höhe verfestigte: „Die Wohnung ist mein Ein und Alles. Es ist so, dass ich mich jetzt einfach zufriedener fühle mit meiner Lebenssituation, und ich bin sehr froh, dass sich dies mit der Wohnung über die Erlacher Höhe ergeben hat.“

Nach der Scheidung folgten Jahre auf der Straße.

In den 90er-Jahren war der 40-Jährige mit seiner Familie aus Kasachstan nach Deutschland ausgewandert. Nach einigen Jahren mit seinen Eltern in Nordrhein-Westfalen zog er in den Stuttgarter Raum, um dort eine Ausbildung zum Schlosser zu absolvieren. Der Umzug schien geglückt und nach seiner Hochzeit zog er mit seiner Frau und den vier Kindern in den Rems-Murr-Kreis. Doch die Ehe scheiterte 2018, nachdem er seine Arbeit verloren hatte und sich immer mehr Schulden anhäuften. Auf die Trennung folgten Wohnungslosigkeit und ein Leben auf der Straße, bis sich für Karl Pold 2018 im Aufnahmehaus der Erlacher Höhe in Backnang eine Chance für einen Neuanfang bot.

Michael Belz, Teamleiter Wohnungslosenhilfe der Abteilung Ambulante Hilfen Rems-Murr der Erlacher Höhe, begleitet Karl Pold seit zwei Jahren. Er sagt: „Durch die Wohnung hat sich für Herrn Pold eine neue Chance aufgetan, eine Steigerung seiner Selbstständigkeit, die für Menschen, die von der Straße kommen, absolut wertvoll ist. Wir sind den Spendern der BKZ, der Glücksspirale und unseren treuen Erlacher Spendern sehr dankbar.“ Die Glücksspirale fördert den Kauf mit 14741 Euro. Die Backnanger Kreiszeitung ermöglichte durch ihre jährliche Weihnachtsspendenaktion „BKZ-Leser helfen“ eine Unterstützung in Höhe von 10000 Euro. Und auch die Spender der Erlacher Höhe trugen mit einem Betrag von 20300 Euro einen Teil bei. Somit konnten die Wohnung und die anschließende Modernisierung vollständig durch Förderungen und Spenden finanziert werden.

Der geschäftsführende Vorstand der Erlacher Höhe, Wolfgang Sartorius, zeigt sich dennoch besorgt über die Lage am Wohnungsmarkt. Denn obwohl die Spenden und Förderungen schon eine ganze Weile vorhanden waren, gab es lange keinen bezahlbaren Wohnraum, den man hätte kaufen können: „Und dabei ist die Geschichte von Karl Pold kein Einzelfall. Der bezahlbare Wohnraum wird nicht nur im Rems-Murr-Kreis immer knapper. Und obwohl wir die Förderungen und Spenden der Glücksspirale und der Backnanger Kreiszeitung schon eine Weile zugesichert hatten, konnten wir erst im vergangenen Jahr das renovierungsbedürftige Apartment aufkaufen und sanieren. Der Wohnungsmangel ist ein grundsätzliches Problem, das viele ähnliche Geschichten mit sich bringen wird. Die Politik muss noch mehr tun, damit auch Menschen mit kleinem Geldbeutel bezahlbaren Wohnraum finden.“

Für Karl Pold ist es ein Glücksfall, dass er nun seine eigenen vier Wände bewohnen kann. Er zeigt sich optimistisch: „Ich bin insgesamt jetzt etwas zuversichtlicher, dass es auch in anderen Bereichen aufwärtsgeht, ich eine Arbeit finde und sich meine Lage verbessert.“

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Erstellt:
6. August 2020, 06:00 Uhr

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