Spielen, was das Zeug hält

BKZ-Redakteure stellen ihre Lieblingsspiele für den Sommerurlaub vor

Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Fotos: A. Becher

Großer Spaß für echte Zocker

Von Kornelius Fritz

Ein Gesellschaftsspiel muss für mich vor allem eines sein: einfach. Spiele, bei denen ich erst mal eine 50-seitige Anleitung durchlesen muss, schrecken mich ab. „Bluff“ ist supereinfach, die Regeln hat jeder in zwei Minuten verstanden. Trotzdem ist das Spiel keineswegs trivial.

Jeder der bis zu sechs Spieler hat einen Becher mit fünf Würfeln. Die unterscheiden sich von normalen Würfeln nur dadurch, dass sie anstelle der Sechs einen Stern haben, der als Joker zählt. Nun wird gewürfelt, anschließend wird gezockt: Die Spieler müssen wetten, wie oft eine bestimmte Zahl unter den Bechern liegt. Jeder kann dabei nur seine eigenen Würfel sehen, doch die Wetten der Mitspieler lassen Rückschlüsse darauf zu, welche Zahlen unter ihren Bechern liegen könnten. Aber vielleicht war alles auch nur ein großer Bluff? Wer sich verzockt hat, muss Würfel abgeben. Wer keinen Würfel mehr hat, scheidet aus.

Das Spiel des Jahres 1993 ist zwar nicht neu, aber immer noch ein großer Spaß. Auch für Kinder ab etwa elf Jahren, denen es diebische Freude bereitet, wenn sie Mama oder Papa mit einem geschickten Bluff aufs Glatteis geführt haben. Ein weiterer Vorteil: Eine Spielrunde dauert nur wenige Minuten. Damit ist „Bluff“ das perfekte Spiel, um etwa Wartezeiten im Urlaub zu überbrücken.

Spielen, was das Zeug hält

© Alexander Becher

Zielen, treffen , jubeln und kassieren

Von Florian Muhl

Gut gezielt ist halb gewonnen. Die Zwei und die Fünf müssen weg. Also heißt es jetzt: Maß nehmen und mit einem eleganten Wurf genau auf die Kanten der anderen beiden Würfel zielen und auch treffen, sodass sie anschließend möglichst neue Zahlen zeigen. Super, geschafft. Jetzt liegen in der Arena drei Vieren – her damit! Das war wirklich „Der große Wurf“. So heißt auch eines meiner Lieblingsspiele. Es ist beim Spieleverlag Ravensburger in der Reihe „Einfach spielen“ erschienen. Und das ist in der Tat kein leeres Versprechen. Die Regeln sind ganz simpel, rasch hat’s jeder kapiert. Und trotz der einfachen Anleitung macht das kurzweilige Spiel richtig Laune, egal, ob man zu zweit würfelt, oder zu fünft. Bis zu 50 Würfel sind im Spiel. Ein Durchgang dauert nur bis zu 15 Minuten.

Die Idee zu dem Spiel hatte Dieter Nüßle, der in Oberbrüden gewohnt hat. Vor 15 Jahren kam der Erzieher erstmals in die Redaktion, damals mit im Gepäck: „Super-Pauli“, ein kleines Würfelspiel, das er zur Serienreife entwickelt hatte. Er ließ es ausschließlich im BBW der Paulinenpflege Winnenden von Hör- und Sprachbehinderten fertigen (wir berichteten). Vier Jahre später hatte Nüßle eine weitere Spielidee bis zur Marktreife entwickelt. Die Würfel sind geblieben, das Spielfeld ist etwas größer geworden. Das Spiel „Bleichwiese“ war geboren. Sein Versuch, das Spiel zu vermarkten, war von Erfolg gekrönt. Im Jahr 2012 präsentierte Ravensburger sein Spiel unter dem Namen „Der große Wurf“. Nüßle war glücklich, denn der weltweite Vertrieb wurde vereinbart. Und der ehemalige Oberbrüdener verdiente. An jedem verkauften Spiel. In Frankreich war dieses lustige Würfelspiel auf der Liste der zehn besten Spiele gelandet.

Spielen, was das Zeug hält

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Einfach erklärt – und doch heiß geliebt

Von Matthias Nothstein

Im Jahr 1980 ist das Zahlenlegespiel Rummikub erstmals in Deutschland auf den Markt gekommen und hat gleich den Kritikerpreis „Spiel des Jahres“ abgeräumt. Das Exemplar meiner Familie stammt vermutlich aus dieser Zeit, zumindest lässt die Verpackung darauf schließen. Die Schachtel ist unzählige Male mehr oder weniger erfolgreich mit Tesafilm repariert worden. Der Abnutzungsgrad ist ein unleugbares Indiz, dass das Spiel im Haushalt Nothstein prächtig ankommt. Letztendlich ähnelt es dem Kartenspiel Rommé, nur dass es mit Zahlenplättchen aus Kunststoff gespielt wird. Die Spielregeln sind so simpel, dass sie in einer Minute erklärt sind und jeder Neuling sofort mitspielen kann. Jeder Teilnehmer erhält 14 Plastikplättchen und muss versuchen, diese so schnell wie möglich loszuwerden. Die Plättchen haben Zahlen von 1 bis 13, zudem gibt es die Zahlen in vier Farben. Ablegen darf man, wenn man in einer Farbe drei aufeinander folgende Zahlen hat oder mindestens drei gleiche Zahlen in unterschiedlichen Farben. Haben die Mitspieler auch schon abgelegt, darf reihum angelegt oder umgebaut werden. Wer gar nicht machen kann, der muss ein weiteres Plättchen aufnehmen.

Die malträtierte Schachtel hat schon viele Urlaubsdomizile gesehen, wurde schon bei manch einem Familienabend herausgekramt und ist heiß geliebt. Und wenn auch jeder Spieler seine eigene Vorgehensweise hat, so ist es doch eines jener Spiele, das alle Familienmitglieder – egal ob jung ob alt – begeistert. Was man ja nicht unbedingt von jedem Spiel behaupten kann.

Spielen, was das Zeug hält

© Alexander Becher

Horst macht das Spiel zur Party

Von Lorena Greppo

Große Strategiespiele sind bei mir langen Winterabenden vorbehalten, im Sommer muss es etwas leichter, etwas lustiger sein. Und bei kaum einem Spiel lacht man so ausgelassen wie bei „Activity – Hol den Horst!“. Das Grundspiel Activity, in dem man Begriffe umschreiben, malen oder pantomimisch darstellen muss, sorgt schon für viele Lacher. Wenn dann noch Horst ins Spiel kommt, fühlt sich das Ganze eher nach einer Party an.

In dieser Version muss der Spieler die Begriffe nämlich nicht mehr selbst darstellen, sondern die 1,50 Meter große, aufblasbare Puppe Horst – ein ziemlich cooler Typ mit Sonnenbrille, Brustbehaarung und Stirnband – als Handlanger einsetzen. Welchen Sport übt Horst aus? Welchen Film spielt er gerade nach? Welchen Tanzstil versucht er vorzuführen? Wer die gesuchten Begriffe errät, erhält – wie im ursprünglichen Activity-Spiel – Punkte. Welches Team zuerst 30 Punkte zusammen hat, gewinnt.

Das Spiel ist laut Anleitung für Spieler ab 16 Jahren geeignet und auch in größeren Gruppen spielbar. Eine Runde dauert etwa eine halbe Stunde – aber wann bleibt es schon bei nur einer Runde? Und wenn die Luft raus ist, lässt sich Horst auch wieder ganz einfach im Karton verstauen.

Spielen, was das Zeug hält

© Alexander Becher

Hohe Zahlen unbedingt loswerden

Von Steffen Grün

Die dunkelblauen Karten mit der -1 und der -2 sowie die hellblaue Null sind die Guten, die tiefroten Exemplare mit der Neun, Zehn, Elf und Zwölf die Bösen – darauf können sich bei Skyjo alle einigen. Sehr individuell ist die Einschätzung der zwei anderen Kategorien, doch gemeinhin gelten die grünen Karten (1 bis 4) als sehr ordentlich, die gelben (5 bis 8) allenfalls als durchschnittlich.

Los geht es damit, dass alle der zwei bis acht Spieler ab acht Jahren jeweils zwölf Karten kriegen und sie in drei waagrechten Viererreihen verdeckt ausbreiten. Jeder darf dann zwei umdrehen und schon beginnt das große Wehklagen ob der erfreulichen oder vermaledeiten Zahlen und Farben. In der Mitte wird eine Karte offen platziert, sie bildet den Beginn des Ablegestapels. Fortan geht es darum, auf mehreren erlaubten Wegen möglichst viele hohe Zahlen loszuwerden und gegen niedrige einzutauschen. Das Ziel ist es nämlich, so wenige Punkte wie möglich zu haben, wenn der erste Kontrahent seine letzte Karte umdreht und damit der letzte Umlauf anbricht.

Es ist viel Glück und Pech dabei, die strategischen Möglichkeiten sind begrenzt. Trotzdem können Fehler passieren. Weil es die Sonderregel gibt, dass eine senkrechte Reihe mit drei gleichen Zahlen abgelegt werden darf und risikobereite Spieler dafür absichtlich hohe Zahlen horten (was oft im Fiasko endet), bringt es einem Hohn und Spott ein, wenn man im falschen Moment die 12 auf dem Ablegestapel platziert und sich der Rivale lachend bedient. Abgerechnet wird, wenn der erste Spieler die 100-Punkte-Marke erreicht. Wer dann die wenigsten Punkte hat, hat gewonnen. Wie viele Runden das dauert, ist sehr unterschiedlich.

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Erstellt:
1. September 2020, 14:16 Uhr

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