Spielerischer und heilsamer Kontakt

Für den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald steht in dieser Dekade einiges an. Einerseits möchte das Geschäftsstellenteam die Potenziale des Naturraums für Bewohner und Gäste weiter ausschöpfen, andererseits ist der Naturschutz ein gewichtiges Thema.

Heute schon im Wald gebadet? Diese Form des Naturkontakts gilt als gesundheitsfördernd. Jasmin Kotrba möchte Angebote auch im Naturpark entwickeln. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Heute schon im Wald gebadet? Diese Form des Naturkontakts gilt als gesundheitsfördernd. Jasmin Kotrba möchte Angebote auch im Naturpark entwickeln. Foto: A. Becher

Von Christine Schick

MURRHARDT. Der Naturpark ist ein großes Gebiet mit vielen Möglichkeiten. Es ließe sich in den Wald eintauchen, um sich und seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun, den Kindern etwas zu Krabblern vermitteln oder vielleicht beim Anlegen einer Blühwiese helfen. All diese Potenziale hat das neue Naturparkteam um Geschäftsführer Karl-Dieter Diemer und Naturparkvorsitzenden Armin Mößner im Blick und möchte sie so gut wie möglich nutzen. Dazu hat sich die personelle Situation verbessert: In der Geschäftsstelle stehen mit Elena Schick, Sabine Rücker, Jasmin Kotrba und Franziska Hornung vier qualifizierte Mitarbeiterinnen bereit, um mit Diemer, dem Naturparkverein und einem großen Netzwerk und vielen Partnern die Schätze des Naturparks zugänglich zu machen und sich gleichzeitig für deren Bewahrung einzusetzen. Mit dem Naturparkplan 2030 können sie auf eine Art Kompass für die nächsten zehn Jahre zurückgreifen, der noch vor Corona unter Beteiligung unterschiedlicher Gruppen aus den Mitgliedskommunen entstanden ist. Bisher waren für das Geschäftsstellenteam rund 100 Tage Zeit, um sich einzuarbeiten und mit einer Reihe von Partnern Kontakt aufzunehmen. „Nach dem ersten Eindruck besteht eine große Offenheit gegenüber dem, was wir mit dem beziehungsweise als Naturpark erreichen möchten“, sagt Karl-Dieter Diemer, der auch als Naturparkführer und Förster seine Erfahrung in die Arbeit einbringen kann. Als thematische Schwerpunkte gibt der Naturparkplan dem Team vier Handlungsfelder an die Hand.

Ein Naturparkkindergarten kann den Forscherdrang kleiner Leute nutzen.

Elena Schick ist durch ihre Ausbildung für den ersten thematischen Bereich prädestiniert – „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ –, die Biologin hat sich in einem weiteren Studium auf genau dieses Thema spezialisiert. Es gibt zwei konkrete Projekte, die sie nun zunächst konzeptionell angehen wird: Naturparkkindergärten und neue Naturparkführer-Ausbildung. Nach den Naturparkschulen, derer es mittlerweile zwölf in den Mitgliedskommunen gibt, sollen nun auch Kindergärten in den Genuss kommen, Möglichkeiten des Naturparks in die Arbeit zu integrieren. „Kinder in dem Alter haben einen besonderen Forscherdrang, experimentieren gerne“, sagt Elena Schick. „Ich finde, das kann man wunderbar nutzen“, erklärt sie. Auch kann ein Naturparkkindergarten möglicherweise noch einen Tick spielerischer mit den Inhalten umgehen als eine Naturparkschule. Armin Mößner geht davon aus, dass sich neben einer Kita in Murrhardt eine oder zwei weitere Einrichtungen als Pilotpartner finden, sodass sich das künftige Konzept gemeinsam erarbeiten lässt. Ebenfalls auf dem Plan steht die Ausbildung einer dritten Generation von Naturparkführern, die Elena Schick vorbereitet und inhaltlich noch breiter aufstellen möchte. Die konkrete Umsetzung ist für 2023/24 vorgesehen.

Sabine Rücker, beruflich ursprünglich in der Landschaftsarchitektur beheimatet, ist als langjährige Naturparkführerin mit Kulisse und vielen Partnern vertraut. Sie übernimmt den Bereich Regionalvermarktung und kümmert sich um die Betreuung der Projektförderung. Für Letztere hat der Naturpark ein Budget bis 2022, das laut Mößner noch nicht ausgeschöpft ist, sprich Kommunen, Vereine und weitere Interessenten sind aufgerufen, Anträge zu stellen. Bei Sabine Rücker sind Vorhaben auf dem Schreibtisch gelandet wie weitere Premiumwanderwege „Feenspuren“ auszuweisen, den Mühlenwanderweg zu überarbeiten oder ein Ausstellungsprojekt zu Pilzen sowie zu Mauerseglern und Schwalben. Bei der Regionalvermarktung gibt es insofern noch Einschränkungen, dass die Naturparkmärkte für dieses Jahr abgesagt sind, auf denen nicht nur viele Hersteller ihre Waren präsentieren können, sondern die auch für die Besucher echte Anziehungspunkte sind. Doch der Organisationsaufwand mit entsprechendem Hygienekonzept für Team und Kommunen wäre enorm. Der spielt möglicherweise auch beim „Brunch auf dem Bauernhof“ eine Rolle, aber zumindest haben drei Betriebe ihre Teilnahme zugesagt. Auch „Gaildorf chillt“ und der Tag des Schwäbischen Waldes sollen stattfinden.

Vor dem Hintergrund der Pandemie haben nicht wenige die nähere Umgebung beziehungsweise Deutschland als Reiseziel wiederentdeckt. Dies möchte auch der Naturpark nutzen. Das ist das Wirkungsfeld von Jasmin Kotrba, die sich der Entwicklung eines „nachhaltigen Tourismus“ und dem Bereich Erholung widmen wird und mit ihrem Studium Gesundheitsmanagement im Tourismus entsprechende Voraussetzungen mitbringt. Auf ihrer Liste steht beispielsweise das Projekt „Quo vadis“, das Rad- und Wanderwege, Sehenswürdigkeiten, Beherbergungsbetriebe und vieles mehr auf digitaler Ebene zusammenführen will. Für einen „Traumurlaub in der Heimat“ heißt es, die Möglichkeiten des Naturparks wie Wege für mehrtägige Wanderungen und Unterkünfte transparent zu machen. „Da tun sich manchmal auch Konflikte mit dem Naturschutz auf“, sagt Jasmin Kotrba. Es ist nicht allein wegen Corona problematisch, wenn ein See von Massen an Besuchern bestürmt wird. Und dann gibt es da beispielsweise die Mountainbiker, die bei manchen Wanderern nicht immer auf Gegenliebe stoßen. Hier setzt das Team auf die Initiative des Kreisforstamts, das einen runden Tisch mit verschiedenen Beteiligten ins Leben gerufen hat. Jasmin Kotrba will sich außerdem um „naturnahe Gesundheitsangebote“ kümmern und dabei alle Altersgruppen im Blick haben. Ein klassisches Beispiel in dieser Hinsicht ist für sie das Waldbaden. „Ein Aufenthalt, eine Auszeit im Wald, ist gesundheitsförderlich“, sagt sie. Ein Potenzial, das beispielsweise in Japan schon stark genutzt werde, unter anderem weil das Stresshormon Cortisol bei einem Aufenthalt gesenkt werde. Nun geht es darum, Ideen zu sammeln, wie solche Angebote aussehen können – ob in geführter oder freierer Form.

Bedingungen für Artenvielfalt schaffen – mit Wildblumenwiesen.

Dem vierten Handlungsfeld „Biodiversität“ hat sich Franziska Hornung angenommen. Ursprünglich im Tourismusbereich tätig, hat sie sich in ihrem Studium in die Fächer „Waldwirtschaft und Umwelt“ sowie „Naturschutz und Landschaftspflege“ vertieft. Anknüpfen kann sie an das bestehende Projekt „blühende Naturparke“, bei dem es darum geht, Flächen als Wildblumenwiesen umzugestalten und so Insekten ein langfristiges Nahrungsangebot zu sichern. Neben Privatleuten, Vereinen oder Unternehmen, die dazu die Möglichkeit haben, sind auch Kommunen aufgerufen, so ihren Teil zur Erhaltung der Arten beizutragen. „Das heißt für die Kommunen, Flächen umzugestalten und dabei auch nicht groß gärtnerisch einzugreifen. Da müssen wir uns manchmal auch an die eigene Nase fassen und das vor Ort mit dem Bauhof umsetzen“, sagt Mößner.

Dabei gibt es Hilfe: Für Bauhofmitarbeiter bietet der Naturpark demnächst eine Wildbienenexkursion mit einem Fachmann an, gefolgt von einem Seminar, bei dem die konkrete Anlage von Wiesen Thema ist. Aktuell haben – neben den schon geschulten Kommunen – drei weitere Interesse angemeldet: Murrhardt, Spraitbach und Fichtenberg. Auch die Bilanz auf den Blühflächen dreier ausgewählter Standorte mit rund 50 verschiedenen Pflanzenarten könne sich sehen lassen, so Hornung. Als weitere Naturräume, bei denen über die Pflege die Vielfalt von Fauna und Flora unterstützt werden kann, stehen in Seminaren Gräben und Hecken auf dem Programm. Für die breite Öffentlichkeit kann das Thema Biodiversität beim Naturschutztag beleuchtet werden, gleichzeitig gilt es für Franziska Hornung, auch immer wieder für Respekt vor der Natur zu werben, sei es, indem man klarmacht, dass es wichtig ist, auf den Wegen zu bleiben oder Abfall wieder mit nach Hause zu nehmen.

Das Team (von links): Karl-Dieter Diemer mit seinem Parson Russell Terrier Eddy, Jasmin Kotrba, Armin Mößner, Naturparkvorsitzender und Bürgermeister von Murrhardt, Elena Schick, Sabine Rücker und Franziska Hornung – zeigen den druckfrischen Naturparkplan 2030. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Das Team (von links): Karl-Dieter Diemer mit seinem Parson Russell Terrier Eddy, Jasmin Kotrba, Armin Mößner, Naturparkvorsitzender und Bürgermeister von Murrhardt, Elena Schick, Sabine Rücker und Franziska Hornung – zeigen den druckfrischen Naturparkplan 2030. Foto: J. Fiedler

Kontakt zum Team

Die Geschäftsstelle im Naturparkzentrum, Marktplatz 8, in Murrhardt ist über Telefon 07192/213-888 oder E-Mail info@naturpark-sfw.de zu erreichen. Auf der Homepage unter www.naturpark-sfw.de gibt es viele Infos, unter anderem einen monatlichen Newsletter.

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Erstellt:
8. Juli 2021, 06:00 Uhr

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